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Gewusst

Mein LL.M. in Tokio: Eine amerikanische Universität in Tokio

By 29. März 2022Juni 7th, 2022No Comments
Tokio

Meine LL.M.-Erfahrung in Japan: Die Wahl der Universität

In diesem Beitrag zu meinem LL.M. in Tokio geht es um meine Entscheidung für die Temple University, eine amerikanische Universität in Tokio. Was sollte man bei seiner Entscheidung bedenken und welche Vorteile bietet eine amerikanische Universität?

Eine amerikanische Universität in Tokio – wie funktioniert das?

Viele Juristen entscheiden sich nach ihrem Ersten Examen dafür ihr juristisches Wissen zu vertiefen, ein neues Rechtssystem kennenzulernen und Auslandserfahrung zu sammeln, bevor sie dann in die Arbeitswelt eintauchen. Dabei gibt es viele Angebote, die sich nach den individuellen Wünschen und Karrierevorstellungen richten.

Ich hatte die Chance gleich zwei Rechtssysteme mit einem Master kennenzulernen. Aber warum unterschied sich mein LL.M. von anderen?

Temple University Beasley School of Law in Tokio

Die Temple University ist eine Universität, die ihren Ursprung in den USA, nämlich im schönen Philadelphia, hat und dort ihren größten Campus führt. Darüber hinaus hat die Universität weitere Standorte in Tokio, Romund Beijing.

Der japanische Campus befindet sich in einem Szene-Bezirk in Setagaya-ku und die Temple University ist die älteste und größte ausländische Universität, die es in Japan gibt. Sie ist umgeben von Cafés und alten Bücherläden sowie Secondhand-Shops und Studentenbars.

Lieber auf eine englischsprachige oder eine japanische Universität?

Selbstverständlich hat Tokio auch erstklassige japanische Universitäten, die unter verschiedenen Anforderungen Studien- oder LL.M.-Programme anbieten, wie beispielsweise die Keio oder Todai University. Allerdings hatte die Todai zumindest strenge Sprachanforderungen, sodass fließende Japanisch-Kenntnisse nicht nur von Vorteil, sondern unerlässlich gewesen sind.

Japanisch ist eine äußerst spannende, aber nicht einfache Sprache, wenn es darum geht die verschiedenen Höflichkeitsebenen zu beherrschen, die die Sprache birgt. Denn, wenn du mit deinem Freund, einem Kollegen oder deinem Professor sprichst, muss sich eure Beziehung in deiner Wortwahl widerspiegeln.

Davon abgesehen gibt es viele ungeschriebene gesellschaftliche Regeln in Japan, deren fließende Beherrschung viel Zeit benötigt. Auf einer japanischen Universität in einem japanischen LL.M.-Programm würde man mit japanischen Juristen zusammensitzen und hat gegebenenfalls den Nachteil, dass man nicht sicher die Sprache beherrscht und verkrampft versucht sich an alle möglichen Regeln zu halten, sodass der Fokus nicht mehr auf der Rechtskenntniserlangung liegt. Das ist natürlich personenabhängig. Ich habe mich allerdings dafür entschieden ein englischsprachiges Programm zu absolvieren.

Die Keio wiederum bietet einen englischsprachigen LL.M. an, der sich inhaltlich nicht unbedingt groß von dem LL.M.-Programm der Beasley School of Law unterscheidet. Warum habe ich mich also für die Temple University entschieden?

Warum eine amerikanische Universität?

Die Temple University bietet zwei verschiedene LL.M.-Programme an, die Juristen entweder im Völkerrecht oder amerikanischen Recht mit Wissen ausrüsten. Man kann, sollte man sich für die Module im amerikanischen Recht entscheiden, natürlich auch Kurse belegen, die sich mit völkerrechtlichen Themen beschäftigen. Andersherum war dies leider nicht möglich.

Der größte Vorteil des U.S. Law LL.M. ist, dass man durch bestimmte Module und deren Absolvierung die Zulässigkeitsvoraussetzungen erfüllt in bestimmten Staaten in den USA das Bar Exam zu absolvieren. Einer dieser Staaten ist New York.

