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Referendariat

Die Welt im Home Office – wie wir mit der Corona-Krise umgehen können

By 31. März 2020Februar 28th, 2022No Comments
#Erfahrungsbericht_#Anwaltsstation

Die Welt im Home Office – wie wir mit der Corona-Krise umgehen können

Durch die unverhofften Auswirkungen der Corona-Krise stehen auch angehende Examenskandidaten vor neuen Herausforderungen. In vielen Bundesländern mussten die Examensklausuren verschoben werden. In diesem Beitrag möchte ich euch Vorschläge machen, wie ihr die Motivation bewahrt und die Zeit sinnvoll nutzt. Also Kopf hoch und weiter geht’s.

„Die Welt steht Kopf!“

Diesen Gedanken haben wir alle dieser Tage wohl einmal im Kopf gehabt. Während Home Office für viele von uns gar keine große Umstellung ist, warten durch die Krise ganz andere Herausforderungen auf uns. Ich selbst hätte im Mai die Klausuren schreiben sollen, ich befand mich also auf der Zielgeraden. Ende dieser Woche wurde uns dann mitgeteilt: sorry, aber wir können momentan keine Ausbildung gewährleisten, deshalb schreibt ihr alle einen Monat später. Man muss natürlich zugeben: Recht haben sie, zumindest wenn man das Ergebnis betrachtet. Denn die Klausuren im Mai zu schreiben, halte ich unter den aktuellen Bedingungen ebenfalls für utopisch.

Trotzdem: dass viele mit der Situation nicht glücklich sind, ist mehr als verständlich. Sich kurz vor dem Ziel zu befinden und dann wird die Ziellinie einfach verlegt… Man muss kein Läufer sein, um zu wissen, wie deprimierend sich das anfühlt.

Sei’s drum. In solchen Zeiten sollte man die positiven Seiten sehen. Für viele von uns bedeutet die Verlängerung des Refs nun einen Monat mehr Lernzeit. Was man damit anfangen soll? Eine ganze Menge!

Klausuren schreiben

Fangen wir mit dem offensichtlichen an. Was wir wirklich gut von Zuhause aus tun können, ist Klausuren zu schreiben. Es gibt da draußen eine Menge Anbieter von Klausuren, mit und ohne Korrektur, mit Audio-Kommentar usw. Warum also nicht die Zeit nutzen und die von so vielen kommerziellen Reps vorgeschlagenen 9871 Klausuren schreiben? Wie ich in einem vorherigen Beitrag bereits erläutert habe, hilft das Schreiben dabei, Zeitmanagement zu trainieren, Standardfloskeln zu lernen und vor allem beim Improvisieren, wenn man einmal nicht mehr weiterweiß. Schreibt so viel ihr könnt – raus kommen wir ja so schnell nicht.

Lerntechniken ausprobieren

Hört ihr auch immer wieder von grandiosen Lerntechniken, die man immer schon mal ausprobieren wollte, aber sich immer dachte: ne, dafür hab ich jetzt eigentlich keine Zeit. Wisst ihr was? Jetzt schon! Lauft mit euren Karteikarten durch die Wohnung, nehmt euch selbst auf Band auf und spielt es dann ab oder hinterlegt mental in eurer Straße Bausteine, die ihr auswendig lernen müsst. Nutzt die Chance und guckt euch YouTube-Videos an oder lest hilfreiche Artikel.

Sich selbst motivieren

Viele von euch haben wahrscheinlich einen Horror davor, zuhause zu lernen. Ich gehöre zu euch. Ich war immer schon eine Bib-Lernerin und eigentlich wollte ich das gerne beibehalten. Aber die Zeiten fordern Umdenken. Die gute Nachricht: auch zuhause kann man produktiv sein. Man muss sich nur ein bisschen mehr zusammenreißen als sonst. Sozialkontrolle ist wohl das wichtigste Stichwort, wenn es um den Lernort geht. Aber die kann man auch im Home Office haben. Nehmt euch z.B. vor, dass ihr morgen eine Klausur schreibt und erzählt virtuellen Lernpartnern davon. Tauscht euch vielleicht über irgendwelche Themen aus, die noch nicht gut sitzen. Auch so kann man den nötigen Druck gewinnen, ohne dass man direkten Kontakt zu irgendjemandem hat. Auch Atmosphäre ist ein wichtiger Punkt. Sorgt dafür, dass euer Arbeitsplatz ordentlich bleibt (oder zumindest sauber – nach dem Motto „das Genie beherrscht das Chaos“), benutzt vielleicht auch zuhause Ohropax, um die nervigen Nachbarn nicht zu hören und haltet euch an feste Pausenzeiten. Eben alles wie gewohnt.

Bleibt positiv

Vergesst neben all dem nicht, auch einmal schöne Sachen zu machen. Wochenende zu machen ist nun mit einem Monat Verlängerung mit noch weniger schlechtem Gewissen möglich. Skypet mit euren Freunden – auch Konferenzschaltungen sind möglich und es fühlt sich fast so an, als wären alle zusammen. Ein Gläschen Wein kann auch dazu beitragen, die negativen Vibes für einen Moment zu verdrängen. Macht Sport. YouTube ist voll mit Videos, für die man kein Fitnessstudio oder Equipment benötigt. Geht mit 1,5 m Abstand zu anderen Menschen spazieren (gilt natürlich nur für diejenigen unter uns, die noch keiner Ausgangssperre unterliegen). Macht Pläne für die Zeit, wenn das Examen geschafft und Corona hoffentlich eingedämmt ist.

Für viele von euch bedeutet die Krise wahrscheinlich auch verpasste Chancen. Eine Menge Wahlstationen können nicht durchgeführt werden, vor allem wenn sie im Ausland stattfinden sollten. Ich bin davon auch betroffen und das ist natürlich echt deprimierend. Aber Chancen sind nie endgültig verpasst, wenn man es nicht dabei belässt. Türen öffnen sich, wo man es nicht für möglich gehalten hätte. Gesundheit geht jetzt gerade erstmal vor. Und danach finden sich Möglichkeiten. Da die Situation nicht zu ändern ist, sollte man einfach das Positive sehen. Ich glaube außerdem, dass Austausch sehr wichtig ist. Wir sitzen momentan alle im selben Boot. Redet vielleicht mal mit euren Kollegen darüber! Holt euch Tipps, wie die anderen mit der Isolation umgehen. Tauscht euch vielleicht über Rezepte aus, die das mittägliche (lästige) Kochen beschleunigen.

Nach alledem – bleibt zuhause und vor allem: bleibt gesund.

Eure Juliane

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Beitragsautor:

Juliane Lewen

Juliane Lewen

Juliane berichtete uns über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die sie während ihres juristischen Vorbereitungsdienstes gemacht hat.

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