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Gewusst

Schlüsselqualifikation: Digitalisierung und Legal Tech 

By 17. August 2021No Comments

Legal Tech? Was ist das überhaupt?

Bei dem Begriff „Legal Tech“ werden sich in einigen Gesichtern zunächst Fragezeichen wiederfinden. Auf Legal Tech stößt man im juristischen Alltag aber häufiger als man vielleicht zunächst denkt. So gibt es Anwendungen, die Anwälte bei ihrer Arbeit unterstützen, z. B. Software zur Datenverwaltung oder zur Kanzleiorganisation. Auch in anderen juristischen Bereichen werden Dokumentanalyse-Tools, Vertragsgeneratoren oder Chatbots eingesetzt. Außerdem gibt es Plattformen, die es Anwälten und Mandanten erleichtern sich zu vernetzen, etwa Anwaltsmarktplätze oder Kollaborationsnetzwerke.

Die Schlüsselqualifikation zu Digitalisierung und Legal Tech

In dieser Schlüsselqualifikation geht es darum, dir die Grundlagen zu vermitteln und dir die damit einhergehenden Veränderungen zu veranschaulichen.

JurCase informiert:

Eine solche Schlüsselqualifikation kannst du etwa an Universitäten in Potsdam, Marburg, Gießen, Köln, Göttingen, Frankfurt oder Bremen erwerben [Stand: Mai 2021].

In den Veranstaltungen sollst du einen Einblick erhalten, was sich unter dem Begriff „Legal Tech“ alles verbirgt und was für dich als zukünftiger Jurist relevant werden kann.

Du sollst erkennen, welche Auswirkungen und welchen Einfluss die Digitalisierung auf das bestehende Rechtssystem und die verschiedenen Rechtsgebiete hat.

So kann Legal Tech neue Chancen für den juristischen Arbeitsalltag bringen, gleichzeitig können aber auch neue Herausforderungen und Probleme damit entstehen.

Du sollst einen Überblick darüber erhalten, welche Veränderungen die Digitalisierung für das Recht und für juristische Berufe bringt und welche neuen Fragen sich dadurch stellen.

Wie sind diese Schlüsselqualifikationskurse aufgebaut?

Die Veranstaltungen zum Erwerb der Schlüsselqualifikation sind dabei nie als reine Vorlesung konzipiert, sondern sollen ausdrücklich durch den Austausch zwischen den Studenten und Lehrenden – und mehr in Diskussionen als in Gesprächen – stattfinden.

Einige Veranstaltungen möchte ich dir vorstellen:

Uni Potsdam: Rechtsinformatik und Legal Tech

In der Schlüsselqualifikation „Rechtsinformatik und Legal Tech“ an der Uni Potsdam, geht es um den Einsatz von Technologie bei der Rechtsanwendung. Ziel aller Veranstaltungen ist es, dich als Jurastudent für die zunehmende Relevanz von Leal Tech-Anwendungen zu sensibilisieren. Legal Tech-Anwendungen sind solche, die dich später in der anwaltlichen Praxis unterstützen sollen (Vertragsgeneratoren; Due Diligence Systeme usw.), bei der Rechtsdurchsetzung durch Verbraucher (flightright; wenigermiete.de usw.) oder bei behördlichen Entscheidungen (z. B. „Robo Judges“ in Estland, Urteilsprognosen in den USA).

Dir werden informatorisches und technisches Wissen und grundlegende Programmierkenntnisse ebenso wie Daten- und Digitalisierungskompetenz vermittelt.

Legal Technik an der Uni Göttingen

An der Uni Göttingen besteht die Schlüsselqualifikation zu Legal Tech aus drei 2-stündigen Pflichtveranstaltungen, in denen du digitale Kompetenzen, juristische Methoden und insbesondere den Umgang mit dem Legal-Tech-Tool des Kooperationspartners BRYTER erlernen sollst. Die sog. No-Code-Plattform von BYRTER ermöglicht es dir komplexe Entscheidungsprozesse und Workflows zu digitalisieren und zu automatisieren. Je nach individuellem Bedarf wirst du geschult und angeleitet, um zu einem juristischen Thema deiner Wahl Fluss-Diagramme und respektive Workflows zu entwickeln. Diese sollen sämtliche inhaltlich erdenkliche Varianten zur Thematik abbilden und so eine entscheidungspraktische Hilfestellung bieten.

