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Der erste Tag als Rechtsreferendar in Hessen

By 16. August 2017 Mai 18th, 2018 No Comments
Sebastian Erfahrungsberichte zum Referendariat

Der erste Tag als Rechtsreferendar in Hessen

Der erste Tag im juristischen Vorbereitungsdienst ist sicherlich ein besonderer Tag voller Spannung, Neugierde und vielleicht auch Nervosität. Schließlich beginnt ein wichtiger Lebensabschnitt für die jungen Rechtsreferendare. Doch worauf genau können sich die angehenden Volljuristen am ersten Tag einstellen? Das Schreiben vom Oberlandesgericht über die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst beantwortet regelmäßig nicht alle Fragen, die man sich im Vorfeld selbst gestellt hat. Was der erste Tag als Rechtsreferendar mit sich bringen kann, was euch erwartet und worauf ihr achten solltet, erfahrt ihr hier:

Die Vorbereitungsphase für den Dienstantritt

Am 16.06.2017 begann für mich die letzte Etappe einer längeren Bewerbungsphase. Mir wurde mit dem letzten Schreiben vom OLG Frankfurt mitgeteilt, dass ich am 03.07.2017 pünktlich um 8:45 Uhr an meiner Stammdienststelle – dem Landgericht Wiesbaden – sein soll, um dort meine Aufnahmeurkunde in Empfang nehmen zu können. Damit alles reibungslos funktioniert, sollte ich allerdings noch einige Unterlagen zusammenstellen und schnellstmöglich einsenden. Zu diesen angeforderten Unterlagen gehörten insbesondere ein dem Schreiben beigefügter Personalbogen, eine Bescheinigung über die Mitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse sowie eine Kopie meines Sozialversicherungsausweises. Dem Schreiben waren auch verschiedene Informationen beigefügt, zum Beispiel ein Merkblatt der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, ein Hinweisblatt für einen juris-Zugang sowie ein paar Informationen zum zweiten Staatsexamen. Doch einige Fragen blieben auch durchaus offen, vor allem:

  • Mit dem Tag unseres Dienstantritts beginnt die sogenannte Einführungswoche. Handelt es sich dabei am ersten Tag um eine rein organisatorische Einführung oder bedeutet dies zugleich, dass der juristische Vorbereitungsdienst auch inhaltlich direkt beginnt? Benötigen wir also beispielsweise einen Schönfelder und andere Gesetzestexte oder sonstige Unterlagen, die die Organisation betreffen?
  • Gibt es einen Dresscode? In Rheinland-Pfalz wird etwa eine „standesgemäße Bekleidung“ erwartet.

Die Empfangnahme der Aufnahmeurkunde

Pünktlichkeit ist eine Tugend und an einem Tag wie diesem sollte ein Zuspätkommen ohnehin vermieden werden. Deshalb war ich bereits gegen 8:30 Uhr (also gut eine viertel Stunde zu früh) am im Schreiben vom OLG Frankfurt angegebenen Sammelpunkt, wo bereits weitere Referendare warteten. Nach einer kurzen gegenseitigen Begrüßung wurde die Frage zum Dresscode recht schnell erörtert. Es bestand nicht nur Verwunderung darüber, dass sich das OLG hierüber ausgeschwiegen hatte, sondern auch ein Konsens darüber, dass eine standesgemäße Bekleidung nicht zwingend erforderlich sei. Nun hatte ich jedoch meinen besten Anzug für diesen Tag ausgewählt, fühlte mich dementsprechend zunächst ein wenig over-dressed. Dieses Gefühl hatte sich jedoch gelegt als noch zwei meiner Referendarskollegen ebenso in standesgemäßer Tracht erschienen. Daneben vermittelte die Frage nach dem konkreten Ablauf des Tages ein Gefühl von Unsicherheit, naturgemäß vor allem bei denjenigen, die ihre Gesetzestexte nicht mitgebracht hatten. Schließlich möchte man nicht direkt zu Beginn einen schlechten Eindruck machen…

Pünktlich um 8:45 Uhr wurden wir zwölf Referendare von einem der beiden Amtsinspektoren, die für Personalangelegenheiten und Rechtsreferendare zuständig sind, abgeholt und in eine der Strafkammern des Landgerichts geführt. Jeweils sechs von uns nahmen sodann Platz auf der Seite der Staatsanwaltschaft beziehungsweise auf der Seite der Strafverteidigung. Mit einem Blick durch den Raum fiel mir auf, dass der große, pompös wirkende Saal sicherlich in der Lage ist, Ehrfurcht bei den Angeklagten auszulösen. Unserer Aufnahmezeremonie verlieh er jedoch in meinem Empfinden gleichzeitig ein hohes Maß an Würde.

Nur kurze Zeit später kam der Präsident des Landgerichts hinzu, der nach einer kurzen Vorstellung eine durchaus unterhaltsame und motivierende Rede hielt. Im Anschluss daran verteilte er die Aufnahmeurkunden und nahm uns damit als Rechtsreferendare in ein öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis auf. Freude und Stolz waren immens.