Das Bar Exam in der Tasche zu haben, kann ein Riesenvorteil sein, wenn man als deutscher Jurist in den USA praktizieren möchte. Das ist eine tolle Chance, wenn man entweder plant, in den USA zu arbeiten oder hier in Großkanzleien oder Unternehmen arbeiten möchte, die geschäftliche Beziehungen in die USA pflegen und wo entsprechende Rechtskenntnisse wichtig sind.

Als ich den LL.M. absolvierte, hieß der Master-Studiengang „LL.M. for Foreign Trained Lawyers“. Dieser war an Juristen gerichtet, die einen nicht amerikanischen Abschluss hatten. Der Name hat sich geändert, die Module sind allerdings nach wie vor die gleichen.

Ganz besonders spannend waren die wirtschaftlich angehauchten Module wie „Advising Multinational Companies“, in welchem es im Prinzip darum ging, große Unternehmen, die international agieren, zu beraten. Das war eine interessante und wichtige Ergänzung zu meinen deutschen Rechtskenntnissen. Wir haben gelernt wie man Unternehmen im Rahmen von M&A berät, worauf man als Jurist achten sollte und wie man Buchhaltungsmethoden des Zielunternehmens bewerten kann.

Aber auch davon abgesehen gibt es spannende Module wie „International Arbitration“, das die internationale Schiedsgerichtbarkeit behandelt.

Ich konnte zudem Kurse belegen, die in das japanische Recht einführten. Alle Module wurden von sehr guten Dozenten, die größtenteils Praktiker aus dem englischsprachigen Raum waren und wichtige Einblicke in die Praxis geben konnten, geleitet.

JurCase informiert:

Solltest du nicht wissen, welcher Master-Studiengang zu dir passt oder ob das überhaupt etwas für dich ist, kannst du jederzeit nach Absprache mit der Universität Probehören. Es gibt sogenannte Mock-Classes, die dir dabei helfen eine Entscheidung zu fällen. Zu Zeiten der Pandemie geht das vielleicht sogar online!

Wie bewirbst du dich?

Wie bei den meisten ausländischen Universitäten benötigst du selbstverständlich einen Sprachnachweis, der deine guten Englischkenntnisse bescheinigt wie beispielsweise einen TOEFL-Test. Diesen habe ich in Japan absolviert. Die Universität möchte sichergehen, dass du den Vorlesungen problemlos folgen kannst.

Ferner benötigst du einen Nachweis über dein bereits absolviertes Studium, denn der Masterstudiengang ist ein aufbauendes Studium und Rechtskenntnisse werden vorausgesetzt. Meine Universität hat mir damals eine Art Zeugnis auf Englisch ausgestellt. Für viele Nichtdeutsche ist das deutsche Jurastudium mit dem anschließenden Staatsexamen schwierig einzuordnen, sodass manchmal auch eine Erklärung meines Abschlusses erforderlich war.

Außerdem sollte ich meine Motivation für das Studium darlegen und einen Lebenslauf anhängen. Wichtig war auch, dass ich zwei Empfehlungsschreiben meiner ehemaligen Dozenten mitschicken musste.

JurCase informiert:

Solltest du dich im Ausland für ein Studium bewerben wollen, haben die meisten Prüfungsbüros schon vorgefertigte Formulare und wissen was zu tun ist. Im Zweifelsfall solltest du dich daher in deinem Prüfungsbüro informieren.

Außerdem solltest du dich frühzeitig um die Empfehlungsschreiben kümmern, da Dozenten oftmals ein wenig Vorlauf benötigen.

Fazit

Nicht viele Universitäten haben Standorte im Ausland, sodass die Temple University Beasley School auf Law in Tokio eine sehr gute Möglichkeit bietet, seinen juristischen und persönlichen Horizont zu erweitern und sich dabei hervorragend für den Arbeitsmarkt aufzustellen.

Du möchtest mehr über meinen Auslandsaufenthalt in Tokio erfahren? Schau dir auch mal diesen Beitrag an: Mein Praktikum in einer deutschen Kanzlei im Herzen von Tokio.

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Beitragsautor:

Seycan Rafailovic

Seycan Rafailovic

Seycan studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität in Berlin und legte dort auch ihr Erstes Staatsexamen ab. Aktuell absolviert sie ihr Referendariat am Kammergericht Berlin. Für JurCase gibt sie Einblicke in ihr erfolgreich absolviertes LL.M.-Auslandsstudium in Tokio sowie in ihren juristischen Vorbereitungsdienst.

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