Du sollst also kreativ arbeiten können, während du erste Erfahrungen mit Legal Tech sammelst. Dein erstelltes Modul stellst du am Ende des Semesters im Rahmen einer mündlichen Prüfung vor.

FUTURE an der Freiburger Universität

Im Rahmen des Projekts FUTURE (Freiburger Universitätsausbildung zu Technik und Recht) bietet die Freiburger Universität die Möglichkeit neben der Schlüsselqualifikation auch ein Zertifikat zu erwerben.

Dafür müssen drei Kernveranstaltungen besucht werden, in denen du die grundlegende Fähigkeit in der Programmierung („Coding for Lawyers“), ein Verständnis moderner Verfahren der künstlichen Intelligenz und die Anforderungen des geltenden Rechts für die Entwicklung und den Einsatz von Legal Tech erlernst.

Letztes Jahr wurde die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg für dieses Projekt mit dem Digital Award 2020 in der Kategorie „Innovation in der Lehre“ ausgezeichnet.

Der Hackathon in Düsseldorf

Die Programmier-Werkstatt „Hackathon“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bietet dir als Student die Möglichkeit eigene Ansätze für Software-Lösungen zu entwickeln.  Ausgerichtet wird der Hackathon von der Kanzlei Hogan Lovells. Gemeinsam im Team mit anderen Jurastudenten und Anwälten der Kanzlei hast du die Möglichkeit innerhalb von 30 Stunden eine App für ein juristisches Thema zu entwickeln. Als Basis für dieses Projekt dient auch die Software des Legal-Tech-Unternehmens BRYTER.

Am Ende kürt eine fachkundige Jury den Sieger. Letztes Jahr gewannen drei Studenten, die einen „Data Breach Assessor“ entwickelten, mit dessen Hilfe Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung durch große datenverarbeitende Unternehmen schneller gemeldet und eingeordnet werden können.

JurCase informiert:

Neben Schlüsselqualifikationen in diesem Bereich gibt es an einigen Universitäten größere Legal Tech Projekte:

Die Eberhard-Karls-Universität hat eine studentische Initiative namens „Tübingen Legal Tech“, in Frankfurt existiert ein ähnliches Projekt namens „Legal Tech Lab“ für Studenten der Goethe-Universität. „Munich Legal Tech“ ist eine studentische Organisation für Law & Tech in München. Auch Köln hat das „Legal Tech Lab Cologne“ und ein Projekt der Uni in Münster nennt sich „recode.law“.

Fazit

Solltest du dich für eine Schlüsselqualifikation im Bereich Legal Tech interessieren, bist du vielleicht ohnehin schon sehr technikaffin und interessiert an Softwarearbeit und -entwicklung oder aber es kommen eine Menge neue Begriffe auf dich zu: Blockchain, Smart Contracts, Artificial Intelligence, Smart Law, Coding…

Auch wenn das abschreckend wirken kann, kannst du es auch als Chance nutzen in eine neue Welt einzutauchen und vielleicht findest du ja großes Gefallen daran und entdeckst neue Seiten an dir.

Jedenfalls können dir diese Veranstaltungen helfen, dich als zukünftiger Jurist auf dem „digitalen Rechtsmarkt“ zurechtzufinden und erfolgreich zu arbeiten.

Schlüsselqualifikationen kennenlernen

Soft Skills werden immer wichtiger – vor allem im Berufsleben. Es gibt bereits während des Studiums viele Möglichkeiten Praxiserfahrungen zu sammeln. Die angebotenen Schlüsselqualifikationen sind zahlreich.

Gerne kannst du uns jederzeit an info@jurcase.com schreiben!

Über welche Schlüsselqualifikation würdest du gerne mehr erfahren?

Beitragsautor:

Elena Hofacker

Elena Hofacker

Elena ist künftige Rechtsreferendarin. Mit dem Beginn ihres juristischen Vorbereitungsdienstes wird sie uns Einblicke in ihre Ausbildung geben. Bis dahin ist sie hauptsächlich für unsere Rubrik #Schlüsselqualifikationen zuständig.

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