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Gewusst

Moot Court: Schlüsselqualifikation oder Zeitverschwendung?

By 23. April 2021Mai 6th, 2021No Comments

Lohnt sich die Teilnahme an einem Moot Court?

Wenn du Jura studierst oder dich generell für die rechtswissenschaftliche Ausbildung interessiert, bist du sicher schonmal auf dieses Wort gestoßen: Moot Court.

Einige Studierende scheinen Wochen und Monate der Studienzeit mit der Vorbereitung und der Durchführung der Moot Courts beschäftigt zu sein und dafür zu brennen, andere wiederum haben sich während des gesamten Studiums überhaupt nicht damit beschäftigt und werden es voraussichtlich auch nicht. Dabei wächst das Angebot der Moot Courts stetig!

Moot Court – Was ist das?

Grundsätzlich lässt sich unter dem Begriff eine simulierte, meist strafrechtliche, Gerichtsverhandlung verstehen. Schon vor Abschluss des Studiums sollen die Studierenden auf die Situation vor Gericht vorbereitet werden. Dabei werden die vor Gericht typischerweise vertretenen Akteure durch Studierende besetzt. Insbesondere vor dem Strafgericht gibt es verschiedene Besetzungen, beispielsweise den Strafrichter nach § 25 GVG oder das Schöffengericht nach den §§ 28 ff. GVG.

Zur Vereinfachung wird im Moot Court häufig die Staatsanwaltschaft, die Partei des Beschuldigten sowie die Position des Richters besetzt, die Anzahl der Richter ist dabei variabel. Moot Courts werden im Laufe von Vorlesungsreihen abgehalten. Seit einiger Zeit gibt es jedoch zunehmend mehr renommierte Wettbewerbe, sogar internationaler Art. Die Studierenden aus verschiedenen Ländern können sich hier miteinander messen und sogar Preise gewinnen. In Moot-Court Wettbewerben wird die Richterposition nicht von den Studierenden besetzt, da durch die Leitung des Wettbewerbes oder durch eine Jury abschließend zwischen den beiden Parteien ein Sieger gekürt werden soll. Dieser kann dann im Wettbewerb voranschreiten und sich im nächsten Moot Court gegen einen anderen Gegner beweisen.

JurCase informiert:

Nahezu jede Fakultät stellt für nationale und internationale Moot Court Wettbewerbe ein Team auf. Bei Interesse kannst du an deiner Fakultät, beispielweise auf deren Website nähere Infos zur Teilnahme bekommen. Auch während der Pandemie finden viele Moot Court Wettbewerbe online statt.

Als Teilnehmender beim Moot Court schließt du dich mit einem Partner oder zu einer kleinen Gruppe zusammen und erhältst einen Sachverhalt. Dieser soll von euch vorbereitet werden, es muss ein Schriftsatz für die geplante mündliche Verhandlung erstellt werden. Doch die Qualität dieses Schriftsatzes, bestehend aus Verhandlungsstrategie und Plädoyer, ist kein Garant für einen Sieg. Das Ziel ist es, die gegnerische Partei mit Argumentation und Rhetorik zu übertreffen und die Richter und Anwesenden im simulierten Gerichtssaal zu überzeugen. Wenn du daher nur einen Schriftsatz vorliest, wirst du wahrscheinlich niemanden überzeugen. Bedenke, dass die gegnerische Partei ebenso wie du Monate mit der Vorbereitung verbracht hat! Maßgeblich kommt es deshalb auf die mündliche Verhandlung an, hier muss die Strategie sitzen, denn nur das in der Verhandlung Geleistete fließt in die abschließende Bewertung ein.

Internationale Wettbewerbe mit nationalem Rechtssystem?

Soweit zum Moot Court innerhalb des deutschen Systems. Eine beliebte Variante sind allerdings auch Moot Courts basierend auf internationalen Rechtssystemen. Bekannt ist hier vor allem das anglo-amerikanische System. Mittels einer eingesetzten Jury, bestehend aus üblicherweise zwölf Personen, welche einen Durschnitt der Gesellschaftdarstellen, wird nach der Verhandlung die Strafbarkeit oder Straflosigkeit des Angeklagten festgestellt. Die Jury kann hier durch die Studierenden besetzt werden, sodass mehr Studierende involviert sind.

JurCase informiert:

Die sogenannte Jury wird im anglo-amerikanischen System in Strafverfahren eingesetzt und wird dabei nach gewissen Kriterien zufällig ausgewählt, um einen möglichst neutralen Durschnitt der Gesellschaftdarstellen zu können. Die Jury entscheidet nach Verhandlung in Strafsachen über schuldig und unschuldig, das Strafmaß bleibt allerdings dem Richter vorbehalten. In derartigen Verhandlungen nehmen die Rhetorik und das Auftreten der Anwälte daher eine erhöhte Wichtigkeit ein.

