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Der Besuch in der JVA im Referendariat

By 25. Oktober 2018 No Comments
Erfahrungsberichte aus dem Rechtsreferendariat von Regina

Der Besuch in der JVA im Referendariat

Erfahrungsbericht und Tipps für die erfolgreiche Hospitation

Im Rahmen des Referendariats bekommt man vielfältige Möglichkeiten, auch abseits der eigentlichen Ausbildung in angrenzende Bereiche reinzuschnuppern. So kann man z.B. im Rahmen der Staatsanwaltsstation eine JVA besichtigen, bei einer Durchsuchung mitwirken, beim Trinkversuch die eigenen Alkoholgrenzen austesten und auch eine Schicht bei der Polizei mitfahren. Der folgende Erfahrungsbericht soll euch einen kleinen Einblick in meinen Besuch in der JVA liefern nebst einigen Tipps für eure eigene Teilnahme.

Allgemeines zur Teilnahme

Auf die verschiedenen – allesamt freiwilligen – Zusatzaktivitäten wurde ich direkt bei der Begrüßung in der Staatsanwaltsstation hingewiesen. Die konkrete Organisation der Aktivitäten sowie die Teilnahmemodalitäten regelten die AG-Leiter für uns. Zwar ist die Teilnahme freiwillig, im Stationszeugnis wird jedoch vermerkt, an welchen Zusatzaktivitäten teilgenommen wurde.

Im Rahmen des JVA-Besuchs hatten wir die Möglichkeit, einen Vormittag unter Begleitung einer Abteilungsleiterin in der JVA zu verbringen.

Zu beachten ist, dass nicht jeder an diesem Besuch teilnehmen darf: So dürfen z.B. schwangere Referendarinnen sowie Referendare mit schwerwiegenderen Erkrankungen aus Haftungsgründen nicht teilnehmen. Weiterhin dürfen keine Mobiltelefone mitgenommen werden. Allerdings muss der Personalausweis mitgebracht werden, der während des Besuchs am Empfang verwahrt wird. Auch wurde den Damen unter uns seitens der AG-Leiter nahegelegt, sich weitgehend kleidungstechnisch bedeckt zu halten, weil wir einen reinen Männerknast besichtigten.

Der Besuch in der JVA

Wir wurden bereits am Empfang durch die Abteilungsleiterin begrüßt. Unsere Sachen mussten wir im Besucherraum einschließen. Das galt auch für die Streber, die doch tatsächlich Zettel und Stift für Notizen mitgebracht hatten – und zu denen ich natürlich auch gehörte. 😉

Die JVA, die wir besuchten unterschied sich stark von den umliegenden Anstalten: So liegt sie versteckt mitten in der Stadt, lediglich erkennbar durch die vergitterten Fenster. Die meisten Einwohner, wie auch die Besucher des angrenzenden Supermarktes, wissen gar nicht um ihre Existenz. Einen großen Hof und mannshohe Drahtzäune sucht man also vergeblich. Ausgang haben die Insassen im Innenhof. Diese Sicherheitserleichterungen waren lediglich möglich, weil in der besuchten JVA ausschließlich leichte bis mittelschwere Strafen vollzogen wurden (der kleine Betrüger, gewebsmäßige BtM-Stehler oder auch Hehler). Ein Großteil der Insassen saß alternativ eine Ersatzfreiheitsstrafe ab.

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Uns wurde gleich zu Beginn eingeschärft, zusammenzubleiben. Flankiert wurde unsere Gruppe an beiden Enden von einem Justizvollzugsbeamten. Das Gebäude selbst war ein Labyrinth. Ich hätte nach Passieren der ersten drei Gittertüren beim besten Willen nicht mehr zurückgefunden – sicherlich ein gewollter Effekt. Auch an den schwachen Lichteinfall im Gebäude musste man sich erst gewöhnen.

Zunächst wurden wir in ein Besprechungszimmer geführt, in dem die Abteilungsleiterin ca. 1 ½ Stunden einen allgemeinen Überblick über die Geschichte der JVA, die Insassen und den Tagesablauf erläuterte. Äußerst störend empfanden wir ihre teilweise sehr gewollten Witze – z.B. dass sie ja „Knast“ und wir alle „Anwalt“ studiert hätten. Auch während der Einführung saß ein Justizvollzugsbeamter mit im Raum und erzählte im Anschluss noch etwas über seinen eigenen Werdegang und seine Erfahrungen mit den Insassen. Witzig waren allerdings die steten Vergleiche mit einschlägigen Knastserien, deren Unterschiede ich so auch nicht erwartet hätte: So wird u.a. kein Einkaufsladen geführt, sondern die Insassen schreiben Einkaufslisten, deren Inhalt dann nach Prüfung angeliefert wird. Es gibt weiterhin keinen Speisesaal, sondern jeder Insasse isst in seiner Zelle. Auch tragen sie keine schlechtsitzenden Overalls mit den Initialen der Anstalt, sondern eigene Kleidung, die sie mitgebracht haben und die durch das Personal geprüft wurde. Generell dürfen die Insassen viele Gegenstände von draußen, wie auch Fernseher und Spielekonsolen mitnehmen, die nach Prüfung durch das Personal versiegelt werden. Allerdings endet diese Freiheit bei hochtechnisierteren Geräten als der PS1, verallgemeinert also allen Gegenständen, die USB, Bluetooth oder WLAN-fähig sind.

