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Referendariat

Tauchen in der Anwaltsstation

By 12. Dezember 2019Februar 28th, 2022No Comments
#Erfahrungsbericht_#Anwaltsstation

Tauchen in der Anwaltsstation

Vorbereitung auf die „heiße Phase“

Die Anwaltsstation ist (zumindest bei uns in NRW) die letzte Station vor den schriftlichen Prüfungen im Assessorexamen. In dieser Zeit steckt man irgendwo zwischen voller Arbeitsbelastung und dem Versuch, für das Examen zu lernen. Ich möchte euch in diesem Beitrag von meinen ersten Monaten in der Anwaltsstation, aber vor allem von der Phase vor der echten Vorbereitung erzählen.

Nach meiner Verwaltungsstation im warmen und sommerlichen Griechenland traf mich die harte Realität wie ein Schlag. Plötzlich steckte ich in der Anwaltsstation, musste jeden Tag entweder arbeiten oder die sog. Fortgeschrittenen-AG besuchen. Mein „Kanzleideal“ sieht vor, dass ich an jedem Tag, an dem ich nicht in meinem Landgericht sein muss, arbeite (also in der Regel vier). Gleichzeitig beginnt aber auch der Druck zu Lernen stetig zu wachsen. Die ersten Referendarkollegen erzählen von Kaiser-Seminaren, die sich am Wochenende besuchen, viele schreiben an den Wochenenden Klausuren oder besuchen nebenbei noch Repetitorien.

Ich persönlich habe mich auch für den Besuch des letzteren entschieden – allerdings nur im Zivilrecht. Nun in der Anwaltsstation angekommen, habe ich schnell realisiert, dass man uns bisher wahrscheinlich 1/3 der Klausurtypen beigebracht hat, die man für das Zweite Staatsexamen können muss. Das heißt: es kommt noch eine Menge Lernstoff hinzu. Von daher hielt ich es für eine gute Idee, die wichtigsten Informationen entweder vorgekaut zu wiederholen oder mit Anleitung neu zu lernen. Hinzu kommt, dass man auf diese Weise auch sehr kompakte Unterlagen an die Hand bekommt, mit denen man in der heißen Lernphase wiederholen kann.

Mir steht nun die wirklich heiße Lernphase – das „Tauchen“ – bald bevor. Die Erfahrungen meiner Kollegen, die mir einige Monate voraus sind, zeigen: es ist gar nicht so einfach, den Übergang gut zu bewältigen. In den ersten Tagen fällt es den meisten nicht leicht, überhaupt wieder einen Lernrhythmus zu finden. Aber ich glaube, das viel größere Problem ist, dass die meisten von uns gar nicht wissen, was sie lernen sollen. Der Berg an Arbeit scheint gar nicht bezwingbar, dabei hat man beim Eintritt ins Tauchen noch gar nicht alles gelernt, was man lernen muss. Aber wie immer sollte man die gröbsten Probleme mit guter Planung abfangen können.

Klausuren

Klausuren schreiben ist das A und O. Ich habe mich schon mit vielen ehemaligen Referendaren unterhalten und die meisten haben eine einhellige Auffassung über das Schreiben von Klausuren: man sollte so viele schreiben wie möglich. Das liegt zum einen daran, dass man nur so die Formalia der einzelnen Klausurtypen wirklich sicher beherrscht, da es in Sonderkonstellationen auch immer Besonderheiten im formalen Bereich gibt. Zum anderen lernt man nur auf diese Weise, wie man in unbekannten Rechtsgebieten und Situationen sein juristisches Handwerkszeug einsetzt. Die Zeit, das gesamte relevante materielle Recht zu lernen, hat nämlich niemand.

Lernplan

Ich glaube, für den Start ins Tauchen ist nichts so wichtig wie ein Lernplan. Gar nicht, weil man unbedingt einen braucht. Aber man stelle sich vor, der erste Tag des Tauchens ist endlich da und man möchte hochmotiviert das erste Mal in die Bib gehen. Was packt man ein? Was braucht man alles? Wie lange sollte man ein Thema bearbeiten, damit man alles schafft? Um einen Fehlstart zu vermeiden, braucht man diesen Plan einfach. Wenn man dann merkt, dass man doch ein ganz anderes Tempo an den Tag legt, lässt er sich immer noch ändern. Ich habe letztens einen guten Tipp gelesen und würde den an dieser Stelle gerne weitergeben: um einen Überblick über alle relevanten Themen zu bekommen, kann man sich die Inhaltsverzeichnisse der Skripten (z.B. Kaiser) vornehmen und diese dann als Anhaltspunkt für das Erstellen des Lernplans nutzen. Anhand der Seitenstärke der jeweiligen Kapitel weiß man ungefähr, wie viel Aufwand einen erwartet.

Wochenenden

Zeiteinteilung ist aber auch bereits vor dem Tauchen ein wichtiger Punkt. Klausuren schreiben ist aufwendig, aber sehr wichtig (s.o.). Ich schreibe nach Möglichkeit an jedem Wochenende eine Klausur, obwohl ich noch nicht tauche, halte mich aber nicht unbedingt sklavisch hieran. Falls ich Pläne für ein komplettes Wochenende habe, lasse ich die Klausur auch mal Klausur sein. Allen aus NRW würde ich auch empfehlen, damit zu Beginn der Anwaltsstation anzufangen. In den AGs werden in der Regel insgesamt 16 Klausuren angeboten. Das ist wirklich wenig. Alles in die Tauchphase zu schieben, kann wirklich gefährlich sein, wie ich von einigen Freunden weiß.

Daneben ist mein Tipp: einen Tag in der Woche sollte man auch mal frei haben. Irgendwas schönes machen. Spazieren gehen, Bier trinken, Serien gucken. Sonst läuft man Gefahr, sehr früh sehr ausgebrannt zu sein und die wirklich heiße Phase gar nicht mehr zu packen. Lest vielleicht auch mal ein Buch (nichts juristisches!). Ja, ich weiß, Bücher lesen, wenn man eh den ganzen Tag liest, klingt komisch. Aber: auf diese Weise kann man sich auch mal für einige Stunde in eine Welt fallen lassen, die mit Jura nichts zu tun hat. Ich kann es nur empfehlen.

Das Wort zum Schluss: in dieser Phase ist man nie allein. Es gibt genug „Mitleidende“, mit denen man seine Erfahrungen austauschen kann. Vielleicht findet man ja sogar jemanden, mit dem man zusammen lernen kann. Ich wünsche euch allen jedenfalls gutes Durchhalten!

Juliane

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Beitragsautor:

Juliane Lewen

Juliane Lewen

Juliane berichtete uns über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die sie während ihres juristischen Vorbereitungsdienstes gemacht hat.

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