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Der nächste Punkt des uns unbekannten Programms war die Vorstellung der sogenannten Landesvertreter der Referendare für den Landesgerichtsbezirk Wiesbaden. Ihre maßgebliche Aufgabe ist die Vertretung des LG-Bezirks auf der Landessprecherversammlung, bei der die Landessprecher aller LG-Bezirke in Hessen zusammentreffen, um bezirksübergreifende Probleme zu erörtern und an entsprechenden Lösungen zu arbeiten. Daneben leiten sie die Versammlung, an der alle AG-Sprecher des LG Wiesbaden teilnehmen. Im Zuge dessen wurde uns auch mitgeteilt, dass wir zwei AG-Sprecher wählen sollten, eine ehrenamtliche Tätigkeit die mich sehr reizte. Eine übereilte Entscheidung diesbezüglich wollte ich in diesem Moment jedoch noch nicht treffen.

Als kleine Pause diente nun die Besichtigung des Justizgebäudes in Wiesbaden, in dem Amtsgericht, Landgericht, Verwaltungsgericht, Staatsanwaltschaft und Co ansässig sind.

Nach der Gebäudebesichtigung wurden wir in zwei Gruppen geteilt und unseren jeweiligen Amtsinspektoren unterstellt. In deren Büro wurden nun weitere organisatorische Angelegenheiten besprochen, etwa Brandschutz sowie die mit dem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis einhergehende Pflichten wie Verschwiegenheit, Verfassungstreue und Genehmigungsbedürftigkeit von Nebentätigkeiten sowie unsere Rechte, etwa den Anspruch auf Unterhaltsbeihilfe und Urlaub. Hierfür haben wir auch eine 74-seitige „Start-Info“ bekommen, der sogar Musteranträge beigefügt sind. Im Anschluss dessen wurde erneut auf die Notwendigkeit der AG-Sprecher hingewiesen, die immerhin ein Bindeglied zwischen den Rechtsreferendaren und den Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst bei den Gerichten, aber auch zwischen den Referendaren untereinander, darstellen. Nach ihrer Wahl sollten die beiden AG-Sprecher eine Namensliste mit Telefonnummern und E-Mail-Adressen für die Amtsinspektoren anfertigen.

Bereits mit dem Gedanken angefreundet, dass ich diese Tätigkeit gerne übernehmen würde, erklärte ich mich auch direkt dazu bereit, die Liste unabhängig von der AG-Sprecher-Rolle anzufertigen. Nach einem großen Lob für meinen Arbeitseinsatz folgte ein weiterer wichtiger Hinweis, nämlich das zwei von uns zwölf Referendaren dem Amtsgericht Rüdesheim zugewiesen werden müssten, die übrigen zehn aber in Wiesbaden bleiben würden und dem Amtsgericht und dem Landgericht zugewiesen würden. Der Amtsinspektor hat uns aber die Möglichkeit eingeräumt, selbst zwei Freiwillige zu finden, die nach Rüdesheim gehen würden. Zuletzt gab es dann unsere Dienstausweise sowie eine Gebäudezugangskarte, die auch für die Kantine genutzt werden kann. Für diese Karte brauchte man allerdings 30 Euro an Pfand. Diese Information war im Schreiben vom OLG Frankfurt jedoch leider nicht angegeben gewesen, sodass ich am nächsten Tag die Karte holen musste.

Mit der Kantinenkarte – oder in meinem Fall ohne diese Karte – ging es sodann in die Mittagspause und eben in die Kantine. Das Essen sah lecker aus, meine Mitreferendare bestätigten diesen Eindruck. Dort haben wir uns ein wenig über die neuen Eindrücke unterhalten. Selbstverständlich kam auch die Frage nach dem AG-Sprecher auf. Es dauerte auch nicht lang, da waren zwei gefunden: Meinereiner und eine nette Referendarskollegin.

Nach der Mittagspause ging es in unsere AG. Dort habe ich mich zunächst um einen Gesetzestext gekümmert, da ich nun doch befürchtete, dass wir heute auch inhaltlich in den juristischen Vorbereitungsdienst starten würden. Nachdem eine andere nette Referendarskollegin mir ihren Schönfelder geliehen hatte, kümmerte ich mich – wie versprochen – um die Namensliste. Während diese herumging, kam auch schon der AG-Leiter, der die AG mit einer Vorstellungsrunde begann. Im Anschluss daran erzählte er uns noch ein paar organisatorische Dinge, etwa zum Ablauf der nächsten zwei Wochen, zum gesamten Ablauf des Referendariats, also zu den anderen Stationen etc. Neue, besonders wichtige Erkenntnisse gab es jedoch keine.

Gegen 15 Uhr war der erste Tag als Rechtsreferendar dann auch schon vorbei. Er war weder besonders spannend noch ereignisreich. In Anbetracht der Bedeutung dieses Tages sowie der damit einhergehenden Nervosität war dies aber sicherlich nicht der schlechteste Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt.

 

Übrigens, lest demnächst auch meinen Erfahrungsbericht zur Einführungswoche in der Zivilrechtsstation.

 

Sebastian

– Doktorand und Referendar aus Hessen.

 

Weitere Veröffentlichungen von Sebastian sind hier und auf seinem Facebook-Blog zu finden.

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