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Referendariat

Die Nachtfahrt mit der Polizei

By 11. August 2020April 12th, 2022No Comments
Erfahrungsbericht_Strafstation_FB

Die Nachtfahrt mit der Polizei

Schon vor Beginn des Referendariats freuen sich viele angehende Referendare auf diesen Teil der Ausbildung: die Hospitanz (auch genannt „Nachtfahrt“) bei bzw. mit der Polizei. Ich durfte selbst eine 12-stündige Nachtschicht gemeinsam mit der Polizei auf Streife verbringen und werde euch in diesem Beitrag von meinen Erfahrungen berichten.

Vorbereitung und Anfrage bei der Dienststelle

Die Nachtfahrt war für meine Referendargruppe ein freiwilliges Angebot in der Station bei der Staatsanwaltschaft. Wer interessiert war, musste eine kurze Interessebekundung nebst Namen, Kontaktdaten und gewünschter Dienststelle per E-Mail an das OLG richten. Einige Wochen später, erst ganz am Ende der Station, meldete sich eine Polizeibeamtin per E-Mail und gab verschiedene Tage zur Auswahl, an denen ich mitfahren könnte. Zur Auswahl standen für mich nur noch 12 Stunden Schichten, was mich im ersten Moment etwas abgeschreckt hat. 12 Stunden klingen wahnsinnig lang, sind dann aber wie im Flug vorbeigegangen!

Antritt auf der Dienstelle

Ich sollte mich zum Dienstbeginn samstagabends um 19 Uhr auf der Dienstelle einfinden. Dienstende sollte 7 Uhr morgens am Sonntag sein. Als ich dann etwa viertel vor 7 an der Dienststelle eintraf, fand ich mich mitten in einem Tumult wieder. 3 Männer in Handschellen saßen auf einer Bank im Eingangsbereich, mehrere Polizeibeamte wuselten durcheinander und auf einem Tisch aufgetürmt lagen offensichtlich vielerlei Einbruchswerkzeuge wie Sägen, Bolzenschneider, Zangen und viel mehr. Nachdem ich ein bisschen verloren rumstand und mich irgendwann einer der Beamten fragte was ich denn eigentlich suche, konnte ich erklären, dass ich Referendarin bin und heute „zum Gucken da bin“. Ich lernte dann die beiden Polizisten kennen, die ich begleiten durfte. Alles im Schnelldurchlauf, denn wie ich erfuhr, waren die 3 Männer kurz bevor ich in der Wache eintraf just mitsamt ihres „Equipments“ festgenommen worden. Mir wurde eine schusssichere Weste gereicht, die ich tragen sollte – und sofort war ich mittendrin.

Erster Halt: Staatsanwaltschaft

Wir fuhren zur Staatsanwaltschaft, denn zunächst musste ein Haftbefehl für die Festgenommenen beantragt werden. Eine andere Streife brachte sie dann zum Ermittlungsrichter. Danach wurden wir zu einem weiteren Einsatz gerufen: Sachbeschädigung am Busbahnhof. Der nächste Einsatz war ein Körperverletzungsdelikt, der Täter flüchtig und wohl noch in der Nähe. Also ging es mit 100 km/h, Blaulicht und Sirene durch die Innenstadt. Ich versuchte mich einfach darauf zu verlassen, dass der Fahrer geübt ist und weiß was er tut – aber wenn ich ehrlich bin, musste ich doch an der ein oder anderen Kreuzung, die wir bei roter Ampel und Feierabendverkehr passierten, kurz die Augen zukneifen.

Von Einsatz zu Einsatz

Die nachfolgenden Einsätze waren etwas ruhiger. Zwei Fahrzeuge hielten wir an, da die Fahrer starke Schlangenlinien fuhren. In beiden Fällen bestätigte sich auch die Vermutung, dass die Fahrer Alkohol getrunken hatten. Beide wurden jeweils mit auf die Wache genommen und ein herbeigerufener Arzt entnahm eine Blutprobe. Alle zeigten sich kooperativ und ich durfte dem Arzt bei der Arbeit zusehen.

Diese kurzen ruhigeren Momente dauerten aber nicht lang. Nach jedem Einsatz kehrten wir, wenn nicht schon unterwegs ein neuer Funkspruch kam, wieder zur Wache zurück. Dort angekommen blieb Zeit, um kurz zur Toilette zu gehen oder einen Schluck Kaffee zu trinken. Die Polizeibeamten nutzten die Zeit auch, um ihre Berichte über die Einsätze zu schreiben. Länger als eine halbe Stunde herrschte jedoch in dieser Nacht keine Ruhe. Wenn gegen 3 oder 4 Uhr nachts bei mir Müdigkeit aufkam, ging der nächste Einsatz schon los. Die Spannung und Aufregung (und viel Kaffee) sorgten dann dafür, dass man wachblieb.

„Feierabend“

Morgens um viertel vor 7 kam dann die neue Schicht und löste die Nachtschicht ab. Dass die Zeit so schnell verfliegen würde, hatte ich nicht gedacht. Immerhin war ein halber Tag vorbei! Alle Beamten, die ich an diesem Abend kennengelernt habe, waren äußerst hilfsbereit, offen und interessiert daran mir zu zeigen und zu erklären, wie ihr Job im Alltag so läuft. So begab ich mich dann morgens um 7 nach Hause; todmüde, aber gleichzeitig ziemlich aufgedreht, im Hinblick auf die Erlebnisse des vorigen Tages. Die Beamten die nun Feierabend hatten, konnten sich aber nicht lange entspannen. Nicht einmal 12 Stunden später stand für sie die nächste 12-Stunden Nachtschicht an!

Fazit

Die Nachtfahrt mit der Polizei ist eine (für die meisten wohl einmalige) Erfahrung, die man unbedingt mitnehmen sollte, wenn sich die Chance bietet! Gerade für angehende Strafrechtler ist es eine lehrreiche Erfahrung zu sehen, wie die Akten und Sachverhalte eigentlich „entstehen“ und unter welchen Umständen Polizisten ermitteln, befragen und diese anstrengende Arbeit leisten.

-Jennifer

Sondertermine wie Nachtfahrten, Obduktionen usw.

Im Referendariat gibt es mehrere Sondertermine, die man auf jeden Fall wahrnehmen sollte, denn JVA-Besuche, Obduktionen und Polizeifahrten bringen definitiv Abwechslung in den Stationsalltag. Sie geben einen Einblick in verschiedene Berufsfelder und Orte, an die man sonst nicht kommt und können euch durchaus neue Perspektiven aufzeigen.

Gerne kannst du uns jederzeit an info@jurcase.com schreiben!

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Beitragsautor:

Jennifer Seiler

Jennifer Seiler

Jennifer berichtete uns über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die sie während ihres juristischen Vorbereitungsdienstes gemacht hat.

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