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Gewusst

Lernen für ein erfolgreiches Staatsexamen – Einblicke, Tipps & Hinweise

By 14. April 2022Oktober 11th, 2023No Comments
Assessorexamen

Meine Lernroutinen und Lernmethoden für ein erfolgreiches Zweites Staatsexamen

Du stehst am Anfang deines Referendariats oder wenige Monate vor der Examensprüfung und fragst dich, wann du mit dem Lernen beginnen und wie du die Masse an Lernstoff neben der Arbeitsgemeinschaft und der Einzelausbildung bewältigen sollst? Dann kann dir der folgende Beitrag über meine Lernroutinen und -methoden hoffentlich hilfreiche Tipps für deine Examensvorbereitung geben. Du solltest dir aber immer vor Augen führen, dass die Art und Weise, wie eine Person nachhaltig und effektiv lernt, sehr individuell ist. Daher kann ich dir nicht versprechen, dass meine Vorgehensweise auch bei dir optimal funktioniert. Allerdings kann sie dir als Inspiration dienen, um eigene Lernstrategien zu entwickeln, die dein gesamtes Potential ausschöpfen.

Focus on the basics, du kannst nicht alles lernen

Bei der Masse an Lernstoff kann es leicht passieren, dass der Referendar sich bei seiner Vorbereitung in Detailproblemen verliert oder zu viel Zeit und Energie in Themengebiete investiert, die nur selten im Examen auftauchen. Daher würde ich dir immer empfehlen, dich auf die Grundlagen zu fokussieren und diese sicher zu beherrschen. Häufig lassen sich mit den Grundlagen, insbesondere der Gesetzessystematik und dem Gesetzeszweck, auch unbekannte Probleme in Klausuren lösen. Oft – vor allem im Öffentlichen Recht – lassen sich bekannte Strukturen und Prüfungsschritte auf unbekannte Themen adaptieren. Detailprobleme und umstrittene Rechtsfragen lassen sich größtenteils mit den Kommentaren lösen. Zudem können viele Argumente dem Sachverhalt der Klausur entnommen werden. Es ist daher viel ausschlaggebender, dass der Referendar den Aufbau des Klausurtyps, die Praktikersprache, die korrekte Formulierung eines Tenors bzw. eines Antrags usw. beherrscht.

JurCase informiert:

Bevor du dich mit einem bestimmten Rechtsgebiet befasst, solltest du immer in der Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung deines Bundeslandes prüfen, ob dieses auch zum Pflichtfachstoff im Zweiten Examen gehört. Hier gibt es teilweise große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern.

Gleich von Anfang an am Ball bleiben

Ich habe gleich zu Beginn des Referendariats angefangen kontinuierlich zu lernen, um nicht kurz vor dem Examen in allzu große Panik zu geraten. Die ersten Monate habe ich im Wesentlichen den Stoff aus der Arbeitsgemeinschaft vor- und nachgearbeitet. Dabei habe ich mich zunächst auf das Zivilprozessrecht konzentriert. Begleitend hierzu habe ich das Online- Repetitorium von Lecturio absolviert und die zivilprozessrechtlichen Kaiser-Skripte durchgearbeitet.

Parallel hierzu habe ich mir zu den wichtigsten prozessualen Problemen Karteikarten nach einem Frage-Antwort-System angefertigt. Dabei habe ich auf der Vorderseite der Kartekarte eine oder mehrere Fragen formuliert und auf der Rückseite die Antwort notiert. Zusätzlich habe ich vermerkt, an welcher/n Stelle/n im Urteil oder Gutachten das Problem zu diskutieren ist. Die Karteikarten sollten insbesondere dazu dienen, den Stoff vor dem Examen schnell wiederholen zu können. Durch dieses Prozedere habe ich die wichtigsten Grundlagen erlernt und durch das zusätzliche Niederschreiben zugleich gefestigt.

Die Mischung aus audiovisuellen und visuellen Lernmaterialien war für mich optimal. Diese Vorgehensweise habe ich weitgehend auch über die Verwaltungs- und Strafrechtsstation beibehalten. Ca. 3 Monate nach Beginn des Referendariats habe ich angefangen wöchentlich mindestens eine Übungsklausur zu schreiben. Dies würde ich jedem Referendar empfehlen. Nicht nur, um die klausurrelevanten Aufgabenstellungen bzw. prozessualen Einkleidungen kennenzulernen, sondern auch, um materiell-rechtliche Themen zu wiederholen.

Motiviert bleiben mit einem abwechslungsreichen Lernplan

Mit Beginn der Anwaltsstation habe ich mich auf das Zwangsvollstreckungsrecht, das gesamte Prozessrecht aus den vergangenen Stationen, das Klausurenschreiben und das Materielle Recht konzentriert.

