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Richtig bewerben für Juristen

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Richtig bewerben für Juristen

Wie die richtige Bewerbung für Juristen aussehen sollte

Die meisten werden das kennen: Man studiert im Schnitt 5-6 Jahre und geht dann in der Regel sofort in den juristischen Vorbereitungsdienst. Außer für ein paar Praktikumsstellen oder Nebenjobs hat man sich in dieser Zeit meist noch nie wirklich beworben. Vermutlich wird es da den meisten so gehen wie mir. Wie sehen vollständige Bewerbungsunterlagen aus? Was gehört – speziell für Juristen – in den Lebenslauf? Alle diese Fragen möchte ich nach einem Besuch eines intensiven Bewerbungsseminar für Akademiker in folgendem Beitrag beantworten.

Die vollständige „Bewerbungsmappe“

Das Wort Bewerbungsmappe habe ich bewusst in Anführungsstriche gesetzt. Denn mittlerweile wurde die klassische Bewerbungsmappe von der Bewerbung per E-Mail weitläufig verdrängt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Schnellere Abwicklung der Bewerbungen und weniger Papier auf dem Schreibtisch. Nichtsdestotrotz muss auch die E-Mail den Standards entsprechen, wie eine Bewerbung in Papierform. Welche Anlagen geforderten werden, entnehmt ihr bitte der konkreten Stellenbeschreibung. Anhand der von mir durchforsteten Stellenausschreibungen kann man aber sagen, dass folgende Anlagen immer gefordert werden:

  1. Anschreiben
  2. Lebenslauf
  3. Zeugnisse Staatsexamina

Ich persönlich hänge immer noch ein paar Stationszeugnisse oder AG-Zeugnisse an, gerade wenn die Noten im Examen stark abweichen sollten.

Auf die Form kommt es an

An dieser Stelle sei nochmals darauf hinzuweisen, dass bereits der erste Eindruck der Bewerbung entscheidet. Bitte achtet unbedingt darauf, dass die Anlagen auch so benannt sind. Beispiel: „Vorname.Nachname.Lebenslauf“. Als Dateiformat sollte durchgehend PDF gewählt werden, damit Veränderungen im Nachhinein ausgeschlossen werden können. Dies ist mittlerweile die Standardformatierung. Wer sich gerade bei einem großen Unternehmen bewirbt, das zahlreiche Bewerbungen erhalten wird, dem gebe ich noch einen kleinen Tipp mit. Wenn ihr in den E-Mails „oben“ auf der Liste des Arbeitgebers erscheinen wollt, setzt vor den Dateinamen noch ein großes A vor. Beispiel: A.Vorname.Nachname.Anschreiben“. In der Regel werden die Bewerbungen nämlich alphabetisch sortiert, sodass ihr auf der Pole Position landen könnt.

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Das Anschreiben

Beginnen wir zunächst mit dem Anschreiben. Es sollte immer der Leitsatz gelten: Weniger ist mehr. Es gibt Dinge, die müssen rein und es gibt Dinge, die können rein. Absolut zu vermeiden ist es allerdings, sogenannte „Standardanschreiben“ aus dem Internet herunterzuladen und langweilige Formulierungen zu übernehmen. Die Arbeitgeber kennen diese meistens und merken, ob man sich hinreichend Mühe gegeben hat. Zu Beginn solltet ihr darstellen, wie ihr auf die Stelle aufmerksam geworden seid und kurz! darauf eingehen, warum man sich gerade dort beworben hat. Dann sind die geforderten Kompetenzen (diese stehen in der Stellenausschreibung) zu wiederholen und die eigenen darzustellen und warum diese zu der Stelle passen. Beispiel: „Meine fundierten Kenntnisse aus dem allgemeinen Zivilrecht, decken sich mit Ihren fachlichen Anforderungen…“.

Seid selbstbewusst und fallt nicht in die Bittstellerposition! Ihr bringt etwas mit, wovon euer Arbeitgeber profitiert. Durch eure zwei Staatsexamina habt ihr hinreichend bewiesen, dass ihr befähigt seid, qualitativ hochwertige juristische Dienstleistung zu erbringen. Kaum ein Arbeitgeber möchte ein ellenlanges Motivationsschreiben lesen. Gerade für uns Juristen gilt: Prägnanz, Prägnanz, Prägnanz oder wie bereits gesagt „Weniger ist manchmal mehr“.

