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Meine Bewerbungsvorbereitung für die Anwaltsstation

By 19. Juli 2017 No Comments

Erfahrungsbericht: Meine Bewerbungsvorbereitung für die Anwaltsstation

Die Anwaltsstation dauert in nahezu allen Bundesländern neun Monate und bildet somit das Herzstück des juristischen Vorbereitungsdienstes. Anders als die Zivil-, Straf- und Verwaltungsstation (hier mit Ausnahme einer Zuweisung zur Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer) kann der Rechtsreferendar sich für die Anwaltsstation bundesweit eine Kanzlei suchen, je nach Bundesland gegebenenfalls mit Einschränkungen auch einen Notar oder ein Unternehmen. Bei der Suche nach einem geeigneten Ausbilder können viele Kriterien eine Rolle spielen, sei es die Art der Ausbildungsstätte, also etwa Großkanzlei, Boutique oder eben Unternehmen bzw. Notar, Prestige, Standort, Gehalt, Tätigkeitsfeld, zu erwartendes Arbeitspensum, praxisnahe Ausbildung, Übernahmewahrscheinlichkeit, Auslandsaufenthalt oder diverse Sonderleistungen, wie beispielsweise „Buddy“-Systeme, besondere Weiterbildungen etc. Selbstredend können normalerweise nicht alle Kriterien erfüllt werden, Abstriche sind also regelmäßig vorprogrammiert. Ich für meinen Teil wusste jedoch von vornherein genau, welche Handvoll Kriterien meine Wunschkanzlei erfüllen sollte und welche für mich weniger im Vordergrund standen. Dementsprechend fielen meine Bewerbungsvorbereitung für die Anwaltsstation aus.

Die Anwaltsstation: Die Erfüllung eines langersehnten Abenteuers

Mit meiner Bewerbung zum Referendariat stand für mich bereits fest, dass ich diese Zeit gerne in einem anderen Bundesland als Rheinland-Pfalz oder Hessen bestreiten wollte. Doch wegen privater Umstände kam alles etwas anders als ursprünglich geplant. Anstatt im Mai 2017 mit dem Referendariat in Sachsen im Landgerichtsbezirk Dresden zu beginnen, absolvierte ich (zunächst) für zwei Monate ein Ehrenamt bei der Staatsanwaltschaft in Mainz im Haus des Jugendrechts . Nun habe ich aber mit meinem juristischen Vorbereitungsdienst begonnen, und zwar im Landgerichtsbezirk Wiesbaden in Hessen.

Sicherlich ist das Referendariat an sich ein Abenteuer, auf das ich mich schon lange gefreut habe. Allerdings hatte ich schon lange geplant, zumindest für eine Weile mein gewohntes Umfeld zu verlassen. Diesen Wunsch möchte ich nun mit der Anwaltsstation in die Tat umsetzen, am liebsten in Dresden, Leipzig oder Berlin.

Prestige, Gehalt und Übernahmewahrscheinlichkeit? Meine etwas anderen Kriterien an den Ausbilder in der Anwaltsstation

Meine maßgeblichen Kriterien sind weniger Prestige, Gehalt und Übernahmewahrscheinlichkeit, sondern vielmehr Standort, Tätigkeitsfeld und Auslandsaufenthalt:

Dresden hat einen besonderen Reiz für mich, da es sich nicht nur um eine besonders schöne Stadt handelt, sondern ich dort auch einige Freunde habe. Für Leipzig gilt im Grunde das Gleiche und Berlin finde ich als Stadt ebenso spannend.

Doch mein Abenteuer soll sich nicht nur auf eine deutsche Stadt beschränken, vielmehr möchte ich die Anwaltsstation auch dazu nutzen, um während der Wahlstation noch einmal für drei Monate ins Ausland zu können. Besondere Kriterien an den Standort im Ausland habe ich wenige, er muss mich jedoch besonders ansprechen. In Betracht kommen deshalb nicht nur Klassiker wie London und New York, sondern auch Exoten wie Shanghai, Tokio oder sogar Breslau.

