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„Examen“ im LL.M. – die etwas andere juristische Klausur(vorbereitung)

By 7. August 2018 No Comments
Charlotte Erfahrungsberichte Referendariat

„Examen“ im LL.M. – die etwas andere juristische Klausur(vorbereitung)

Am Ende des akademischen Jahres wartet auf die LL.M.-Studierenden an der University of Glasgow die vierwöchige „examination period“, also die Abschlussklausuren des Studiengangs. Die juristischen Klausuren wie auch die Vorbereitung darauf könnten im Vergleich zum deutschen Modell unterschiedlicher nicht sein.

Bedeutung und Gewichtung der Abschlussklausuren

LL.M.-Studierende müssen an der School of Law der Glasgower Universität in jedem ihrer vier Kurse zwei Leistungen erbringen: zum einen muss ein Essay zu einem vorgegebenen Thema eingereicht (in der Mehrzahl im zweiten Semester) und zum anderen eine Abschlussklausur absolviert werden. Die Abschlussklausuren wirken sich dabei mit einer Gewichtung von 75 % deutlich stärker auf die Endnote aus als das Essay mit 25 %. In meinem Fall ging es jedoch um mehr: Durch das Kooperationsabkommen zwischen den juristischen Fakultäten der University of Glasgow und der Universität Mainz zählt das LL.M.-Studium als mein Schwerpunkt im Rahmen der Ersten Juristischen Prüfung und die Abschlussklausuren insofern als Schwerpunktexamen – ein Gedanke, den ich in der Klausurvorbereitung zugegebenermaßen versucht habe, tunlichst zu verdrängen.

Konzeption der Klausuren

In jeder Klausur, die ich geschrieben habe, mussten drei aus insgesamt sechs (in einem Fall fünf) Fragen ausgewählt und beantwortet werden. Die Bearbeitungszeit betrug drei Stunden (180 Minuten). Da jede der Fragen eine eigene Benotung bekommt und alle drei Antworten in der Endnote gleich gewichtet werden, ist es dringend zu empfehlen, mit Beginn jeder neuen Stunde auch eine neue Frage zu bearbeiten. Realistisch betrachtet bleiben für eine Frage gerade einmal etwa 40 bis 45 Minuten effektive Zeit zum Schreiben (unter Umständen auch weniger): fünf bis zehn Minuten werden für das Lesen und Auswählen der Fragen gebraucht, weitere fünf bis zehn für die Skizze im Vorfeld des Schreibens, falls eine solche angefertigt wird. Wird also die eingeteilte Zeit für die erste Frage um zehn Minuten überzogen und passiert das gleiche mit der zweiten Frage, bleiben gerade einmal etwa 20 Minuten für die dritte Frage. Und das wird sich mit Sicherheit auf die Qualität der Antwort auswirken.

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Deutsche Semesterabschluss- oder Examensklausuren drehen sich fast ausschließlich um Falllösungen (mit gelegentlichen Zusatzfragen – Ausnahmen bestätigen die Regel!). Genauer gesagt um die Lösung eines einzigen Falles, gegebenenfalls mit Abwandlungen beziehungsweise Varianten. In Glasgow war die Falllösung („Problem Questions“) neben den „Essay Questions“ nur eine von zwei möglichen Aufgabentypen. Bei den Essay Questions war der Name Programm, das heißt sie entsprachen der Art von Fragen, die wir bereits aus den Themenstellungen für unsere jeweiligen Essays kannten. Die Beantwortung dieser Fragen folgt im Wesentlichen den gleichen Regeln wie das eigentliche Essay-Schreiben – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass nicht mehrere Wochen, sondern eben nur eine Stunde zur Bearbeitung zur Verfügung steht. Natürlich kann unter diesen Umständen nicht der gleiche Detailreichtum erwartet werden, doch was in der Tat von vielen Dozierenden gerne gesehen und mitunter erwartet wurde, war die Angabe von „Authority“ zur Untermauerung unserer Argumente. Das heißt, im Idealfall sollten Autoren, Namen einschlägiger Fälle oder sonstige Quellen genannt werden – ein Usus, der deutschen Studierenden sehr befremdlich vorkommen muss, zumindest empfand ich es in Klausuren als äußerst ungewohnt. Die „Problem Questions“ sind im Grunde Fälle, die gelöst werden müssen, allerdings sind sie wesentlich kürzer als deutsche Fälle (60 beziehungsweise 40 Minuten Bearbeitungszeit!) und der Gutachtenstil ist hier nicht bekannt.

Zwar durften wir (mit Ausnahme von Corporate Social Responsibility) Gesetzestexte und auch darüber hinaus gehendes, abschließend festgelegtes Material, darunter auch informative Texte wie Guidelines und ähnliches, in die Klausur mitnehmen. In der realen Klausursituation hatte ich allerdings aufgrund des Zeitdrucks keine Verwendung für die Zusatzdokumente, sondern konnte lediglich die Gesetzestexte zum genauen Zitieren verwenden.

Vorbereitung

Wie sieht nun die Vorbereitung auf derartige Klausuren aus? Natürlich wiederholte ich den Stoff, den wir über das gesamte Jahr durchgenommen hatten. Doch als wesentlich wichtiger als massenhaftes Detailwissen stellte sich das Üben dieses ungewohnten Klausurformats – insbesondere des Essay-Schreibens – heraus. Zahlreiche Fragen zum Stoff der einzelnen Sitzungen fanden sich oft in den detaillierten Course Documents und ermöglichten den erforderlichen Fokus auf bestimmte Themen. Eine andere, sehr wertvolle Möglichkeit ist das Üben mit Klausuren aus den vergangenen Jahren, die in der Regel online zur Verfügung gestellt werden. Ich kann nur empfehlen, zumindest ein paar Fragen unter Klausurbedingungen (also ohne Notizen aus dem Unterricht und innerhalb maximal einer Stunde) zu bearbeiten. Meine erste Lektion daraus war nämlich: Das, was man in einer Stunde zu Papier bringen kann, ist gefühlt nichts! Und ich hatte viel (!) zu weit ausgeholt, als dass ich alle meine Argumente in dieser Zeit hätte aufschreiben können. Es galt daher vor allem, Präzision und den Aufbau von Essays zu üben. Einige meiner Kommilitonen haben außerdem Lerngruppen gebildet und mögliche Antworten in der Gruppe erarbeitet und/oder diskutiert. Ich habe nur in einem Fall mit einer Kommilitonin zusammengearbeitet, wobei wir im Vorfeld die Themen der Sitzungen aufgeteilt und uns gegenseitig Handouts erstellt hatten. Am Tag vor der Klausur besprachen wir dann alte Klausuren. Da das sehr ertragreich war, trafen wir uns am Vortag einer weiteren Klausur ebenfalls zum Besprechen alter Klausurfragen.

Fazit

Die Klausuren in Glasgow unterschieden von den mir bekannten Klausuren in Deutschland wie Tag und Nacht. Angefangen bei der Konzeption der Klausuren über die Art der Aufgaben bis hin zur Vorbereitung unterschied sich so gut wie alles von den deutschen Semesterabschluss- oder Examensklausuren. Das ist allerdings kein Grund zur Panik. Zwar heißt die Devise: üben, üben, üben! Doch das sollte deutschen Jurastudierenden nicht unbekannt sein und das Üben wird belohnt. Ich zumindest war mit meinen Ergebnissen zufrieden.

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