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Die Arbeit bei Gericht während der Zivilstation

Die Arbeit bei Gericht

Heute möchte ich gerne etwas über die Arbeit bei Gericht erzählen. Vor allem möchte ich euch davon berichten, wie hoch der Arbeitsaufwand ist und was man bei Gericht überhaupt so macht.

Wie oft muss ich kommen?

Das ist wohl die erste Frage, die man sich stellt, wenn man über die Zeit bei Gericht nachdenkt.

Im Durchschnitt ist man circa einmal pro Woche bei Gericht. Das hängt allerdings auch immer davon ab, wie viele interessante Verhandlungen stattfinden und natürlich wieviel der jeweilige Richter von einem erwartet und wieviel man auch selbst einbringen möchte.

Die Arbeitsgemeinschaften gehen in jedem Fall vor, sodass es auch gut vorkommen kann, dass man mal ein oder zwei Wochen gar nicht bei Gericht ist. Meine Richterin hat z.B. nur zwei Verhandlungstage pro Woche, sodass eine Kollision mit meinen AG-Tagen durchaus einmal vorkommen kann. Außerdem gibt es oft Verhandlungen, die für mich als Referendarin überhaupt nicht relevant sind, da sie inhaltlich nicht zum Prüfungsstoff gehören.

Die einzelnen Sitzungen dauerten bis jetzt auch nicht länger als 20 Minuten, sodass ich insgesamt nie länger als eine Stunde (plus Wartezeit zwischen den Verhandlungen) bei Gericht verbracht habe. Teilweise hole ich mir in der Woche davor die Akten zur jeweiligen Verhandlung und lese diese dann selbstständig zu Hause durch, es ist allerdings auch schon vorgekommen, dass ich die Akte davor nicht einmal durchgelesen habe.

Insgesamt ist man also nicht sonderlich eingespannt bei Gericht und die Richter verstehen es, wenn man mal keine Zeit hat zu einer Verhandlung zu gehen, weil man etwa lernen muss oder z.B. im Urlaub ist.

Was mache ich überhaupt bei Gericht?

Es gibt bestimmte Dinge, die vorgeschrieben sind, z.B. das Abfassen eines Urteils oder eine Zeugenvernehmung. Das alles fließt dann am Ende in das Stationszeugnis ein, es ist also auch sinnvoll, sich hier Mühe zu geben. Außerdem darf man nicht vergessen, dass gerade das Schreiben eines Urteils auch eine gute Übung für das Examen ist.

Ansonsten besteht die Arbeit hauptsächlich darin, Akten durchzulesen und die entsprechenden Verhandlungen zu besuchen und im Anschluss eventuell zu besprechen.

Inhaltlich handelt es sich gerade beim Amtsgericht häufig um Verkehrsunfälle oder kleinere Vertragsstreitigkeiten.

Das mag vielleicht nicht sonderlich interessant klingen, wenn man sich aber erst einmal in die Akten eingearbeitet hat, können auch solche Fälle spannend sein. Ich finde es auch gut, dass es sich hier nicht um super komplexe materiell-rechtliche Inhalte handelt, so kann man sich sehr gut auf die verfahrensrechtlichen Schwierigkeiten konzentrieren und bekommt einen guten Einblick in die zuvor eher unbekanntere Arbeit bei Gericht.

Mir macht die Arbeit bei Gericht auf jeden Fall viel Spaß und ich lerne hier sehr viel dazu, vor allem, weil ich meine Richterin immer fragen kann, wenn ich mal etwas nicht verstehe – auch, wenn es sich um ganz allgemeine Fragen handelt, die mit der Verhandlung vielleicht gar nichts zu tun haben.

Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick in die Arbeit bei Gericht geben.

Eure Svenja
– Referendarin aus Bayern

 

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