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Referendariat

Meine Verwaltungsstation

By 5. Mai 2020Juni 3rd, 2021No Comments
Erfahrungsberichte-von-Ulrike_FB

Meine Verwaltungsstation

Zwischen AG, Einzelausbildung und Corona

In Berlin beträgt die Verwaltungsstation 3 Monate. Meine sollte eigentlich vom 1. Januar bis zum 31. März 2020 laufen – wäre da nicht Corona…

Wie ist die Arbeitsgemeinschaft strukturiert?

Die Verwaltungsstation ist – genauso wie die anderen Stationen – in den Theorie- und den Praxisteil aufgeteilt. In den ersten beiden Wochen fand der Einführungslehrgang statt. Dort haben wir unser prozessuales Wissen aufgefrischt, vor was den Aufbau einer Klage angeht.

In der Arbeitsgemeinschaft (AG) besprechen wir vor allem Fälle. Jede Woche wird eine Altklausur ausgeteilt, die wir zuhause vorbereiten können und die dann in der 3,5-stündigen AG besprochen wird. Dabei gehen wir die Klausurlösung vom Tenor bis zu den Nebenentscheidungen durch, was ich sehr gut finde. Außerdem bereitet jeder Referendar für eine Stunde den Tatbestand der jeweiligen Klausur als Vortrag vor. So ist man gezwungen, diesen mal auszuformulieren und bekommt Feedback über die Richtigkeit und Vollständigkeit. Manchmal finde ich, ziehen sich die Besprechungen ziemlich, da man 3,5 Stunden über denselben Fall diskutiert, jedoch hilft es auch sehr, mit anderen über den Aufbau und die Inhalte zu diskutieren und auch selbst zu überprüfen, ob man alle Probleme gefunden hat.

Wir bekommen auch Mitarbeitsnoten. Ob ich das gut finde, weiß ich nicht, aber es motiviert auf jeden Fall dazu, aktiv mitzuarbeiten, was uns auch wieder voranbringt.

Lernt man viel Neues in der AG?

Da wir für das erste Examen schon die Zulässigkeit und Begründetheit einer Klage lernen und prüfen können mussten, fällt das Lösen der Fälle im Verwaltungsrecht leichter. Zudem haben wir bereits in der Zivilstation gelernt, wie ein Urteil abzufassen ist, sodass wir nur noch die Unterschiede im Verwaltungsrecht lernen müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Rechtsansichten nicht nur ausnahmeweise in den Tatbestand aufgenommen werden.

Neu sind die Behördenklausuren, in denen man einen Bescheid verfassen muss. Wie diese aufzubauen und zu strukturieren sind, muss man auswendig lernen, inhaltlich sind sie aber recht frei gestaltbar, vergleichbar mit einer Anwaltsklausur.

Ich habe gemerkt, dass ich, obwohl ich schon Vorwissen aus dem ersten Examen und der Zivilstation habe, viel von diesem Wissen bereits wieder vergessen habe und es definitiv noch genug gibt, was man wiederholen und auch neu lernen muss. Vor allem ist auch in dieser Station wichtig, viele Fälle zu lösen und damit Routine im Klausurenschreiben zu bekommen. So kann man sich im Examen auf die wirklich wichtigen und schwierigen Dinge konzentrieren.

Zu der AG-Ausbildung gehört auch das Schreiben von Klausuren. Drei Stück sind vorgesehen, also eine pro Monat. Bei uns wurde eine Behörden-, eine Urteils- und eine Beschlussklausur geschrieben.

Was lernt man in der Praxisausbildung?

In der Praxisausbildung sollen wir Referendare lernen, welche Berufsfelder und Aufgaben es in der Verwaltung gibt, ob wir uns vorstellen können in diesen später tätig zu sein, und wie das Wissen aus der AG in der Praxis umgesetzt wird.

All dies wird in den verschiedenen Behörden, Institutionen und Gerichten natürlich anders umgesetzt. Die Tätigkeiten hängen davon ab, in welcher Abteilung man landet und natürlich auch davon, wie engagiert der eigene Ausbilder ist.

