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LL.M. oder Doktortitel?

By23. Dezember 2020März 23rd, 2021No Comments
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LL.M. oder Doktortitel?

Viele kennen die beiden juristischen akademischen Titel Dr. und LL.M. Aber was bedeuten sie, welcher Titel ist besser und wann kann man diese Titel überhaupt erwerben? Hier ist ein Vergleich dieser Zusatzqualifikationen zum Jurastudium:

Die Promotion

Ein juristischer Doktortitel kann durch den Abschluss einer Promotion im Anschluss an das erste Staatsexamen (die häufigere Variante), nach dem zweiten Staatsexamen oder sogar später berufsbegleitend erworben werden. Voraussetzung ist die Anfertigung einer Doktorarbeit. Dazu werden sowohl die richtige Note, nämlich in der Regel 9 Punkte im ersten Staatsexamen, als auch ein Doktorvater / eine Doktormutter benötigt. Mit einem befriedigenden Examen kann man sich zwar auf eine Doktorandenstelle bewerben, allerdings muss eine Kommission der Universität einen als geeignet erachten, dazu braucht man in der Regel überdurchschnittlich gute Noten im Schwerpunktbereich.

Meistens erfordert diese Doktorandenstelle eine Mitarbeit an dem Lehrstuhl mit regelmäßig 20 h / Stelle. Ansonsten kann ein Nebenjob in einer Kanzlei gesucht oder auf ein Stipendium gehofft werden, damit sich der Lebensunterhalt während der Anfertigung der Doktorarbeit sichern lässt.

Meistens wird die Promotion nach dem ersten Staatsexamen angestrebt, da man noch fit im wissenschaftlichen Arbeiten ist und die Möglichkeit besteht, sich eine Auszeit vor dem zweiten Examen zu nehmen. Zudem hilft es meist bei Bewerbungen. Manchmal gibt es nach dem zweiten Examen schon ein Jobangebot, welches mit einem Promotionsvorhaben kollidieren kann. Die Finanzierung kann zwar parallel zum Job besser funktionieren, aber es kann zeitlich sehr herausfordernd sein.

Eine Promotion kann einem bis zu 40 Prozent mehr Gehalt im Berufsleben einbringen. Immerhin wurden zusätzliche Zeit und Mühen in die eigene Ausbildung gesteckt.

Der Richtwert für die Dauer der Promotion liegt bei maximal zwei Jahren, meistens sind es aber 3 Jahre oder länger.

Master of Laws

Der Master of Laws oder auch Legum Magister (LL.M.) genannt, ist ein international anerkannter akademischer Titel. Er kann im Anschluss an das deutsche erste juristische Staatsexamen oder an einen Bachelor of Laws erworben werden. Bezeichnend ist, dass das Studium zumeist auf Englisch abläuft. Längst werden LL.M. Studiengänge nicht mehr nur im Ausland angeboten, sondern auch in Deutschland gibt es einige Städte mit LL.M.-Programmen. Dies gilt auch für fast jedes Land, es muss nicht originär englischsprachig sein. Allerdings sind LL.M. Abschlüsse aus englischsprachigen Ländern immer noch etwas höher angesehen. Die Notenanforderungen sind sehr unterschiedlich. Top Unis in den USA oder UK fordern gerne 10 Punkte aufwärts, allerdings kann man ab 7 Punkten einen LL.M. Platz bekommen, wenn sich nicht auf diese Universitäten versteift wird. Selbst in renommierten Unis in UK reichen 7 Punkte meistens aus (auch wenn es auf der Website anders angegeben wird), da der deutsche Jura Abschluss sehr hoch anerkannt ist. Beim LL.M. fallen Kosten in Form von Studiengebühren an, die sich auf 3.000 Euro in europäischen Ländern über 8.000-15.000 Euro im UK bis hin zu 15.000-45.000 Euro in den USA belaufen können. Dafür gibt es, insbesondere für die USA, zahlreiche Stipendien. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass durch die Lebenserhaltungskosten doch eine fünfstellige Summe realistisch ist, deren Höhe maßgeblich von dem gewählten Land abhängt. Der LL.M. dauert 12 Monate und endet mit einer Masterarbeit.

Was ist nun besser?

Pauschal kann nicht gesagt werden, welcher Titel nun der bessere oder einfachere ist. Für beide Titel braucht man als Ausgangspunkt mindestens ein gutes „befriedigend“ und den Willen, extra Zeit in die eigene Ausbildung zu investieren.

Auffällig ist die hohe Abbruchquote bei Doktoranden. Ein Doktor dauert meist mehrere Jahre, der LL.M. nur ein Jahr. Man sagt, mit einem Doktortitel ist ein besseres Gehalt als mit einem LL.M.-Titel zu erwarten, allerdings ist die Gehaltsaussicht in Großkanzleien ohnehin besser, wo nun mal viele mit dem Doktortitel hingehen, daher sind die Zahlen schlecht vergleichbar. Ein Doktortitel ist quasi ein Muss im Forschungsbereich. Außerdem kann man sich intensiv mit einem selbst gewählten Thema auseinandersetzen und eine Promotion ist eine gute Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen, Tagungen zu besuchen und sich intensiv mit dem eigenen Interessenschwerpunkt zu beschäftigen.

Gerade bei international tätigen Kanzleien ist der Master als Alternative zur Promotion sehr beliebt. Beide Titel haben einfach einen ganz anderen Fokus. Beim Doktor wird vertieftes Wissen in einem sehr speziellen Thema erlangt und eine hohe Qualität am wissenschaftlichen Arbeiten gezeigt. Beim LL.M. weist man vertiefte Kenntnisse der englischen Sprache nach, die Fähigkeit zur kulturellen Verständigung und die Kenntnis eines anderen Rechtssystems. Welcher Titel nun „besser“ ist, hängt meiner Meinung nach von den eigenen Ambitionen und Interessen ab. Mit dem LL.M. kann Auslandserfahrung gesammelt werden und man kann Experte auf einem Gebiet werden, muss aber mehr Geld in die Hand nehmen. Der Doktor ist gerade in der Wissenschaft, in der Lehre und im Staatsdienst gerne gesehen, nimmt mehr Zeit in Anspruch und die Basis ist das vertiefte Auseinandersetzen mit einer Einzelfrage.

Was glaubst du ist der bessere Karriere-Booster für deinen Berufsstart?

LL.M. oder Doktortitel oder beides

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Beitragsautor:

Lisa-Marie

Lisa-Marie

Lisa-Marie absolvierte kürzlich ihr Jurastudium und befindet sich aktuell in Aberdeen für den Master of Laws (LL.M.). Zu Beginn ihrer Tätigkeit bei uns schrieb sie hauptsächlich über das Studium, aktuell teilt sie mit uns ihre Einblicke und Erfahrungen rund um ihr Auslandsstudium. Außerdem leistet sie einen maßgeblichen Beitrag für unsere #Gewusst-Reihe.

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