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Legal Tech: Hier können sich Studierende und Praktiker:innen Grundlagen aneignen

Schlüsselqualifikation

Studenteninitiativen, LL.M. Legal Tech, Hackathons und Co.

Das Vorurteil „wer kein Mathe kann, der studiert Jura“ ist heutzutage längst überholt. Immer mehr Jurastudierende und auch bereits praktizierende Jurist:innen wagen den Schritt Richtung Technologie. Generell hat sich Legal Tech in den letzten paar Jahren immer mehr im rechtlichen Umfeld etabliert. In der Folge sind immer mehr Angebote entstanden, welche Interessierten den Umgang mit Legal Technology und das Prinzip der Digitalisierung des Rechts näherbringen wollen.

In diesem Beitrag werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der juristischen Ausbildung und beleuchten, wie Universitäten Studierende auf die Zukunft von Legal Tech vorbereiten und zeigen interessierten Studierenden ihre Möglichkeiten auf, sich schon früh in dieser Thematik einzubringen.

Studiengänge, Schwerpunktbereiche und LL.M.

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Universitäten Legal Tech in ihre Lehre integriert. Das Angebot reicht von einzelnen Vorlesungen und Seminaren über Zusatzstudien und Schwerpunktbereiche bis hin zu eigenständigen Studiengängen. Du hast also verschiedene Möglichkeiten, dich bereits während des Studiums mit der Digitalisierung des Rechts und dem Einsatz technischer Lösungen in der juristischen Praxis auseinanderzusetzen.

An der Universität Bayreuth können Studierende beispielsweise zusätzlich zu ihrem regulären Studium das Zusatzstudium Informatik und Digitalisierung (DigiZ) absolvieren. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Informatik, Wirtschaftsinformatik, Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Datenschutzrecht, Technikrecht und das Recht der neuen Medien. Damit ergänzt das Angebot die bereits bestehenden wirtschaftswissenschaftlichen (WiWiZ) und technikwissenschaftlichen Zusatzstudien (TeWiZ).

Wenn du dich bereits in einem fortgeschrittenen Studienabschnitt befindest, lohnt sich auch ein Blick auf die angebotenen Schwerpunktbereiche. Sie ermöglichen dir, dich vertieft mit Legal Tech auseinanderzusetzen und einen Überblick über die rechtlichen und technischen Grundlagen zu gewinnen. An der Universität Osnabrück können Studierende beispielsweise den Schwerpunktbereich „Digital Law“ wählen, zu dem auch das Wahlpflichtfach Legal Tech gehört.

Auch nach dem Ersten Staatsexamen kannst du dich weiter auf diesen Bereich spezialisieren. Dafür kommt etwa ein Masterstudiengang infrage. Die Universität Regensburg bietet beispielsweise den Studiengang „LL.M. Legal Tech“ an. Zu den behandelten Themen gehören unter anderem Data Science, Big Data, FinTech, E-Commerce und Cybersicherheit. Ziel solcher Angebote ist es, Jurist auf die wachsenden Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Berufspraxis vorzubereiten.

Das sind nur einige Beispiele für die vielfältigen Möglichkeiten, Legal Tech in die juristische Ausbildung zu integrieren. Da sich das Angebot stetig weiterentwickelt, lohnt es sich, regelmäßig nach neuen Veranstaltungen und Studienmöglichkeiten an deiner Universität Ausschau zu halten. Informiere dich beispielsweise bei deiner Fakultät oder auf den Seiten der Universität darüber, welche Angebote es gibt und welche davon zu deinen Interessen passen.

Legal Tech Labs – Studierendeninitiativen rund um Recht und Digitalisierung

Neben Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich mit Legal Tech zu beschäftigen. Eine davon sind studentische Initiativen, die sich mittlerweile an zahlreichen Universitäten gegründet haben. Dazu gehören beispielsweise das Legal Tech Forum Osnabrück, das Legal Tech Lab Cologne (LTLC), die Munich Legal Tech Student Association (MLTech), das Legal Tech Lab Frankfurt am Main, eLegal an der Universität Göttingen, Recode.Law an der Universität Münster und Tübingen Legal Tech (TLT).

Viele dieser Initiativen organisieren regelmäßig Workshops und andere Veranstaltungen. Dort kannst du beispielsweise die Grundlagen von Programmiersprachen und Webtechnologien wie Python, HTML oder CSS kennenlernen, Interviews mit Legal-Tech-Praktiker:innen verfolgen oder konkrete Anwendungen aus Unternehmen und Kanzleien kennenlernen. So erhältst du Einblicke in die technischen Möglichkeiten und kannst besser einschätzen, wie digitale Lösungen die juristische Arbeit verändern.

Auf dem Laufenden bleiben mit LinkedIn und Co.

Auch diejenigen, die bis hierher gelesen haben und sich nicht mehr der studentischen „Berufsgruppe“ zugehörig fühlen, haben die Chance, sich in Sachen Legal Technology regelmäßig auf den neusten Stand zu bringen. In den gängigen Social Media Netzwerken finden sich Ankündigungen zu Legal Technology Workshops, Vorträgen oder Diskussionsrunden. Viele davon werden auf LinkedIn publiziert. Wer dort nichts verpassen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Seiten Legal Ai Network, Legal Tech Verzeichnis und recode.law zu verfolgen.

Probieren geht über Studieren – Hackathons

Wer der Devise „Learning by doing“ folgt, für den können Hackathons interessant werden. Bekanntlich kommt Übung nämlich vom Üben und nicht vom Zuschauen. An Hackathons können sowohl Studierende als auch Praktizierende, Anfänger:innen und Fortgeschrittene teilnehmen. Sie werden von entsprechenden Legal Tech Anbietern, teilweise in Zusammenarbeit mit Rechtsabteilungen aus Kanzleien oder mit Studenteninitiativen ausgerichtet. Die Plätze sind allerdings regelmäßig begrenzt.

Anhand eines study cases werden die Teilnehmer:innen dann, nach einer kurzen Einführung in das Tool, einen Lösungsweg erarbeiten. Ob es um die automatische Beantwortung von rechtlichen Fragestellungen geht oder die Risikoeinschätzung von Mandaten, alle Teilnehmer:innen erarbeiten entweder in Teams oder alleine eine Lösung. Ist die Zeit abgelaufen, werden die Ergebnisse präsentiert.

Legal Tech kann jede:r lernen!

Wem das noch nicht reicht, der kann sich entweder nach einem Ticket für die LEGAL REVOLUTION, eine jährliche Frankfurter Messe u.a. zum Thema Legal Technology, umschauen oder ihre bzw. seine Nase in sämtliche Zeitschriften, Aufsätze, Kommentare oder Lehrbücher stecken, die in letzter Zeit zu Legal Tech erschienen sind. Interessante Zeitschriften können z.B. die Zeitschrift für digitale Rechtsanwendung (LTZ – Legal Tech), Recht Digital (RDi) oder REthinking Law sein. Für jeden sollte also die passende Option da sein, um sich mit diesem Thema vertraut zu machen. Egal ob Digital Native oder Digital Immigrant, jeder kann sich mit Legal Tech beschäftigen. Es gibt so viele verschiedene Anwendungsbereiche, dass für jeden das richtige Themenfeld dabei sein wird, also keine Scheu!

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Beitragsautor:

Anna-Maria Blömer

Anna-Maria Blömer

Anna-Maria Blömer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ROSE & PARTNER - Rechtsanwälte Steuerberater PartGmbB

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