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Freischuss – no or go?

Das Examen mal drei

Freischuss – So nennt man die Möglichkeit, einen dritten Examensversuch wahrzunehmen. Er schließt sich an das letzte Semester der Regelstudienzeit an und manche betiteln ihn auch als „Probeexamensdurchgang“ (auch wenn er das sicherlich nicht sein sollte!). Je nachdem, wie viele Examensdurchgänge dein Bundesland hat, musst du in – oder direkt nach – deinem 9. Semester den Freischuss schreiben. Ab 2019 wurde die Regelstudienzeit auf 10 Semester angehoben, allerdings wurden die Landesgesetze noch nicht an das Deutsche Richtergesetz angepasst. Die Freischussregelung hat sich also noch nicht geändert. Behalte aber diese Entwicklung im Blick!

Die richtige Planung

Den Freischuss zu schreiben bedeutet, dass man statt der regulären zwei Examensversuchen drei Versuche zur Verfügung hat. Besteht man den Freischussversuch nicht, gilt er als nicht unternommen. Besteht man den Freischuss, hat man ganz normal das Staatsexamen in der Tasche. Eine Besonderheit ist weiterhin, dass man nach dem Freischuss für den Notenverbesserungsversuch (in den meisten Bundesländern) keine Gebühr zahlen muss, die sonst nach dem regulären Versuch anfällt. Den Freischuss wahrnehmen zu können bedeutet, dass du genau im Studienplan studiert hast, kein Semester verloren und einen guten Zeitplan aufgestellt hast. Dennoch kommt der Freischussdurchgang schneller, als man denkt. Man sollte sich also frühzeitig klar werden, ob dieser wahrgenommen werden soll.

Bist du zum Beispiel nach dem fünften Semester scheinfrei, kannst du im sechsten und siebten Semester das Repetitorium besuchen, im achten Semester selber wiederholen und dann den Freischuss schreiben. Du kannst allerdings auch direkt im Anschluss an das Repetitorium schreiben. Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig, in der Regel ein halbes Jahr zuvor, für den entsprechenden Examenstermin anmelden muss. Dies ist nicht zu versäumen! In NRW und Niedersachsen kann darüber hinaus abgeschichtet werden, wenn die letzten Klausuren im Freischussdurchgang geschrieben werden. Hier musst du dich allerdings noch frühzeitiger entscheiden und bei deinem Prüfungsamt zum Examen anmelden. Das bedeutet, dass du dich nicht erst am Ende des Hauptstudiums mit dem Freischuss beschäftigen solltest, sondern so früh wie möglich.

No or go?

Der Vorteil des Freischusses liegt auf der Hand: man hat eine zusätzliche Sicherheit, einen zusätzlichen Examensversuch. Allerdings fallen die Wenigsten mehr als einmal durch das Staatsexamen. Dreimal durchzufallen könnte man dann auch durchaus als Warnsignal auffassen…

Aber der Freischuss gibt dir ein Gefühl von Sicherheit. Und die Möglichkeit, kostenlos eine Notenverbesserung anzustreben. Allerdings setzt es dich möglicherweise auch unter Druck. Die Regelstudienzeit ist knapp bemessen, wenn sich nur ein Fehler in einer Klausur einschleicht, kann die Zeit schnell knapp werden. Den Freischuss auf Teufel komm raus wahrzunehmen ist daher kein Muss, sondern sollte individuell abgewogen werden!

Vor allem setzen sich viele zu spät mit dem Freischuss auseinander. Sie haben vielleicht noch ein Jahr bis zu ihrem Freischussdurchgang und sind sich unsicher, ob sie ihn nicht doch mitnehmen sollen. Vor der Aussage „es ist ja nur mein Freischuss!“ sei aber gewarnt. Ich möchte davon abraten, den Freischuss als „Übung“ mitzuschreiben. Erstens muss dann der komplette Examensdurchgang abgeschlossen werden, inklusive der mündlichen Prüfung, und das kann insgesamt ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Bis man sich dann noch mal zum Examen anmelden kann, ist einiges an Zeit verloren gegangen, welche man sich hätte sparen können, hätte man einmal „richtig“ geschrieben. Dadurch muss man nicht nur zweimal den kompletten Examensprozess durchlaufen und man hat insgesamt eine mehrjährige (!) Examensphase.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, den halbherzigen Freischuss nicht zu bestehen. Einmal durch das Examen zu fallen ist wohl nicht gerade motivierend, sondern bringt eher Verzweiflung, Stress und Druck. Wenn der Freischuss überraschend bestanden wird, es aber eher knapp war, ist auch die Motivation für eine Notenverbesserung zu lernen wohl eher gering. Man hat das Staatsexamen ja in der Tasche, stellt sich aber vermutlich stets die Frage, ob im regulären Versuch nicht deutlich mehr drin gewesen wäre.

Fazit

Jede/r muss selber entscheiden, ob der Freischuss wahrgenommen werden soll, oder nicht. Das hängt auch immer mit dem Studienplan der Uni zusammen, denn es gibt durchaus Universitäten, in denen man kaum Pflichtleistungen erbringen muss. Trotzdem ist es theoretisch immer möglich, bis zum Freischussdurchgang alle nötigen Leistungen zu erbringen, denn z. B. der Schwerpunkt kann auch nach dem Examen geschrieben werden, er ist keine Voraussetzung. Dadurch kann man sich, je nach Universität, ein bis zwei Semester einsparen, die dann jedoch im Anschluss an das Staatsexamen noch absolviert werden müssen. Bei guter Planung ist es aber durchaus möglich, den Schwerpunkt in der Wartezeit auf die Examensergebnisse (wenigstens teilweise) zu absolvieren. Wer also eine zu lange Studienzeit vermeiden möchte, kann sich auch an der Universität beraten lassen.

Allerdings ist davor zu warnen, den Freischuss als Übung wahrzunehmen. Es bringt meiner Meinung nach nicht viel, dem Freischuss zeitlich hinterherzujagen. Wenn man sich bereit fühlt (so bereit, wie man eben sein kann) im Freischussdurchgang, dann sollte man ihn auch schreiben. Das Examen vor sich herzuschieben ist keine gute Idee. Wie so oft bei Jura: es kommt ganz einfach drauf an…

Der Freischuss hat durchaus attraktive Vorteile, sofern man ordentlich vorbereitet ist.

Informier dich auf jeden Fall frühzeitig (!!) auf der Internetseite deines Landesjustizprüfungsamtes über die Voraussetzungen und Vorteile in deinem Bundesland.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

-Lisa-Marie

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