Ich war in einer Senatsverwaltung in Berlin. Mein Ausbilder ist, naja, irgendwie engagiert, aber irgendwie auch sehr unstrukturiert und ineffizient, was die Gesprächsführung angeht. Abgesehen davon, dass er mich beim ersten Termin vergessen hatte, er mich ständig mit anderen Namen anspricht und ich im Schnitt 3-4 Stunden bei ihm verbringe, in denen nicht viel mehr passiert, als dass ich meine erledigte Aufgabe abgebe und er mir eine neue erklärt… Obwohl die Verwaltungsstation fast vorbei ist, habe ich bisher leider auch noch nicht eine einzige Aufgabe zurückbekommen. Ich kann also auch aus Fehlern nicht lernen und weiß nicht, ob ich zu viel mache, zu wenig, oder ob ihm das, was ich mache, überhaupt gefällt.

Thematisch ging es fast ausschließlich um das Datenschutzrecht, worüber ich Vermerke zu verschiedenen Fragestellungen verfasst habe. Ich habe zum Glück schon Vorwissen in diesem Bereich, sonst wäre ich vermutlich schnell an meine Grenzen gestoßen.

Ich finde es schade, dass ich nicht eine einzige Klage, einen (Widerspruchs-) Bescheid oder ähnliches gesehen habe oder gar bearbeiten durfte, sodass mir die Praxisausbildung nichts für das Examen gebracht hat. Das war bei den vorherigen Stationen komplett anders. Da habe ich die ganze Zeit Urteile und Anklageschriften verfassen dürfen und müssen. Ich kann mir daher auch besser vorstellen, was ein Richter und Staatsanwalt macht, als das, was ein Jurist in der Verwaltung macht, weil meine Aufgaben sehr beschränkt in der Varianz waren – und nein, ich war in keinem Bereich, der sich (ausschließlich) mit dem Datenschutzrecht beschäftigt.

Wie beeinflusst Corona die Ausbildung?

Abgesehen davon, dass zu Jahresbeginn viele Ausbilder und Referendare erkältet im Bett liegen und dadurch schon Ausbildungszeit entfällt, kam bei meiner jetzigen Station auch noch das Corona-Virus dazu. In Berlin ist es so, dass wir seit zwei Wochen keine AG-Termine mehr haben. Daher bleibt uns momentan nichts anderes als das Selbststudium. Auch die Bibliotheken sind geschlossen, was bedeutet, dass wir uns auch keine Kommentare oder ähnliches ausleihen können. Immerhin die Klausuren können wir per E-Mail einsenden.

Die ausgefallenen AG-Termine werden wohl auch nicht nachgeholt. Nur die letzte Klausur wird noch per Skype nachgeholt. Wie die Einführungslehrgänge und künftigen AGs stattfinden werden, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Auch in der Stationsausbildung wurde die Präsenzpflicht aufgehoben. Wir sollen Aufgaben mit nach Hause bekommen, die wir alle 2-4 Wochen besprechen – es ist also Home Office angesagt!

Fazit

Die Verwaltungsstation ist sehr schnell vergangen, gerade durch Erkältungen und Corona fast zu schnell. Ich habe momentan noch nicht das Gefühl, wirklich gut auf das Examen vorbereitet zu sein und viel nacharbeiten zu müssen, aber wer weiß, vielleicht habe ich dank Corona dafür mehr Zeit, als mir eigentlich lieb ist;)

Ulrike

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Beitragsautor:

Ulrike R.

Ulrike R.

Ulrike befindet sich seit zwei Jahren im juristischen Vorbereitungsdienst, den sie zugunsten ihres Sohnes unterbrechen musste. Sie befindet sich noch bis voraussichtlich Mai 2021 in Mutterschaftszeit. Danach steht bei ihr das Examen an. In ihren Beiträgen berichtet sie von der Vereinbarkeit von Kind und Referendariat.

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