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Soft Skills im Referendariat

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Soft Skills im Referendariat

In der heutigen Zeit werden Soft Skills immer wichtiger – vor allem im Berufsleben. Soft Skills können einen Lebenslauf schnell aufpeppen und können gerade dann relevant werden, wenn die Noten nicht zu 100% passen. Die moderne Berufswelt legt nicht nur Wert auf die qualitative Ausbildung, sondern auch auf die Persönlichkeit. Hier spielen insbesondere Zusatzqualifikationen eine große Rolle. Das bestätigt auch das Landesprüfungsjustizamt Bayern:

„Gerade für Berufseinsteiger gewinnt der Erwerb interdisziplinärer Zusatzqualifikationen angesichts weiterhin hoher Absolventenzahlen und des beträchtlichen Konkurrenzdrucks auf dem Arbeitsmarkt für Juristen damit immer größere Bedeutung“

Quelle: LJPA Bayern

Möglichkeiten im Referendariat

In Bayern gibt es verschiedene Möglichkeiten Zusatzqualifikationen während des Referendariats zu erwerben. In diesem Rahmen sei jedoch betont: Nichts ist ein Muss, die Teilnahme ist freiwillig.

Das Angebot hängt vom jeweiligen OLG-Bezirk ab, nicht in allen OLG-Bezirken werden alle Kurse angeboten. Folgende Kurse stehen zur Auswahl:

  • PC- und Internetkurse
  • Moderne Betriebswirtschaft
  • Buchführungs- und Bilanzkundekurse
  • Workshops zum Verhandlungsmanagement
  • Mediation
  • Rhetorik- und Argumentationsseminare
  • Fachspezifische Fremdsprachenausbildung für Rechtsreferendare

Weiter Informationen zu den einzelnen Kursen findet ihr unter hier (unter Zusatzqualifikationen).

Ich habe bisher den Rhetorikkurs und den Workshop zum Verhandlungsmanagement besucht und berichte euch von meinen Erfahrungen dazu.

Rhetorikkurs

Der Rhetorikkurs war bei uns auf zwei Tage ausgelegt. Da wir jedoch nur eine kleine Gruppe von 5 Personen waren, konnten wir den Stoff innerhalb eines Tages abarbeiten. Inhaltlich ging es um Kommunikation und Gesprächsführung. Kommunikationsfähigkeit ist das A und O für einen Juristen, egal welcher Berufsweg eingeschlagen wird. Als Anwalt/Anwältin muss man Gesprächsführung mit dem Mandanten beherrschen – als Richter/-in muss ein gewisses Gespür für die Parteien entwickelt werden – als Staatsanwalt/-anwältin wird Redegewandtheit vor allem im Rahmen des Schlussplädoyers gefordert. Daher war dieser Kurs in jeder Hinsicht sinnvoll und ich möchte auf jeden Fall neben dem bereits absolvierten Grundkurs auch den Aufbaukurs besuchen.

Inhalte des Seminars waren:

  • Grundlagen der Gesprächsführung in der juristischen Praxis
  • Mandantengespräche und Zeugenbefragung
  • Das Plädoyer des Staatsanwalts und Strafverteidigers
  • Gesprächsfördernde Kommunikation
  • Fragetechnik und nondirektives Gesprächsverhalten
  • Körpersprache und nonverbale Kommunikation

Vormittags sind wir mit einer kleinen Theorieeinheit gestartet. Hierbei erlernten wir die Grundtechniken der Gesprächsführung und haben uns auch mit psychologischen Aspekten beschäftigt. Sehr schnell haben wir versucht, das Erlernte praktisch anzuwenden.

Was ich absolut nicht leiden kann ist, meine eigene aufgenommene Stimme zu hören – kennt Ihr das? Und genau dieser Albtraum wurde in kürzester Zeit wahr. Wir haben nämlich gegenseitig kleine Vorträge über Kollegen gehalten und dabei wurden wir gefilmt. Im Anschluss haben wir uns die Filmaufnahme angeschaut und analysiert, was wir „richtig“ gemacht haben und was noch verbesserungswürdig erscheint. Dennoch muss ich sagen, dass diese Übung – auch wenn ich sie im ersten Moment als schrecklich empfand – eine absolute Top-Übung war. Wir haben nämlich genau an den Schwachstellen gearbeitet, um überzeugender und präsenter aufzutreten. Das erlernt man wirklich am effektivsten, wenn man es selbst an sich sieht! Der Vormittag war gespickt mit kleinen Übungen und Theorieeinheiten.

