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Der Notenverbesserungsversuch im Zweiten Staatsexamen

By 31. Dezember 2019No Comments
Sinan Erfahrungsberichte Referendariat

Der Notenverbesserungsversuch im Zweiten Staatsexamen

If at first you don’t succeed… Try, try, try again!

Liebe treue Begleiter dieses Blogs, nicht besser hätte es laufen können, als vor einer Woche Post vom Landesjustizprüfungsamt ins Haus flatterte. Prüfungsamt? Again? Achjaaa, da war ja was…

Der berufliche Stress als selbständiger Rechtsanwalt hat natürlich den schönen Nebeneffekt, dass man gut abgelenkt ist und kaum Zeit bleibt über die vergangenen Klausuren aus dem Verbesserungsversuch zu grübeln. So hatte ich bereits verdrängt, welche Themen überhaupt Gegenstand dieses Klausurdurchgangs waren. Mit 0 Erwartungshaltung öffnete ich daher eher beiläufig den Brief und musste mich dann zweimal vergewissern, ob das auch wirklich meine Prüfungskennziffer war, die den Notenbescheid zierte. Tatsächlich hatte ich es geschafft. Ganze 3 Punktesprünge im Vergleich zum ersten Durchgang! Ich war platt! Dabei lief es vom eigenen Gefühl kaum besser als bei den vorherigen Klausuren. In diesem Beitrag will ich daher von meiner eigenen und ehrlichen! Erfahrung berichten, wie mir dieser Sprung gelang.

Wie läuft der Verbesserungsversuch im Zweiten Examen ab?

Bevor ich zu meiner „Vorbereitung“ komme, will ich vorab noch kurz erläutern, wie der Verbesserungsversuch im Zweiten Staatsexamen (NRW) abläuft. Im Grunde besteht die Möglichkeit der Verbesserung analog wie im Ersten Staatsexamen. Besteht man als Prüfungskandidat im Erstversuch sein Examen, bietet das Juristenausbildungsgesetz NRW die Möglichkeit, nochmals zum Examen anzutreten, wenn man mit seiner Endnote nicht zufrieden ist. Der entscheidende Unterschied zum Ersten Examen besteht in den anfallenden Kosten für den Verbesserungsversuch. Ganze 600 € musste ich an Gebühren zahlen, wenn ich nochmals den Versuch wagen wollte. Eine Ratenzahlung ist nicht möglich. Für einen Referendar eine Menge Geld, wenn man bedenkt, was man als Unterhaltsbeihilfe bekommt. Fangt also schon mal an zu sparen 😉

Aber hat sich die Investition und das Risiko gelohnt? Jeder Cent!

Was habe ich anders gemacht?

Für die Leser, die meine vorherigen Beiträge nicht verfolgt haben: Ich habe keinerlei Repetitorien oder Seminare für das Zweite Staatsexamen besucht. Lediglich die AG- Klausuren und ein privater Fernklausurenkurs wurden von mir besucht. Teilweise habe ich mich für den Erstversuch mit Unterlagen aus dem Ersten Examen vorbereitet (Crashkursskripte für das materielle Recht) und teilweise mit den klassischen Skripten für das Zweite Examen (an dieser Stelle sei gesagt, dass die Wahl der Anbieter reine Geschmackssache ist).

Von Beweihräucherung bekannter Seminaranbieter halte ich grundsätzlich nichts. Meiner festen Überzeugung nach ist das Zweite Examen, genau wie das Erste auch, reine Fleißarbeit und entscheidend ist daher die eigene Nacharbeit Zuhause (oder wahlweise in der Bibliothek).

Das sage ich deshalb, da ich von vielen Seminarbesuchern gehört habe, dass wohl häufig gesagt wurde, dass Sachenrecht würde beispielsweise im Zweiten Examen eher einen Exoten darstellen. Die Realität: Im ersten Durchgang wurde 3-mal! hintereinander Sachenrecht am Hochreck geprüft (ZI, Z II, Z III).

Ich war fleißig und hatte natürlich hohe Erwartungen an mich selbst. Meine AG- und Stationszeugnisse waren immer überdurchschnittlich gut, sodass ich mir zusätzlich den Druck machte, auch im Examen abzuliefern. Schnell wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. AG- Noten sind eben Kuschelnoten.

Nach meiner Einsichtnahme im Erstversuch analysierte ich daher meine Fehler, und zwar ohne mich selbst zu betrügen. Was war schlecht, was war gut gelaufen?

Teilweise unterliefen mir einfachste Fehler, die man hätte vermeiden können, wenn man vielleicht die Akte genauer studiert hätte. An anderen Stellen zeigte sich, dass ich im Sachenrecht nicht genügend für den materiellen Teil wiederholt hatte. Ich kam jedoch zum Schluss, dass ich mir selbst im Weg stand, da ich mir einen zu großen Druck wegen der Noten machte.

Für den Verbesserungsversuch stand daher für mich fest: ENTSPANNT reingehen und sein BESTES geben! Mehr kannst du nicht von dir erwarten!

Was tat ich also? Ich legte mir einen neuen Lernplan fest, indem ich viel mehr Wiederholungen im materiellen Recht einbaute und Klausuren nur noch skizzierte. Ich schrieb keine einzige Klausur mehr aus (denn bei der Zeiteinteilung gab es keine Probleme).

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich mir das Ganze nochmal antun soll. Der ganze Stress und die hohen Gebühren… Aber eins hatte ich auch immer im Hinterkopf: Lieber noch einmal kämpfen, damit man zumindest sagen kann: Ich habe es bis zuletzt versucht.

Daher ging ich genau mit dieser lockeren Stimmung und ohne irgendeine Erwartungshaltung in den Verbesserungsversuch. Ich muss ehrlicherweise sagen: Ohne diesen Druck, machte es tatsächlich sogar Spaß die Klausuren zu lösen. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht das Gefühl hatte, dass diese besser liefen, konnte ich erstmals mit freiem Kopf und juristischer Kreativität an die Akten rangehen. Zudem kam mir wohl zugute, dass keine „Klassiker“ abgefragt wurden, sondern teilweise sehr exotische prozessuale Einkleidungen Klausurgegenstand waren, die man mit Kommentararbeit sauber lösen musste.

Fazit

Als Fazit kann ich jedem nur mitgeben, der mit seiner Note unzufrieden ist und das Gefühl hat, eigentlich besser als das zu sein: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Löst euch von dem Notendruck, denn ob es für eure Traumnote reicht, hängt von zig weiteren Faktoren ab als nur von eurem Wissen. Ohne den immensen Druck geht man viel freier an die Klausuren heran und vermeidet Flüchtigkeitsfehler. Das hört sich einfacher an als es ist, war jedoch mein persönlicher Schlüssel zum Erfolg.

Sinan

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