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Mein erstes Semester an der University of Glasgow: eine Bilanz

By 26. Juni 2018 Februar 4th, 2020 No Comments
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Mein erstes Semester an der University of Glasgow: eine Bilanz

Das akademische Jahr ist an der University of Glasgow zwar in „Semester“ beziehungsweise „Terms“ gegliedert, was allerdings nicht eins zu eins den Semestern an deutschen Universitäten entspricht. Mein erstes Semester verging wie im Flug und übertraf alle meine Erwartungen.

Von kleinen und größeren Unterschieden

Nach den Einführungswochen und der ersten eigentlichen Vorlesungswoche begann für mich der normale Universitätsbetrieb an der School of Law der University of Glasgow. Das einjährige LL.M.-Programm besteht aus zwei Semestern, von denen das erste Mitte September beginnt und bereits Mitte Dezember wieder endet. Die Vorlesungszeit endete für uns LL.M.-Studierende allerdings schon Ende November, da die ersten beiden Wochen im Dezember die Klausurenphase des ersten Semesters ist. Im LL.M. werden jedoch lediglich am Ende des zweiten Semesters Abschlussklausuren geschrieben, deren Stoff dann das gesamte Jahr abdeckt. Wir hatten also im Grunde den gesamten Dezember „frei“, um vor allem das nachzuholen, was aufgrund des hohen Lernpensums bis dahin auf der Strecke geblieben war, oder zur Vorbereitung von Essays.

Neben diesen Unterschieden im Zeitplan gibt es auch einige strukturelle Unterschiede: Das Studienprogramm besteht aus vier „Courses“ – einer Art Mischung aus Vorlesung und Seminar mit begrenzter Teilnehmerzahl – mit jeweils 15 Sitzungen, die allerdings über beide Semester verteilt sind. Da die Anzahl der Vorlesungen, Übungen und sonstigen Veranstaltungen pro Semester in Deutschland in der Regel locker das Doppelte übersteigt, kam mir ein Stundenplan mit nur vier Veranstaltungen pro Woche am Anfang etwas befremdlich und vermeintlich leicht zu handhaben vor. Ich wurde allerdings schnell eines Besseren belehrt, da die Vor- und Nachbereitung für die einzelnen Sitzungen nicht ganz Ohne ist, um nicht zu sagen extrem. Die meisten LL.M.-Studierenden, mich selbst eingeschlossen, hatten oft Schwierigkeiten, die kompletten wöchentlichen 100 Seiten „Essential Readings“ pro Course zu meistern. Eine gute Strategie, das Pensum zu meistern, sind Lerngruppen, in denen jeweils eine Person ein bestimmtes Kapitel, einen bestimmten Artikel oder ähnliches vorbereitet und für die anderen Gruppenmitgliedern eine Zusammenfassung erstellt.

People make Glasgow: eine Stadt voller Highlights

Auch wenn das Pensum sehr hoch ist, muss ich dennoch sagen, dass mir diese Art des Lernens, das heißt intensive Vorbereitung und dann Besprechung der wichtigsten Punkte in den Seminaren, sehr liegt. Abgesehen davon ist die Qualität der Lehre an der Glasgower School of Law hervorragend – angefangen bei der Konzeption einzelner Seminare, über die Auswahl der Literatur bis hin zu den Seminaren selbst, einschließlich der Art der Darstellung, der Vorträge durch die Lehrenden und begleitende Folien. Die meisten meiner Courses werden zudem von zwei Dozenten unterrichtet, was die Lehre durch die unterschiedlichen Herangehensweisen und Stile der Dozenten abwechslungsreich macht. Müsste ich mich entscheiden, welches mein Lieblingsfach hier in Glasgow ist, so könnte ich aufgrund der Lehre wohl kaum eine Entscheidung treffen. Auch inhaltlich bin ich von allen Fächern begeistert, wobei International Competition Law, International Merger Control und International Investment Law aufgrund persönlicher Präferenz einen Vorsprung gegenüber Corporate Social Responsibility and the Law haben.

Ein besonderes Highlight während des ersten Semesters war der Mini Moot Court in International Investment Law: Mit zwei weiteren Kommilitonen musste ich den Staat „Ecologia“ vor einem internationalen ICSID-Schiedsgericht verteidigen. Die Gegenseite – der niederländische Stromerzeuger „CleanCorp“ – klagte (unter anderem) wegen einer behaupteten Enteignung durch Ecologia, nachdem die Regierung die Erteilung einer weiteren Genehmigung zum Betrieb des CleanCorp-Kohlekraftwerks verweigert hatte. Es erschien mir aufgrund der Details des Sachverhalts zunächst aussichtslos, eine ordentliche Verteidigungsstrategie zu entwickeln. Doch mit etwas Recherche und der großartigen Zusammenarbeit mit meinen Teamkollegen ließ sich etwas Ordentliches erarbeiten – und siehe da: die Entscheidung des Tribunals fiel am Ende sogar wider Erwarten zu unseren Gunsten aus!

Auch außerhalb der Universität bringt es Glasgows eigenes Motto wahrlich auf den Punkt: „People make Glasgow“. Die Menschen in Glasgow sind unglaublich freundlich, es ist meines Erachtens unmöglich, sich hier nicht willkommen zu fühlen. Darüber hinaus habe ich sowohl in meinem Studiengang als auch durch die Vereine und Clubs an der Universität viele neue Freundschaften schließen können und es steht so gut wie immer etwas an: Seien es Ausflüge in die Highlands oder andere Teile von Schottland, Museumsbesuche, Spaziergänge durch Glasgow, Whiskyverkostungen, Filmabende oder einfach ein Pub-Abend. Die besondere Pub-Kultur im UK mit viel Live-Musik macht eigentlich so gut wie jeden Pub-Abend zu einem Highlight. Auch abgesehen davon finden in Glasgow zahlreiche Konzerte und kleinere Gigs statt, was mir besonders gut gefällt. Alles in allem ist Glasgow also sehr lebendig und hat jede Menge zu bieten.

Fazit

Der erste Term war voller neuer Eindrücke, sowohl an der Universität als auch mit Blick auf das Leben in einer neuen Stadt. Für mich hätte es bisher nicht besser laufen können und die Zeit verging wie im Nu – Time flies when you’re having fun.

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