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Wohin in der Wahlstation? – Von voreiligen Entschlüssen und ungeahnten Möglichkeiten

By 22. Mai 2018 Juni 12th, 2019 No Comments
Birthe Erfahrungsberichte Referendariat

Wohin in der Wahlstation?

Von voreiligen Entschlüssen und ungeahnten Möglichkeiten

Wir alle kennen das Bild der „geöffneten Tür“. Wir können durch einen Spalt hineinsehen, bekommen eine Ahnung was dahinter liegen könnte, erkennen aber nicht den gesamten Inhalt. Diese Situation lässt uns zögern und nachdenken. Nun liegt es an uns selbst eine Entscheidung zu treffen: Begebe ich mich in unbekanntes Terrain oder verharre ich bei dem Prinzip „bekannt und bewehrt“?

Der Türspalt: Das Jura-Studium

Bereits die Fragestellung, ob man ein Jurastudium aufnehmen will oder nicht, stellt eine solche Entscheidung dar. Die meisten Abiturienten haben nicht wirklich eine realistische Vorstellung davon, was konkret im Studienfach „Rechtswissenschaften“ gelehrt wird und was auf sie zukommen wird. Wenn wir uns dieses Szenario noch weitergehend betrachten, haben selbst viele Jura-Studenten noch keine Antwort auf die Frage, was sie später für einen Beruf ausüben wollen: Richter, Anwalt oder doch was unkonventionelles?!

Bei mir war und ist es nicht anders. Bis heute weiß ich nicht, warum ich überhaupt Jura studieren wollte, war doch Sport immer meine große Liebe. Allerdings war es mir aus verschiedenen Gründen zu riskant ein, Sportstudium aufzunehmen: Könnte ich meine Schwäche im Turnen und Schwimmen beheben? Was ist, wenn ich mich verletze? Würde ich mit einem abgeschlossenen Sportstudium überhaupt eine passende Arbeit finden? Diese und weitere Fragen haben mich die Tür einer beruflich-sportlichen Karriere schließen lassen und mich zu dem allseits anerkannten Studium der Rechtswissenschaften gelenkt.

Obwohl ich mir mehrfach die Frage gestellt habe, ob ein Sportstudium nicht doch die bessere Wahl für mich gewesen wäre, habe ich meine Entscheidung niemals bereut. Indem ich während des Studiums bzw. Referendariats aktiv Leistungssport betreiben konnte, habe ich einen optimalen Kompromiss, nämlich die Köpfchen-Körper-Kombination, gefunden.

Während mein Studium dann weitestgehend durchgeplant war und ich nur einige wenige Entscheidungen treffen musste, wie z.B. die Wahl des universitären Schwerpunkts (in meinem Fall: Deutsches und Europäisches Recht des Wettbewerbs und des geistigen Eigentums), das Absolvieren eines Auslandssemesters (ja, im 5. Semester an der University of Hull (UK)) oder die Inanspruchnahme eines Freischusses (ja) bzw. eines Verbesserungsversuchs (ja), stehe ich nun wieder vor einer „geöffneten Tür“ – es handelt sich um die Wahlstation.

Der Hintergrund

Fünf Jahre lang (von 2012–2017) habe ich aktiv Natural Bodybuilding betrieben. Im Herbst 2017 habe ich dann für mich die wirklich schwierige (!) Entscheidung getroffen, vorerst an keiner Bodybuilding-Meisterschaft mehr teilzunehmen. Schwierig war die Entscheidung deshalb, weil der Fitness-Lifestyle Struktur in mein Leben bringt, mein Tag von morgens bis abends strikt durchgeplant ist und ich mir zudem durch den Sport mittlerweile einiges aufgebaut habe (Sponsoren-Verträge etc.). Allerdings erzeugt diese Struktur auch einen gewissen Zwang, der mich mehr und mehr unglücklich stimmte. Aufgrund meiner fünf-monatigen Wettkampf-Diät durfte ich weder mit meinen Referendariats-Kollegen mittags etwas essen gehen noch mit ihnen auf AG-Fahrt fahren (kein Fitnesscenter, keine diätkonforme Ernährung). Das sind nur einige wenige Einschränkungen, die der leistungsorientierte Fitnesssport mit sich bringt. Folglich stand nach langem Überlegen für mich fest, dass ich mit dem Wettkampf-Bodybuilding (vorerst) aufhören werde und hobbymäßig wieder mit meinem ehemals ausgeübten Leistungssport, dem Tennissport, anfangen werden.

