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Gewusst

Privates Repetitorium – „Muss“ oder Geldverschwendung?

By 15. Februar 2022April 12th, 2022No Comments
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Privates Repetitorium – „Muss“ oder Geldverschwendung?

Sobald es auf die Examensvorbereitung zugeht, machen sich alle Jurastudierenden und Rechtsreferendare die gleichen Gedanken zum Repetitorium:

„Besuche ich ein ‚Rep’?“

„Welcher Anbieter ist der Richtige?“

„Schaffe ich es ‚alleine’?“

Auch ich habe mir vor meinem Examensjahr diese Gedanken gemacht. Mein Beitrag soll dich bei deiner Entscheidung für die richtige Examensvorbereitung auf das Erste Staatsexamen unterstützen.

JurCase informiert:

Natürlich gibt es auch für die Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen die Möglichkeit, ein Repetitorium zu besuchen. Die Ausführungen hier sind auf jeden Fall entsprechend anwendbar. Solltest du aber lieber einen Beitrag zum „Rep. im Zweiten Examen“ bevorzugen, so ist vielleicht dieser Beitrag interessant für dich: „Kommerzielles Repetitorium, Crashkurse oder Klausurenkurs?“

„Rep“ – Was ist das eigentlich?

Die Kurzform „Rep“ verwenden Jurastudierende (und Referendare) als Abkürzung für das Repetitorium. Innerhalb des Repetitoriums werden Kurse angeboten, in welchen die examensrelevanten Inhalte gezielt wiederholt werden. Dies geschieht in einer „Unterrichtsform“, wobei je nach Größe des jeweiligen Repetitoriums jeder Kurs mit ca. 30-50 Teilnehmern besetzt ist. Während die Vorlesungen in der Uni oftmals überfüllt waren und die Teilnehmer anonym blieben, erinnert der Unterricht im Repetitorium stark an das Schulsystem, wobei die Teilnehmer beispielsweise über Meldungen stärker in diesen „Unterricht“ eingebunden werden und Nachfragen stellen können. Zusätzlich bieten die meisten Repetitorien Probe-Klausuren-Kurse an, um den Examenskandidaten die Möglichkeit zu geben, das Schreiben von Examensklausuren zu trainieren.

Gründe, die für ein Repetitorium sprechen

Die Hauptgründe, aus denen sich Jurastudierende (und Referendare) entscheiden, ein Repetitorium zu besuchen, sind wohl die Folgenden:

  1. Eins ist klar: Der examensrelevante Stoff im Examen umfasst derartig viele Themen, dass man nicht alle Inhalte gleichermaßen wiederholen kann. Es ist eine Schwerpunktsetzung nötig. Doch wo setzt man diese Schwerpunkte? Mit dem Besuch eines Repetitoriums steht man nicht selbst vor dieser Aufgabe. Der examensrelevante Stoff wird von den Dozenten des Repetitoriums gefiltert und zusammengefasst vermittelt – ein absoluter Luxus! Die Dozenten greifen auf ihre jahrelange Erfahrung im Hinblick auf Examensklassiker zurück und können damit zumeist besser abschätzen, auf welche Inhalte der Fokus gelegt werden sollte. Wenn es um examensrelevante Inhalte geht, vertrauen viele Studierende aus diesen Gründen lieber auf die „Profis“ im Repetitorium als sich selbst dieser Aufgabe zu stellen.
  2. In den Repetitorien hat man meistens bereits aufgrund der „Unterrichtsgestaltung“ einen Lerneffekt. Die Sätze oder Beispiele des Dozenten bleiben im Idealfall schon durch das erste „Hören“ hängen, so dass man bei der Nachbereitung zuhause – ein eigenständiges Lernen bleibt natürlich auch trotz Repetitorium nicht aus – diese nur noch vertieft oder wiederholt.
  3. Wie auch in der Schule gibt es im Repetitorium immer die Gelegenheit Fragen zu stellen, wenn man mal etwas nicht versteht. Lernt man alleine ist man in dieser Hinsicht auf sich gestellt.
  4. Nennen wir es mal „indirekten Gruppenzwang“. Der Besuch eines Repetitoriums ist für viele Jurastudierende mittlerweile gar keine Frage mehr. Über die Jahre hat sich dies als „Klassiker“ für die Examensvorbereitung eingeschlichen. Wenn alle Freunde auf einmal in ein Repetitorium verschwinden, dann ziehen die meisten Jurastudierenden natürlich mit.

Gründe, die gegen ein Repetitorium sprechen

Der zentrale Grund einer Entscheidung gegen ein Repetitorium ist wohl der finanzielle Aspekt. Der Besuch eines „privaten“ – also kommerziellen – Repetitoriums ist mit hohen Kosten verbunden. Zusätzlich zu den Kosten für den Besuch der wiederholenden Kurse kommen dann noch Kosten für Spezialangebote, wie bspw. die Klausurenkurse oder Crashkurse.

JurCase informiert:

Deshalb haben mittlerweile auch einige Universitäten eigene universitäre Repetitorien entwickelt, die für die Studierenden kostenlos sind.

Welches Repetitorium soll ich besuchen?

Wenn die Entscheidung für ein Repetitorium gefallen ist, dann stellt sich als nächstes die Frage: Welches „Rep“ besuche ich?

