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Jura – immer weiblicher

By 17. Februar 2021März 2nd, 2021No Comments
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Immer mehr Frauen studieren Jura

Nicht umsonst ist die Justitia, die als Statue in zahlreichen Büros steht, die römische Göttin der Gerechtigkeit, denn Jura wird immer weiblicher. Statistisch gesehen beginnen mehr Frauen als Männer jährlich ein Jurastudium an einer deutschen Hochschule. Der Frauenanteil liegt in der Regel bei knapp über 60%. Das war nicht immer der Fall. Anfangs war die Juristerei ausschließlich den Männern vorbehalten, bis Maria Otto 1922 als erste Frau in Deutschland als Rechtsanwältin zugelassen wurde. Nicht einmal hundert Jahre strömen nun Frauen an die deutschen Jurafakultäten. Mittlerweile gibt es nicht nur den Deutschen Juristinnenbund und zahlreiche Karrierenetzwerke nur für Frauen – es gibt auch immer mehr erfolgreiche Absolventinnen!

Als Frau in einer Männerdomäne

Schon Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes sagt uns: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Gerade im Jurastudium wird dort teilweise immer noch ein harter Kampf ausgefochten. Es beginnt bei der Sprache über Juristen, Studierende und Kommilitonen und endet mit verschobenen Bewertungsmaßstäben. Das Jurastudium bringt tatsächlich einen entscheidenden Nachteil für junge Frauen mit sich: Es dauert lange. 5 Jahre bis zum ersten Staatsexamen, 2 Jahre bis zum zweiten Staatsexamen. Zumindest, wenn alles glatt läuft und man keine Pausen einlegt und nicht auf einen Referendariatsplatz warten muss. Wer nicht direkt mit 18 in das Studium startet, findet sich mit Ende 20 und einem abgeschlossenen Studium wieder und fragt sich: Was nun? Eine Schwierigkeit ist auch, dass das Referendariat nicht in Teilzeit absolviert werden kann. Aber schauen wir doch mal auf eine weltberühmte Juristin: Michelle Obama. Nicht nur hat sie die Harvard Law School abgeschlossen, sie hat auch zwei Kinder. Gerade heutzutage muss sich keine Frau mehr zwischen Karriere und Kindern entscheiden. Am Zahn der Zeit angekommen bieten viele Arbeitgeber Home Office, Kinderbetreuungen oder Gleichzeitarbeit an.

Frauen sind die besseren Juristinnen?

Zwar sind mittlerweile die Klausuren anonymisiert, jedoch lässt sich spätestens in den Examensstatistiken feststellen: Frauen haben im Durchschnitt etwas bessere Examensnoten als Männer. Zumindest solange, wie die Anonymität besteht. In offenen Prüfungen des Schwerpunktbereiches oder der mündlichen Prüfung, sieht es genau umgekehrt aus. Ob dies an teilweise rein männlichen Prüfungskommissionen und verstaubten Vorurteilen oder doch an der Abneigung von Frauen liegt, sich stärker in den Vordergrund zu spielen, bleibt offen.

Dabei wird Frauen auch nachgesagt, in Führungspositionen seien sie kreativer, gewissenhafter und organisierter. Weiterhin gelten sie als kommunikativ und diplomatisch. Alleine das Geschlecht macht keine gute Juristin. Aber es steht dem auch nicht im Wege. Schlägt man jedoch Bilder von der Führungsebene einiger Kanzleien auf, sieht man alles, außer: Frauen. Sie sind in diesem Bereich immer noch gnadenlos unterrepräsentiert. Zwar fördern mittlerweile viele Kanzleien auch die weiblichen Nachwuchsjuristinnen mit Karrierenetzwerken, Workshops und Mentoring Programmen, dennoch schaffen es wenig Frauen an die Spitze.

Klassische Frauenberufe?

Die „klassischen“ Frauenbereiche des Familien- und Sozialrechts sind längst nicht mehr der einzige Ort, wo sich qualifizierte Juristinnen tummeln. Ob IT-Recht, Sportrecht oder Steuerstrafrecht – überall sind die Frauen auf dem Vormarsch.

Allerdings sind Frauen nicht in allen juristischen Berufen gleich repräsentiert. Vor allem an Professorinnen mangelt es noch immer. Nur jede zehnte Professur ist mit einer Frau besetzt. Dies liegt vor allem an dem langen Ausbildungsweg über Promotion, Habilitation und die damit verbundenen zahlreichen Standortwechsel. Von Beginn des Studiums bis zum Abschluss der Habilitation kann gut und gerne ein ganzes Jahrzehnt vergehen. Es überrascht daher nicht, dass Frauen im Staatsdienst dominieren. Hier sind „nur“ die beiden (vollbefriedigenden) Staatsexamina erforderlich. Eine Verbeamtung auf Lebenszeit ist dabei genau so attraktiv wie ein fester Arbeitsplatz und freie Gestaltung der Arbeitszeiten sowie des Arbeitsortes. Dies verläuft sich jedoch wieder, je höher man in den Gerichtsbarkeiten geht. Bettina Limperg ist seit 2014 die erste Frau, die Präsidentin des Bundesgerichtshofs ist. Dabei mischen Frauen schon länger die höchsten Gerichtsbarkeiten auf.

Am Bundesverfassungsgericht sorgte bereits 1959 eine Urteilsverkündung durch die Richterin Erna Scheffler (die übrigens noch als „der Richter“ bezeichnet wurde) für Aufregung. Nicht nur verkündete sie als einziges weibliches Mitglied des Senats die Entscheidung mit einem Lächeln, die Entscheidung stammte auch größtenteils aus ihrer Feder und beschäftigte sich mit Art. 3 Abs. 2 GG und der Abschaffung des patriarchalischen Familienrechts. Elisabeth Selbert hatte mit der Einführung eben dieses Absatzes, für den sie in der ganzen Republik und im Parlamentarischen Rat geworben hatte, das bis dahin bestehende Familienrecht quasi zerstört. Erna Scheffler wurde durch diese Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu einer Legende – ähnlich wie die Richterin Ruth Bader Ginsburg in den USA, die als linksliberale Richterin am Supreme Court auch als eine der wichtigsten Frauenrechtlerinnen gilt.

Fazit

Fakt ist: Die Juristerei kommt um Frauen nicht mehr herum. Und das ist eine unglaubliche Bereicherung. Ich habe durch mein Studium wahnsinnig tolle Frauen kennengelernt – die auch ausgezeichnete Juristinnen sind. Aber im Rechtssystem sollte es auf das Geschlecht auch gar nicht abkommen. Justitia wird nicht umsonst blind dargestellt. Die Gerechtigkeit soll ohne Ansehen der Person walten. Dennoch möchte ich ausdrückliche alle Frauen ermutigen, sich für Jura zu entscheiden. Es ist auf jeden Fall lohnenswert.

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