Wer die Wahl hat…

Nun fragt ihr euch, was meine sportliche Neuorientierung mit meiner Wahlstation zu tun hat? Auch hier muss ich ein wenig ausholen:

Die Wahlstation ermöglicht dem Rechtsreferendar den eigenen Interessenschwerpunkt zu konkretisieren, Einblicke in Großkanzleien oder Unternehmen zu erhalten, Auslandserfahrungen zu sammeln etc.

Während meiner Station bei der Staatsanwaltschaft habe ich großen Gefallen an dem Beruf des Staatsanwalts gefunden und ich könnte mir nach wie vor gut vorstellen, diesen Job später einmal auszuüben. Allerdings muss ich hierfür die hohen Anforderungen der Justiz erfüllen (i.d.R. 8 Punkte in beiden juristischen Staatsexamina) bzw. gesonderte Leistungen nachweisen, wie u.a. eine Promotion, Berufserfahrung oder das Absolvieren der Wahlstation bei der Justiz. Da ich ein sicherheitsliebender Mensch bin, habe ich unmittelbar nach der Strafrechtsstation mit meinem Ausbilder vereinbart, die Wahlstation bei der Staatsanwaltschaft zu absolvieren. In dem Moment kannte ich allerdings weder die verwaltungsrechtliche noch die anwaltliche Tätigkeit, so dass es definitiv eine voreilige, aber vernünftige Entscheidung war.

Eines Abends surfte ich durch das Internet und blieb bei einem Zeitungsartikel hängen: „Das Sportgericht des DFB verurteilt Hansa Rostock zu 35.000,- € Geldstrafe.“ Trotz meiner Jura-Sport-Liebe habe ich mir bis zu diesem Zeitpunkt nie Gedanken über die Sportgerichtsbarkeit gemacht. „Wie sind Sportgerichte zusammengesetzt?“ „Wann werden Sportgerichte tätig?“ … Fragen, denen ich mithilfe einer kurzen Internetrecherche nachgehen wollte. Ein Klick hier, ein Klick da und plötzlich las ich folgende Zeilen: „Der Deutsche Tennis Bund bietet Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendaren die Möglichkeit an, ihre Wahlstation beim DTB zu absolvieren.“ Womit wir bei der nächsten offenen Tür wären. Diese Option war mir zum Zeitpunkt der Entscheidung für die Wahlstation nicht bekannt und stellte nun tatsächlich die (eigentlich bereits getroffene) Auswahl wieder völlig in Frage.

Wie ich mich hinsichtlich der Wahlstation entschieden habe, wer mir bei dieser Entscheidung behilflich war und was diese Entscheidung für Konsequenzen hat – das alles könnt ihr in einem meiner kommenden Beiträge nachlesen 🙂 .

Zum Schluss aber noch ein kleiner Tipp (a.k.a. Spoiler) für euch:

„Wenn du dich nicht entscheiden kannst, wirf eine Münze … Es geht nicht um Kopf oder Zahl, sondern darum, worauf du hoffst. Das ist deine Wahl, die du längst getroffen hast.“

Bis zum nächsten Mal!

Eure Birthe

 

Alle Erfahrungsberichte von Birthe Mack findet ihr hier!

Birte Mack

Die Autorin

Birthe Mack hat zwei sehr unterschiedliche Leidenschaften: Jura und Bodybuilding. In ihren Beiträgen beschreibt sie, welchen Einfluss die eine Passion auf die andere nimmt und berichtet von ihren Erfahrungen während des Referendariats.

Alle Artikel von Birthe findet ihr hier!

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