Trotz der Kosten, die bei einem Besuch von privaten Repetitorien anfallen, entscheiden sich die Examenskandidaten aktuell zumeist für diese Art von Repetitorien. Dies könnte daran liegen, dass es sich über die Jahre einfach eingeschlichen hat, einen privaten Anbieter zu wählen, die kommerziellen „Rep’s“ seit Jahren auf die zusammenfassende Vermittlung des examensrelevanten Stoffes durch ihre Dozenten und die Materialien spezialisiert sind und die „Uni-Reps“ sich teilweise noch in der Aufbauphase befinden bzw. nicht jede Universität ein solches Konzept anbietet.

Ich habe mich in meiner Examensvorbereitung auch für ein privates Repetitorium entschieden. Allerdings hatte ich das Glück, dass meine Uni ein „Uni-Rep“ angeboten hat. Somit habe ich dennoch einige Angebote aus diesem „Uni-Rep“ wahrgenommen, wie bspw. den Klausurenkurs oder das Probeexamen und dies mit der Vorbereitung im privaten Repetitorium verbunden. Für mich stand fest: Der Mix macht’s! Auch eine Kombination aus kommerziellem und universitärem Repetitorium ist also möglich!

Welches „Rep“ die richtige Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Natürlich haben alle Anbieter, ob nun kommerziell oder universitär, ein ähnliches Grundgerüst, denn die juristischen Inhalte bleiben nun einmal dieselben. Allerdings unterscheiden sich die „Repetitorien“ von Anbieter zu Anbieter in der Vermittlung von den Inhalten. Jeder Dozent hat eine andere Art und Weise den examensrelevanten Stoff zu wiederholen und jedes „Rep“ arbeitet mit anderen Materialien. Hier muss jeder Examenskandidat selbst entscheiden, welches „Rep-Konzept“ am besten mit der eigenen Art zu lernen harmoniert. Um diese Entscheidung zu erleichtern, bieten die meisten Repetitorien ein kostenloses Probehören und Informationsveranstaltungen an. Diese eignen sich besonders gut, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Ich habe vor dieser Entscheidung auch derartige Angebote genutzt. Für mich war die Wahl, die ich getroffen habe, genau die Richtige. Ich kam mit den Materialien super zurecht und auch die Vermittlung der Inhalte durch die Dozenten war für meine Art zu Lernen perfekt. Wenn man sich im Vorhinein über die unterschiedlichen Konzepte der Repetitorien informiert, kann man also schon den Grundstein für einen guten Einstieg in die Examensvorbereitung legen.

Mit dem „Rep“ allein ist’s nicht getan

Trotzdem muss man sich natürlich darüber im Klaren sein, dass der Besuch eines Repetitoriums nicht das eigenständige Lernen ersetzen kann. Denn auch die „Rep-Dozenten“ können den Examensstoff nicht auf Dauer in den Köpfen der Studierenden platzieren. Die Kurse des Repetitoriums müssen vor- und nachbereitet werden. Einige Repetitorien geben Ihren Kursteilnehmern hierfür sogar einen optionalen „Lernplan“ vor, der als Leitfaden dienen kann. Ich selbst habe zu Beginn des Repetitoriums mehrere Arten der Vor- und Nachbereitung der Kurse ausprobiert und für mich einen Weg gefunden, mit dem ich den größten Lerneffekt aus den Kursen erzielen konnte. Für mich war die Zusammenfassung der Kursinhalte, die andauernde Wiederholung der verschiedenen Themen in Verbindung mit dem Besuch des Repetitoriums und einem guten Zeitmanagement das Erfolgsrezept. Aber auch hier muss natürlich jeder Examenskandidat seinen eigenen Weg finden.

Fazit

Ich war mit meiner Wahl eines privaten Repetitoriums und der Kombination mit den Angeboten des universitären Repetitoriums sehr glücklich. Das Wiederholen des Examensstoffes innerhalb der Kurse des „Rep’s“ hat mir sehr viel Sicherheit gegeben, die gerade in dem Examensjahr wichtig ist. Die Möglichkeit, sich im Unterricht durch Meldungen zu beteiligen, hat mir geholfen, die Inhalte schneller und dauerhaft zu festigen und ich konnte aufgrund der Unterrichtsgespräche gleichzeitig auch schon für das Prüfungsgespräch in der mündlichen Prüfung trainieren – ein netter Nebeneffekt.

Für mich war das private Repetitorium also keine Geldverschwendung. Ob das private Repetitorium ein „Muss“ ist, das muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

JurCase informiert:

Eine weitere Meinung zum Thema Repetitorium findest du im Beitrag Repetitorium für das Zweite Staatsexamen von Isabelle.

Privates Repetitorium – Ein „Muss“ oder Geldverschwendung?

Sobald es auf die Examensvorbereitung zugeht, machen sich alle Jurastudierenden und Rechtsreferendare die gleichen Gedanken zum Repetitorium:
„Besuche ich ein ‚Rep’?“
„Welcher Anbieter ist der Richtige?“
„Schaffe ich es ‚alleine’?“

Gerne kannst du uns jederzeit an info@jurcase.com schreiben!

Was sagt ihr: Ist ein privates Repetitorium ein „Muss“ oder Geldverschwendung?

Beitragsautor:

Laureen Busche

Laureen Busche

Laureen ist Diplom-Juristin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich des Strafrechts bei Nagel Schlösser Rechtsanwälte. Sie wird mit ihrem juristischen Vorbereitungsdienst voraussichtlich im Juni 2021 beginnen. Bis dahin wird sie uns über verschiedene Themen berichten, und mit Dienstantritt dann über ihr Referendariat. Außerdem ist angedacht, dass sie unsere #Gewusst-Reihe mit aktueller, examensrelevanter Rechtsprechung ergänzen wird.

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