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Referendariat

Meine ersten Eindrücke in der Anwaltsstation

By 12. April 2018Februar 28th, 2022No Comments
#Erfahrungsbericht_#Anwaltsstation

Meine ersten Eindrücke in der Anwaltsstation

In diesem Blog-Beitrag möchte ich ein wenig von meinen Eindrücken in der Anwaltsstation berichten. Ich befinde mich nunmehr 7 Monate vor dem 2. Examen und damit mitten in der Examensvorbereitung.

Auf Tauchstation

Um auch genug Zeit zum „Abtauchen“ zu haben, habe ich mich für eine mittelständische Kanzlei entschieden.

[Anm. d. Autors: Abtauchen bedeutet, dass man sich mit dem Ausbilder im Vorfeld darauf einigt, ca. 4-6 Monate vor dem Examen nicht mehr erscheinen zu müssen, um genug Zeit zur Vorbereitung zu haben.]

Schwerpunktmäßig arbeite ich dort im Zivil- und Strafrecht mit.

In NRW sind in der Anwaltsstation 9 Pflichtarbeiten abzuliefern, die so auch in das Zeugnis kommen.

Ich bekomme jede Woche eine Akte zur Bearbeitung mit nach Hause, die anschließend korrigiert und besprochen wird. Im Vorfeld schildert mir mein Ausbilder kurz, um was es im Groben geht und welche Aufgabe ich erledigen soll. Meistens besteht die praktische Arbeit darin, dass ich eine Klageschrift oder eine Klageerwiderung entwerfen soll. Mit Blick auf den Examensstoff empfinde ich das als sehr hilfreich.

Langeweile? Fehlanzeige!

Neben diesen gängigen Verfahren habe ich aber auch sehr außergewöhnliche und wirklich spannende Mandate mitbekommen.

Es verwundert nicht, dass diese meist aus dem Bereich des Strafrechts stammen. So darf ich aktiv an Verteidigungsstrategien mitarbeiten und Anträge an die Staatsanwaltschaft (wie etwa Einstellungsanregungen) verfassen.

[Anm. d. Autors: Nach dem JAG NRW dürfen Referendare „theoretisch“ sogar alleine mit dem Mandanten – ähnlich wie in dem staatsanwaltlichen Sitzungsdienst – vor dem Strafrichter auftreten.]

Im Moment arbeite ich an etwas, womit man in der theoretischen Ausbildung so gut wie nie konfrontiert wird:

An einem Gnadenantrag!

Zunächst wusste ich weder, dass es so eine Möglichkeit gibt, die Haft zu unterbrechen, noch wo ich diesen finden kann.

In der Anwaltsstation habe ich dann relativ schnell gemerkt, dass es neben den gängigen Kommentaren als Handwerkzeug des Juristen auch eine Fülle weiterer Hilfsmittel gibt.

So etwa ein Formularhandbuch für Strafverteidiger. Ich fand dort etliche Musterschreiben und Formulierungen für Gnadenanträge. Am Rande sei hier noch angemerkt, dass die Staatsanwaltschaft als Strafvollstreckungsbehörde für diese Anträge zuständig ist (habt ihr bestimmt gewusst!). Und – wen wundert‘s – auch Gnadenverfahren sind gesetzlich normiert. In NRW durch die GnO NW (Gnadenordnung NRW).

Wenn man erst einmal das richtige Gesetz gefunden hat, merkt man eigentlich, durch was für eine bereichernde Ausbildung man gegangen ist. Man kommt mit allen unbekannten Gebieten zurecht, wenn man die Auslegungsmethoden beherrscht und weiß, wo man suchen muss. Gerade solche ungewöhnlichen Arbeitsaufträge machen mir daher besonders viel Spaß. Zum einen, weil dahinter echte Schicksale stehen und ich mich besonders verantwortlich fühle und zum anderen, weil jede neue Herausforderung einen besonderen Reiz schafft.

Everyday Business

Neben den schriftlichen Arbeiten darf ich auch das Alltagsgeschäft miterleben.

So gehören Mandantenbesuche in JVAs und geschlossenen Anstalten, als auch Gerichtstermine dazu. Besonders beeindruckend war z.B. ein Anhörungstermin in einer Psychiatrie, bei dem drei Richter und ein Chefarzt anwesend waren. Es wird einem immer wieder klar, wie unterschiedlich die Fälle sind und wie sehr es auf den jeweiligen Einzelfall ankommt, wenn man mit der rechtlichen Beurteilung konfrontiert wird. Hinter jedem Fall steht eine einzigartige Geschichte – und das ist der Grund, warum Jura einfach Spaß macht!

Ich hoffe, dass auch ihr in eurer Anwaltsstation bleibende Eindrücke erhaltet und neben dem ganzen Pauken so viel Spaß an der Arbeit habt, wie ich!

 

– Sinan

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Beitragsautor:

Sinan Akcakaya

Sinan Akcakaya

Sinan schrieb für JurCase zunächst über seine Erfahrungen im juristischen Vorbereitungsdienst und sodann über das Assessorexamen. Seine letzten Beiträge für uns befassen sich hingegen mit dem Karrierebeginn junger Volljuristen.

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