Letztlich ist für mich aber auch das Tätigkeitsfeld entscheidend. Als Strafrechtler und Kriminologe präferiere ich selbstverständlich Kanzleien, die (Wirtschafts-)Strafrecht anbieten. Darüber hinaus würde ich mich gerne näher mit Compliance und Internal Investigations beschäftigen, ein Rechtsgebiet in das ich schon einmal für drei Monate als wissenschaftlicher Mitarbeiter für eine Kanzleiboutique in Mainz hineinschnuppern durfte. Neben meinen bevorzugten Rechtsgebieten möchte ich die Anwaltsstation aber auch nutzen, um mich schwerpunkttechnisch auf das zweite Staatsexamen vorzubereiten. In Hessen sind die möglichen Schwerpunkte Staat und Verwaltung, Steuern und Finanzen, Arbeit, Wirtschaft sowie Sozialwesen. Darüber hinaus wird eine der vier zivilrechtlichen Examensklausuren wahlweise Wirtschafts- oder Arbeitsrecht zum Thema haben. Mit Compliance wird das Wirtschaftsrecht bereits angerissen, meine Präferenz liegt hier jedoch auf dem Arbeitsrecht. Daher sollte mein Ausbilder mir für die Anwaltsstation neben Strafrecht und Compliance auch tiefergehende Einblicke ins Arbeitsrecht ermöglichen. Mir ist bewusst, dass ich hiermit hohe Ansprüche formuliere, es deshalb alles andere als einfach ist, eine passende Ausbildungsstätte zu finden. Dennoch ist dies nicht unmöglich, sodass ich bald in die eigentliche Bewerbungsphase starten kann.

Eine frühzeitige Bewerbung, damit all meine Kriterien erfüllt werden

Eine deutsche Redensart besagt, dass der frühe Vogel den Wurm fängt. Deshalb habe ich bereits im Juni 2017 mit der Bewerbungsvorbereitung für die Anwaltsstation im Juli 2018 begonnen. Die Bewerbungen selbst werden im Laufe des Juli versendet.

Meine Bewerbungsvorbereitung umfasste zunächst eine Auswahl von Kanzleien, die als Ausbilder in Betracht kommen. Dazu habe ich mithilfe des Internets und des aktuellen (kostenlosen) Beck’schen Referendarführer zunächst eine Liste mit Kanzleien erstellt, die zumindest auf den ersten Blick meine Kriterien erfüllen könnten. Nachdem ich fast 40 Kanzleien zusammengesammelt hatte, habe ich mich mit den einzelnen Kanzleien telefonisch in Verbindung gesetzt, um die etwaigen offenen Fragen hinsichtlich meiner Kriterien zu klären, insbesondere ob eine Kombination aus Strafrecht, Compliance und Arbeitsrecht sowie ein Auslandsaufenthalt möglich sind und in welcher Form die Bewerbung erwünscht ist. Nachdem ich alle für mich relevanten Informationen zusammengetragen hatte, habe ich die Kanzleien im Sinne meiner Kriterien bewertet, also ob und inwieweit die jeweilige Kanzlei für mich in Betracht kommt. So stellte sich heraus, dass ca. 10 von 40 Kanzleien sehr gut beziehungsweise gut zu meinen Vorstellungen passen. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir eine dieser Kanzleien bei einer Vorlaufzeit von einem Jahr eine Zusage erteilt, ist hoffentlich recht groß.

Fazit: Die Anwaltsstation bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten

Rechtsreferendare können sich ihren Ausbilder im Rahmen der Anwaltsstation selbst aussuchen. Dadurch können die eigenen Präferenzen eine starke Gewichtung erhalten, sei es Art der Ausbildungsstätte, Prestige, Standort, Gehalt, Tätigkeitsfeld, zu erwartendes Arbeitspensum, praxisnahe Ausbildung, Übernahmewahrscheinlichkeit, Auslandsaufenthalt oder diverse Sonderleistungen. Je mehr bzw. ungewöhnlicher die Kriterien, desto weniger potentielle Ausbilder lassen sich jedoch finden. In solchen Situationen ist es daher besonders wichtig, sich möglichst frühzeitig um die Bewerbung zu kümmern.

Sebastian

– Doktorand und Referendar aus Hessen.

Weitere Veröffentlichungen von Sebastian sind hier und auf seinem Facebook-Blog zu finden.