Am Nachmittag haben wir dann noch eine Art Planspiel durchgeführt und eine Verhandlung simuliert. Dabei hat jeder eine Rolle eingenommen (Angeklagter, Vorsitzender Richter, Verteidiger, Staatsanwalt, Zeuge, Zuschauer) und durch geschickte Kommunikationsführung versucht das Bestmöglichste rauszuholen.

Der ganze Tag war ein absoluter Erfolg und ich würde das Seminar jederzeit gerne wieder durchführen und kann das Jedem nur wärmstens empfehlen, da sich meine Kommunikationsfähigkeit deutlich erhöht hat und ich seitdem deutlich überzeugender und selbstsicherer auftrete.

Workshop zum Verhandlungsmanagement

Auch in diesem Seminar ging es zunächst um Gesprächsführung und Kommunikation. Denn das ist die Basis für eine gute Verhandlungsposition und Verhandlungsführung. Der Workshop war an zwei Tagen ganztags und daher fürs Gehirn sehr anstrengend. Die Theorieeinheiten waren hier deutlich länger, was den ganzen Workshop leider etwas in die Länge gezogen hat. Gefreut habe ich mich wiederum auf die praktischen Übungen. Wir haben immer wieder an kleineren Fällen geübt, wie man seine Position bestmöglich durchsetzt und wann es auch sinnvoll sein kann nachzugeben, um einen Kompromiss zu finden.

Einige hat es gefreut: In diesem Workshop ging es überhaupt nicht juristisch zu! Die Fälle spielten meistens im Bereich einer Vertragsverhandlung (Kaufvertrag, Bankdarlehen). Ich persönlich hätte es jedoch besser gefunden, den ganzen Workshop deutlich juristischer zu gestalten und auf die spezifischen Situationen der Juristerei einzugehen. Dennoch war es auch eine angenehme Abwechslung zum sonst so juristischen Alltag. Und wie man so schön sagt, haben wir viel fürs Leben gelernt 😉

Vorteil dieses Workshops war es, dass man eine Grundbasis für eine mögliche Wirtschaftsmediatoren-Ausbildung bereits hinter sich hat. Der Workshop kann nämlich im Rahmen eines einwöchigen Seminars in einem Seminarhotel weitergeführt werden. Danach hat man den „Abschluss“ Wirtschaftsmediator in der Tasche. Der Freistaat Bayern übernimmt die Kursgebühren. Die Hotelgebühren sowie eine Tagungspauschale muss man aber selbst tragen (insgesamt ca. 500 Euro). Hier muss jeder selbst entscheiden, ob einem das das Geld wert ist. Ich glaube aber, dass ein solcher Abschluss im späteren Berufsleben unter Umständen deutliche Vorteile bringen kann. Vor allem ist es ratsam, wenn man mit dem Gedanken spielt nach dem 2. Staatsexamen eine Mediatonsausbildung anzuhängen. Denn dann hat man auch hier bereits einen Grundstein und Teil der gesamten Ausbildung absolviert. Das Wochenseminar wird nämlich auf die Ausbildungszeit angerechnet.

Fazit

Die Seminare haben Spaß gemacht und waren eine freudige Abwechslung zum Referendarsalltag. Wie bereits gesagt, halte ich die Zusatzseminare des Freistaats Bayern für sinnvoll, um den Lebenslauf aufzuwerten und ein Bonbon zum Staatsexamen anbieten zu können. Darüber hinaus habe ich auch viel für den privaten Bereich mitgenommen und „ertappe“ mich dabei, wie ich auch im privaten Bereich meine erlernten Kommunikationsfähigkeiten immer mal wieder anwende.

Lara

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