Jedes Anschreiben endet natürlich mit „Auf ein Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen“. Gebt es zu, das habt ihr auch immer gedacht, oder? Was meint ihr, wie oft euer (zukünftiger) Arbeitgeber diese nichtssagende Standardfloskel am Tag liest? Seid selbstbewusst! Zeigt, dass ihr der richtige Mann/ die richtige Frau seid. Besser also zum Beispiel:“Für eine Arbeitsaufnahme stehe ich ab sofort zur Verfügung. Mit freundlicher Empfehlung…“.

Der Lebenslauf

Auch für den Lebenslauf finden sich unzählige Formatvorlagen. Von schnörkeligen Schriften bis zu den buntesten Variationen. Auch hier gilt die Devise: Weniger ist mehr. Der Lebenslauf hat keine andere Funktion, als die des schnellen Überblicks über eure Person mit trockenen Informationen. Keiner von euch bekommt eine Stelle, weil der Lebenslauf besonders kreativ gestaltet war. Juristen sind konservativ und wollen keine kreativen Lebensläufe. Oben rechts sollte digital ein professionelles Bewerbungsfoto angebracht sein. Diese sollten unbedingt von einem Fotografen gemacht werden (der erste Eindruck zählt!). Diese sind meist schon ab 16 Euro zu haben. Es sollte eine gewisse Seriosität ausstrahlen. Das nötige Outfit dazu sollte bestenfalls genauso tadellos aussehen, wie in der mündlichen Prüfung.

Der Lebenslauf sollte immer so aufgebaut sein, dass das chronologisch neueste Ereignis am Anfang steht. Er beginnt klassisch mit den allgemeinen Daten zur Person (Name, Adresse, Geburtsdatum und Ort, Familienstand, Kontaktdaten). Daran schließt sich der berufliche Werdegang an, der natürlich bei jedem anders ist. Bei mir war er relativ kurz, da ich nur den Zivildienst vor dem Studium gemacht habe. Daneben habe ich nur das Referendariat inklusive der wichtigsten Stationen angeführt. Danach kommt der wesentlich interessantere Teil für die Juristen: Das Studium. Auch hier sollte in aller Kürze der Studiumsverlauf (inklusive Schwerpunktbereich) mit dem Abschluss dargestellt werden. Ob man hier schon die Note darstellt, ist jedem selbst überlassen. Natürlich ist gerade die Note oft bei den Juristen entscheidend. Aber wer den Arbeitgeber neugierig machen will, der kann diese an dieser Stelle unbenannt lassen. Überdies werden nämlich ohnehin die Zeugnisse mit eingescannt.

Danach folgt der schulische Werdegang. Auch dieser ist so kurz wie möglich zu halten. Auf welcher Schule ihr eure Hochschulreife erlangt habt, interessiert die wenigsten. Das Abschlussjahr und der Abschluss genügen hier vollkommen. Der Lebenslauf schließt mit den „Besonderheiten“ ab. Hier gehört in der Regel der Führerschein und die Klasse hinein und eventuelle Sprachkenntnisse. Darunter würde ich dann immer noch den Satz hinzufügen „Der Eintritt ist ab sofort möglich“. Somit stellt ihr klar, dass ihr bei einer etwaigen Zusage sofort einsteigen könnt. Hobbys kann man anbringen oder weglassen.

Fazit

Gerade wenn man nach einem jahrelangen Studium vor einer Bewerbung steht, wissen die meisten nicht, was aktuell gefordert wird. Wer den Satz „Weniger ist mehr“ verinnerlicht und formal eine optisch ansprechende Bewerbung erstellt, wird deutlichere Vorteile gegenüber anderen Bewerbern haben. Merkt euch: Der gelungene Karrierestart erfolgt bereits einen Schritt vorher. Nämlich mit der Bewerbung. Bereits hier trennt sich die Spreu vom Weizen und ihr gebt mehr von eurer Person preis, als ihr vielleicht denkt.

Ich wünsche euch allen viel Erfolg bei euren Bewerbungen und wünsche euch, dass ihr alle euren Traumjob ergattert!

-Sinan

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