In der Regel habe ich mir am Sonntagabend meinen Lernplan für die kommende Woche erstellt. Dabei war mir die Balance zwischen Routine und Abwechslung besonders wichtig, um einen bestmöglichen Lerneffekt zu erzielen.  Deshalb habe ich mich an zwei Tagen in der Woche mit dem Zivilrecht und an jeweils einem Tag mit dem Öffentlichen Recht und dem Strafrecht befasst. Zudem habe ich weiterhin eine Klausur pro Woche geschrieben. An einem typischen Lerntag habe ich am Vormittag prozessuale / verfahrensrechtliche Fragen behandelt und meistens eine thematisch passende Übungsklausur bearbeitet (Diese habe ich nicht ausformuliert, sondern nur eine Lösungsskizze angefertigt). Am Nachmittag habe ich dann überwiegend mit Hilfe der Kaiserskripte und meinen alten Karteikarten vom Ersten Examen das Materielle Recht gelernt. Am Abend habe ich mir noch ein bis zwei Stunden Zeit genommen, um aktuelle Entscheidungen oder Aufsätze zu lesen und um mir zu überlegen, wie die Probleme der Entscheidung in einer Klausur verpackt sein könnten.

Die Zielgerade – Die Vorbereitung kurz vor den schriftlichen Prüfungen

Etwa zwei Monate vor den schriftlichen Prüfungen habe ich hauptsächlich das Prozessrecht und das Materielle Recht wiederholt. Dabei war es mir besonders wichtig, dass ich den Aufbau der verschiedenen Klausurtypen und die immer wiederkehrenden Basics problemlos beherrsche, sodass ich in der Klausur nicht allzu lange darüber nachdenken muss. Hierbei habe ich weitestgehend auf meine angefertigten Karteikarten und Übersichten zurückgegriffen. Im Falle, dass ich ein Thema oder Problem beim Wiederholen nicht (mehr) richtig auf dem Schirm hatte, habe ich dieses nochmals vertieft mit Hilfe der Skripte durchgearbeitet. Zudem habe ich auch weiterhin – bis ca. 2 Wochen vor den schriftlichen Prüfungen – Klausuren geschrieben, um insbesondere das Time-Management stetig zu verbessern. Ich empfehle dir, unkoordiniertes „Paniklernen“, indem du dir noch möglichst viel neues Wissen anzueignen versuchst, zu vermeiden.

Nicht nur Lernen – Nimm dir auch mal eine Auszeit!

Bei der Fülle an Lernstoff und der ernüchternden Gewissheit, dass du nicht jedes Rechtsgebiet wirst lernen können, sind viele Referendare entmutigt, gestresst und überlastet. Dies wirkt sich erheblich auf das psychische Wohlbefinden aus. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, habe ich mir an einem Tag in der Woche eine Auszeit genommen. Aber auch an den Lerntagen habe ich mir immer etwas Zeit genommen, um mir und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Beispielsweise habe ich meinen Tag immer mit einer Sporteinheit begonnen, bevor ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe. Auch an Tagen, an denen es mit dem Lernen besonders schlecht lief und ich keine Fortschritte machen konnte, habe ich mir eine zusätzliche Auszeit genommen. Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du eine Pause brauchst. Durch die neu gewonnene Energie kannst du danach wieder viel effizienter lernen. Auch einige Tage vor Beginn der schriftlichen Prüfungen, habe ich nicht mehr gelernt und versucht, noch etwas Kraft für die anstrengende Klausurenphase zu tanken. Du solltest nicht unterschätzen, wie psychisch und körperlich anstrengend diese Phase ist.

Tipps und Hinweise

Die Zeit für die Vorbereitung auf das Zweite Examen ist sehr knapp bemessen. Allerdings kannst du teilweise beeinflussen, wie viel Zeit dir innerhalb der einzelnen Stationen zum Lernen bleibt. Insbesondere in der Verwaltungs- und Anwaltsstation, in denen du dich selbst um einen Ausbildungsplatz bemühen musst, kannst du eine Ausbildungsstätte wählen, bei der der wöchentliche Arbeitsaufwand begrenzt ist. Hier gibt es teilweise erhebliche Unterschiede, sodass du die Entscheidung nicht leichtfertig treffen solltest. Ich denke, es ist wichtig eine gute Balance zwischen der Arbeit für die Einzelausbildung und dem individuellen Lernen zu finden, da natürlich auch die Praxiserfahrung ein elementarer Bestandteil des Referendariats ist und als Orientierung für die eigenen Präferenzen dienen kann. Daher würde ich immer davon abraten, eine ganze Station über zu „tauchen“.

Fazit

Der Weg zum Zweiten Staatsexamen ist nicht immer leicht und bedarf eines hohen Maßes an Eigenmotivation und Disziplin. Kontinuierliches Lernen ist unumgänglich. Allerdings solltest du dich keinesfalls überanstrengen und jedes Problem und jede umstrittene Rechtsfrage bis ins Detail durcharbeiten. Konzentriere dich lieber auf die Grundlagen und ein ausgeprägtes Systemverständnis. Zudem solltest du die richtigen, auf deinen Lerntyp zugeschnittenen Lernmaterialen und Lernmethoden finden, um dein volles Potential auszuschöpfen.

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Beitragsautor:

Kassandra Forst

Kassandra Forst

Kassandra ist Diplom-Juristin und seit kurzem Rechtsassessorin. Ihr Referendariat absolvierte sie in Thüringen und wird hierüber in Erfahrungsberichten erzählen. Außerdem wird sie die #Gewusst-Reihe mit Beiträgen zu examensrelevanter, aktueller Rechtsprechung sowie zum materiellen und formellen Recht in Assessorklausuren unterstützen.

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