Diese Variante wird häufig auf Grundlage des anglo-amerikanischen Rechts auch auf Englisch durchgeführt, sodass die Studierenden auch über eine Fremdsprache mit der Rechtsmaterie in Berührung kommen. Neben der Möglichkeit, Fremdsprachennachweise zu erwerben, erleben die Studierenden damit wertvolle Praxisnähe im Verhandeln und im Anwenden von Recht, welche sie im Grundstudium sonst nur begrenzt erleben können.

Ist der Moot Court durchweg positiv?

Die Vorbereitung auf den Moot Court muss aber als sehr zeit- und arbeitsintensiv beschrieben werden. Gerne dauert es mehrere Monate, die Schriftsätze in der Kleingruppe oder mit einem Partner ausreichend vorzubereiten, um in der Verhandlung einen sicheren Auftritt gewährleisten zu können. Häufig sind die vorzubereitenden Sachverhalte sehr ausführlich und komplex, insbesondere wenn du gerade erst mit dem Studium angefangen hast, kannst du dich schnell überfordert fühlen. Weiter musst du dich, wenn der Moot Court in fremden Rechtsystemen durchgeführt wird, intensiv mit einer Rechtsmaterie beschäftigen, die für dein Erstes Staatsexamen wenig bis überhaupt keine Bedeutung hat. Diese Arbeit muss dazu noch während Semester- oder Hausarbeitszeit geleistet werden.

JurCase informiert:

An immer mehr Fakultäten kannst du die Teilnahme an einem Moot Court Programm allerdings in Bezug auf die Freiversuch-Regelung als Freisemester anrechnen lassen, sodass dir zumindest hier kein Semester verloren geht.

Die intensive Auseinandersetzung mit neuem Stoff sollte allerdings vor allem als Chance verstanden werden, denn dein Werdegang als angehender Jurist wird nicht zum letzten Mal erfordern, dich mit unbekannter Materie genauer zu befassen. Die Tatsache, dass immer mehr Fakultäten Moot Courts unterstützen und anrechnen, macht die steigende Wichtigkeit von Praxiserfahrungen klar. Im Referendariat, im späteren Arbeitsleben und nicht zuletzt auch in einer mündlichen Prüfung ist gerade Praxis, Rechtsanwendung sowie Verhandlungssicherheit entscheidend. Ein Moot Court bietet dir hier eine sehr gute Gelegenheit, schon früh wichtige Erfahrungen zu machen.

Außerdem kannst du dir hier schon einen Überblick verschaffen, ob und in welchem Umfang ein anwaltlicher Beruf später überhaupt etwas für dich ist. Daher solltest du dich, auch wenn du gerade erst mit dem Studium angefangen hast, nicht von der Teilnahme abschrecken lassen.

Mein Tipp: Über Fachschaft und Fakultät findest du sicher auch einen Partner aus einem höheren Semester, der dir bei schwieriger Materie unter die Arme greifen kann. Dies hat mir bei meiner Teilnahme am Moot Court sehr geholfen!

Fazit

Natürlich bringt ein Moot Court intensive Arbeit und Vorbereitung mit sich. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass die Vorbereitung auch während des Studiums zu bewältigen ist. Neben der Anwendung des im Grundstudium trockenen Stoffes und der Erlangung einer Qualifikation, welche sogar im Arbeitsleben hilfreich sein kann, lernst du über den Moot Court auch neue Leute aus deinem Studiengang kennen und wächst an der neuen Herausforderung nicht zuletzt als Mensch. Die lange Vorbereitung wird sich in der Verhandlung daher ganz sicher auszahlen, sogar wenn du die erste Verhandlung verlierst. Daher bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als:

Viel Spaß bei deinem ersten Moot Court!

JurCase informiert:

Vielleicht interessiert dich im Zusammenhang mit Moot Courts auch der Erfahrungsbericht von Charlotte über ihren universitätsinternen Investment Arbitration Moot Court an der School of Law der University of Glasgow (GU).

Schlüsselqualifikation

Soft Skills werden immer wichtiger – vor allem im Berufsleben. Es gibt bereits während des Studiums viele Möglichkeiten Praxiserfahrungen zu sammeln. Die angebotenen Schlüsselqualifikationen sind zahlreich.

Gerne kannst du uns jederzeit an info@jurcase.com schreiben!

Welche Schlüsselqualifikationen hast du im Studium und/oder Referendariat wahrgenommen?

[Mehrfachantworten möglich]

Beitragsautor:

Luca Willemsen

Luca Willemsen

Luca studierte Rechtswissenschaften an der Universität in Trier und möchte seinen Vorbereitungsdienst im Regierungsbezirk Düsseldorf oder Köln absolvieren. Für JurCase ist er aktuell vor allem für aktuelle Rechtsprechung zuständig.

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