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Meine ersten zwei Wochen in der Verwaltungsstation

By 6. März 2018Januar 21st, 2020No Comments
Flavia Erfahrungsberichte Referendariat

Meine ersten zwei Wochen in der Verwaltungsstation

Pünktlich zum Ende des Sommers endete auch unsere Strafrechtsstation und der September läutete die nächste und bereits dritte Etappe auf unserem Weg zum zweiten Staatsexamen – die Verwaltungsstation – ein.

Im Gegensatz zur Strafstation, bei der wir an meinem Standort einem Richter oder Staatsanwalt zugeteilt wurden und lediglich einen Wunsch äußern durften, ob wir lieber ans Gericht oder zur Staatsanwaltschaft möchten, können wir die Verwaltungsstation relativ frei planen. Dabei ist es grundsätzlich auch möglich, einen Teil der Station im Ausland oder in anderen Bundesländern zu verbringen.

Die selbständige Gestaltung der Station erfordert allerdings auch, dass wir uns rechtzeitig – also spätestens in der Strafrechtsstation – um eine solche Stelle bemühen. Insbesondere sehr beliebte Stationen sind oft bereits Monate vorher belegt.

Zeitlich durchlaufen wir in Hessen die Verwaltungsstation im neunten bis zwölften Monat des Referendariats. Mit dem Beginn der Verwaltungsstation bleibt uns daher nur noch ziemlich genau ein Jahr bis zu den Examensklausuren, sodass diese unweigerlich immer stärker in unseren Fokus rücken.

Deshalb sollte man bei der Planung der Verwaltungsstation darauf achten, dass neben dem freien Tag für die verpflichtende Regelarbeitsgemeinschaft, sofern möglich, auch ein ganzer oder halber Tag für die Übungsklausuren und zum Lernen bleibt. Leider werden an unserem Standort momentan keine Übungsklausuren im öffentlichen Recht angeboten, wir dürfen aber an einem circa 80 Kilometer entfernten Verwaltungsgericht am Klausurenkurs teilnehmen.

Spätestens jetzt ist es auch an der Zeit, unsere Anwaltsstation zu planen, da viele der beliebten Kanzleien bereits ihre Referendare für die Station haben. Bei mir war die Auswahl der Anwaltsstation wenig spektakulär, da für mich feststand, dass ich sie auf jeden Fall in der Kanzlei verbringen möchte, in der ich seit mehreren Jahren nebenher als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeite.

Einführungs- und Regelarbeitsgemeinschaft

Dass die Arbeitsgemeinschaften völlig unterschiedlich ablaufen können, haben wir mittlerweile gesehen. Während wir in der Zivilstation viele Referate gehalten haben und ansonsten hauptsächlich über Frontalunterricht ausgebildet wurden, lösten wir in der Strafrechts-AG meistens Klausuren und Aktenvorträge in Gruppenarbeit und besprachen diese dann mündlich. Je nachdem, was für ein Lerntyp man ist, mag einem die eine oder andere AG demnach mehr zusagen.

Unsere Einführungs- und auch die Regelarbeitsgemeinschaft in der Verwaltungsstation wird von einem erfahrenen Richter des Landessozialgerichts geleitet.

Wer dachte, nach der doch verglichen mit der Zivilstation sehr arbeitsintensiven Strafstation etwas verschnaufen zu können, der wurde allerdings schnell eines Besseren belehrt:

Im Schnelldurchlauf wiederholten wir innerhalb dieser fünf Tage das allgemeine Verwaltungsrecht und das Verwaltungsprozessrecht sowie Auszüge aus dem Bau-, Kommunal- und Polizeirecht – jeweils bereits gespickt mit Besonderheiten für das zweite Staatsexamen.

Bereits drei Tage nach der Einführungs-AG musste ich mein erstes Referat über die Zustellung im Verwaltungsverfahren halten, was zusammen mit der Nachbereitung der Woche und der obligatorischen Septembererkältung eine ziemliche Herausforderung war.

Wie auch schon in der Zivilstation wird fast jede Woche einer von uns ein Referat halten. Daneben müssen wir sowohl eine Klausur als auch einen Aktenvortrag bewältigen.

Schon nach dieser kurzen Zeit steht fest, dass wir voraussichtlich sehr viel in der AG lernen werden und zum dritten Mal in Folge großes Glück mit dem AG-Leiter erwischt haben!

Einzelausbildung

Meine Einzelausbildung in der Verwaltungsstation habe ich aufgeteilt, was wohl in den meisten Bundesländern möglich ist. Sofern man, wie ich, innerhalb der Station auch an das Verwaltungsgericht möchte, ist es bei uns sogar vorgeschrieben, dass wir für die Hälfte der Station etwas anderes machen müssen.

Deshalb bin ich zunächst für zwei Monate beim Kreisausschuss im Rechtsamt und dann im Anschluss für weitere zwei Monate beim Verwaltungsgericht.

Für das Rechtsamt habe ich mich entschieden, weil ich mir davon eine bunte Mischung an praxis- (und natürlich auch) examensrelevanten Themen verspreche.

Die Arbeitszeiten, die einen Referendar in so einer Behörde erwarten, sind dabei sehr unterschiedlich. Mein AG-Kollege, der bei einem anderen Kreis im Rechtsamt sitzt, muss zwei Tage präsent sein und Akten bearbeiten, während ich alle Akten mit nach Hause nehmen darf. Wieder andere berichten davon, dass sie bis auf den AG-Tag sogar täglich in der Behörde die ganz normalen Bürozeiten mitmachen müssen, was natürlich nicht viel Spielraum für die Nachbereitung der AG und den Besuch eines Klausurenkurses lässt. Optimalerweise klärt man daher bereits bei der Bewerbung die Arbeitszeiten mit ab.

An meinem ersten Tag in der Behörde lernte ich zunächst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung kennen. Innerhalb der Abteilung bearbeitet jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter einen eigenen Teilbereich, oftmals werden Akten aber auch im Team besprochen. Im Gegensatz zu den vorherigen Stationen habe ich hier auch nicht nur einen einzigen Ausbilder, sondern darf bei jedem mal reinschnuppern, Akten übernehmen und zu Terminen mitkommen.

Meine erste Akte durfte ich sodann direkt mitnehmen und bis zum Ende der Woche bearbeiten. Zu entscheiden ist im Rahmen des Widerspruchsverfahrens über das Anliegen einer Schülerin, die eine auswärtige Schule besucht und hierfür die Fahrtkosten erstattet haben möchte.

Etwas unglücklich ist es, dass unser Juris-Zugang, den wir mit Beginn des Referendariats erhalten haben, nur für die ersten beiden Stationen gültig war, die meisten von uns aber keinen Arbeitsplatz in der Behörde haben und Akten daher zu Hause bearbeiten müssen.

Ansonsten macht die Station bislang sehr viel Spaß, was ich vorher so nicht unbedingt erwartet hätte und sicher wird sie auch wieder viel zu schnell vorbei sein.

-Flavia, Referendarin aus Hessen

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