Verstörend waren wiederum die gelegentlich nonchalant gegebenen Äußerungen zu ansteckenden Krankheiten, die momentan in der JVA grassierten, u.a. die Krätze, die sich wie ein Lauffeuer verbreite. Dass sämtliche Referendare sich unbewusst – und teilweise noch Tage später – kratzten, muss hierbei wohl niemanden erstaunen. Man sah uns an, dass die meisten sich ein starkes Desinfektionsspray bzw. auf dem schnellsten Weg raus wünschten. Die Berichte über den schlechten Hygienezustand mancher Insassen, die niemals duschten und über zugekotete Zellen, in denen die Exkremente als Kunstwerke bis an die Decke verteilt würden, schockierten mich weniger als die Äußerung, dass dies zum Schutz der Grundrechte größtenteils hingenommen würde.

Im Anschluss an den Vortrag wurden wir durch die Abteilung geführt. Hier bekamen wir den nächsten Kulturschock: Die Insassen liefen komplett frei rum!

Kurz darauf wurden wir aber durch die Abteilungsleiterin beruhigt: Wir befanden uns im Flügel der Ersatzfreiheitsstrafen, deren Insassen tagsüber kleine Holzarbeiten verrichteten, um ihre Strafe durch Arbeit zu verkürzen. Für jeden Tag, den sie während der Ersatzfreiheitsstrafe arbeiten, würde diese um einen Tag verkürzt. Dieses Projekt spare den Staat pro Jahr Unmengen an Geld und gebe den Insassen zusätzlich das gute Gefühl, ihren Strafe produktiv genutzt zu haben. Unter anderem wurden Vogelhäuser, Kinder- und Tierspielzeug gebaut, das unentgeltlich an die jeweiligen Vereine weitergeben werde. Das war zwar alles sehr nett anzuhören, trotzdem machte mich das freie Umherstreifen der Insassen schlicht nervös. Die Mitteilung aus der Einführung, dass auf jeder Abteilung pro Schicht nur zwei Vollzugsbeamte seien, weil ein größerer Aufruhr an schlechter Planung sowieso scheitere, kam mir dabei sehr unangenehm wieder ins Gedächtnis.

Bei der weiteren Führung durch den Erholungsraum sowie die kleine Teeküche, in der die Insassen sich selbsttätig alternative Mahlzeiten bereiten dürfen, wurden wir umfassend über das bestehende Angebot an psychologischer und schuldnerischer Beratung, wie auch Freizeitangebote informiert.

Auch ein Einblick in eine unbelegte, sowie eine bewohnte Zelle wurde uns gewährt. Von der Größe her erinnerte mich die unbewohnte Zelle stark an mein altes Wohnheimzimmer. Aufgrund des fehlenden Türgriffs auf meiner Seite sowie des vergitterten Fensters konnte allerdings kein Heimatgefühl aufkommen. Das Betreten der bewohnten Zelle vermied ich tunlichst aufgrund der vorherigen Krätzewarnung.

Auch das eigene Büro, in dem Besprechungen mit den Insassen abgehalten wurden, enthielt uns die Abteilungsleiterin nicht vor, bevor sie uns wieder zum Ausgang begleitete. Zuletzt wies sie uns noch auf die Möglichkeit hin, die Verwaltungs- sowie die Wahlstation in der JVA zu verbringen – eine Chance, die ich wiederum aufgrund der angesprochenen Krätzeepidemie verstreichen lassen werde.

Fazit

Ich kann jedem nur raten, den angebotenen Besuch in der JVA wahrzunehmen. Ich persönlich war vorher noch in keinem Gefängnis gewesen und konnte hierbei viel über die Struktur und die Abläufe erfahren. Auch die großen Unterschiede zu einschlägigen Knastserien fand ich sehr interessant. Erschreckend waren für mich allerdings die vergleichsweise laxen Sicherheitsvorkehrungen, die tolerierten Hygienestandards und die angesprochenen personellen Einsparungen. Als letzten Tipp solltet ihr aufgrund der angesprochenen Krankheiten sicherheitshalber alte Kleidung anziehen, die zur Not auch ausgekocht werden kann. Dies beruhigt im Nachhinein zumindest das Gewissen ungemein 😉

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