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Die Do’s & Don’ts in der Strafstation

By 1. Februar 2018Januar 21st, 2020No Comments
Flavia Erfahrungsberichte Referendariat

Do’s & Don‘ts in der Strafstation

„Werd ich zum Augenblick sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“

Viel zu schnell ging sie vorbei, die Strafstation. Gerade eben hatte ich meine Routine gefunden zwischen Anklageschriften, Sitzungsdiensten, AG und Klausuren und schon heißt es weiterziehen.

Zeit für einen Rückblick auf die vergangenen vier Monate in Form einer kleinen Übersicht der Do’s & Don‘ts in der Strafstation:

Do‘s:

Zur Staatsanwaltschaft gehen.

Zugegeben, dieser erste Punkt wird sicherlich kontrovers beurteilt. Meiner Meinung nach lernt man aber bei der Staatsanwaltschaft am meisten. Außerdem macht die Arbeit als Staatsanwalt den meisten Referendaren viel Spaß und die Tätigkeit als Richter kennt man ja bereits aus der Zivilstation.

Eine Polizeischicht mitmachen.

Bei uns haben Referendare die Chance, im Rahmen ihrer Strafstation eine zwölfstündige Tag- oder Nachtschicht bei einer Dienstgruppe der Polizei mitzulaufen. Sofern ihr die Wahl habt, sucht euch eine Nachtschicht aus, am besten am Wochenende, da in dieser Zeit die für euch spannenderen Sachen passieren. Meine Schicht war zwar eine Tagschicht, aber trotzdem sehr aufregend und ich habe viele nette Polizeibeamte kennengelernt. Im besten Fall erlebt ihr das volle Programm, wie z. B. Birthe in diesem Erfahrungsbericht schildert.

Eure Ausbilderin bzw. euren Ausbilder zu einer Sitzung begleiten.

Wir Referendare dürfen ja nur vor dem Strafrichter auftreten, sodass unsere Sitzungsdienste sich auf eher kurze Verhandlungen von überschaubarem Härte- und Schwierigkeitsgrad beschränken. Wie aber eine mehrtägige Verhandlung vor der großen Strafkammer abläuft, könnt ihr sehen, wenn ihr mit eurer Ausbilderin bzw. eurem Ausbilder zu dessen Sitzung geht. Wenn ihr so viel Glück habt wie ich, bekommt ihr in den Sitzungspausen immer alles erklärt und könnt auch eure Eindrücke von Zeugen kundtun und seid so direkt dran am Geschehen.

Sitzungsdienst machen.

Wir hatten hier ohnehin keine Wahl, da wir automatisch fast wöchentlich eingeteilt wurden, angeblich muss man sich aber an anderen Standorten aktiv darum bemühen, für einen Sitzungsdienst eingeteilt zu werden. Falls das bei euch der Fall ist, solltet ihr die unbedingt tun.

Zu einer Obduktion gehen.

Falls ihr Interesse habt, gebt eurem AG-Leiter am besten direkt zu Beginn der Station Bescheid, dass ihr gerne (als Zuschauer) an einer Obduktion teilnehmen möchtet. Aus der Natur der Sache heraus bekommt man dann relativ kurzfristig Bescheid, wann und wo man sich für die Obduktion einzufinden hat. In unserem Fall mussten wir dafür zur Gerichtsmedizin nach Gießen. Wir hatten das Glück, dass der Direktor des Instituts persönlich die Obduktion geleitet und uns alles ausführlich erklärt hat. Auch wenn wohl jedem von uns, vor allem durch den unangenehmen Geruch, zwischenzeitlich etwas übel wurde, haben wir einiges gelernt über Todesursachen, die Gerichtsmedizin, Obduktionen und den menschlichen Körper an sich.

Don’ts:

Sich schlecht auf den Sitzungsdienst vorbereiten.

Dies betrifft sowohl die konkrete Akte an sich als auch die Vorbereitung auf mögliche prozessuale Besonderheiten, die korrekte Kleidung, eine Liste mit Telefonnummern der Staatsanwaltschaft und natürlich das pünktliche Erscheinen am richtigen Ort. Wer hier schlampig auftritt, blamiert nicht nur sich, sondern auch seine Behörde, für die er tätig wird. Eine gründliche Vorbereitung ist deshalb absolut essentiell!

Auf Lücke setzen.

Angeblich gibt es Repetitoren, die Examenskandidaten vor dem ersten Examen raten, bei Zeitnot das Strafrecht zu vernachlässigen. Während im ersten Examen tatsächlich auch „nur“ eine Klausur im Strafrecht geschrieben wird, sind es im zweiten allerdings gleich zwei Klausuren, sodass sich dieser komische Tipp spätestens dann rächt. Anders als das Öffentliche Recht, in dem die möglichen Fallgestaltungen noch nicht einmal auf die umfangreiche Gesetzessammlung des Sartorius begrenzt sind, und das nicht minder breite Zivilrecht, beschränkt sich das examensrelevante Strafrecht (zumindest laut Stoffkatalog für die Aufsichtsarbeiten in Hessen) auf ein vergleichbar schlankes StGB, die StPO und das JGG, das GVG sowie wenige Nebengebiete und das Recht der Ordnungswidrigkeiten. Die Schwierigkeiten im Strafrecht liegen aber in der Tiefe, sodass nur oberflächliches oder gar lückenhaftes Lernen hier erst recht bestraft wird.

Sich vor Klausuren drücken.

Genau das haben wir gemacht. Eigentlich war geplant, dass wir im Rahmen der AG eine Anklage-, eine Urteils- und eine Revisionsklausur schreiben. Weil wir aber alle bereits gute Noten in den ersten zwei Klausuren gesammelt hatten, haben wir unseren AG-Leiter überredet, die letzte Klausur durch eine mündliche Bearbeitung zu ersetzen. Aus Bequemlichkeit. Jetzt hat keiner von uns eine Revisionsklausur geschrieben, im Klausurenkurs kam noch keine und mit hoher Wahrscheinlichkeit müssen wir im Examen eine solche anfertigen. Seid nicht so faul wie wir und nutzt jede Chance für eine (auch noch benotete!) Übungsklausur!

Nur noch Strafrecht machen.

Ja, die Zeit in der Strafstation ist schon deutlich knapper als in der Zivilstation und besonders anfänglich kosten Sitzungsdienste enorm viel Zeit. Wenn ihr aber jetzt nicht zumindest ab und an Teile des Zivilrechts widerholt, habt ihr bis zur nächsten Station schon zu viel vergessen. Am besten ist es, wenn ihr auch während der Strafstation z.B. beim Klausurenkurs an eurem Gericht auch die zivilrechtlichen Klausuren mitschreibt. Bleibt auf jeden Fall am Ball, sonst müsst ihr später alles neu lernen und dann wird die Zeit bis zum Examen knapp!

-Flavia, Referendarin aus Hessen

Alle Erfahrungsberichte von Flavia findest du hier!

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