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Gewusst

Roter Faden im Studium – der universitäre Schwerpunkt

By 14. September 2021No Comments
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Auf was du achten und wann du welchen Schwerpunkt wählen solltest

Neben dem Pflichtteil besteht dein Erstes Staatsexamen aus einem universitären Schwerpunktbereich. Der Schwerpunkt ist meistens auf eine Dauer von zwei Semestern ausgelegt und wird mit Klausuren, eventuell einer Seminararbeit sowie letztlich einer mündlichen Prüfung abgeschlossen. Die Endnote aus diesen Leistungen fließt zu 30 % in deine Gesamtnote für das Erste Staatsexamen mit ein.

JurCase informiert:

Inwieweit diese Rechnung für einen zukünftigen Arbeitgeber relevant wird, ist unterschiedlich. Teilweise werden die 30 % durch den Arbeitgeber wieder herausgerechnet, wenn der Schwerpunkt nicht für das angestrebte Aufgabenfeld relevant ist. Daher lohnt sich ein „Blick in die Zukunft“ für die Wahl des Schwerpunktes.

In diesem Erfahrungsbericht möchte ich dich darüber informieren, wann du welchen Schwerpunkt wählen solltest, wie die Prüfungen ablaufen und wie diese Erfahrungen in meinem Studium abliefen.

Der richtige Zeitpunkt?

Der Prozess „Schwerpunkt“ beginnt mit der Wahl des richtigen Schwerpunktbereichs. Als Teil des Examens kann der Schwerpunkt zwar schon nach dem Grundstudium gewählt werden, oft unterliegen allerdings die Abschlussklausuren denselben Zulassungsvoraussetzungen wie die Klausuren des Pflichtteils. Dementsprechend stellt sich also nur die Frage, ob du den Schwerpunkt vor oder nach dem Pflichtteil angehen solltest.

Für mich war die Wahrung des Freiversuches für den Pflichtteil hier ausschlaggebend, sodass ich zuerst meinen „Freischuss“ angetreten habe. Nach erfolgreicher Verbesserung ging es dann an den Schwerpunkt. Hierfür habe ich mich allerdings schon frühzeitig angemeldet, um schon im Voraus einen Eindruck der Vorlesungen zu erhalten.

Es muss aber erwähnt werden, dass für den Schwerpunkt ebenfalls „Freischuss“-Regelungen greifen können. Wenn dein Schwerpunktbereich Vertiefungen des Pflichtfachstoffes enthält (so z.B. die zivilrechtlichen Nebengebiete), kann es daher auch durchaus von Vorteil sein, den Schwerpunkt vor dem Pflichtteil zu absolvieren. Das erlangte Wissen kann dann auch im Pflichtteil wertvoll sein.

Welchen Schwerpunkt wähle ich aus?

Jede Universität hat ein verschiedenes Angebot, wenn es um die Schwerpunkte geht. Informiere dich schon zu Beginn deines Studiums, welche Schwerpunkte an deiner Universität angeboten werden. Es kann von Vorteil sein, einen Schwerpunkt zu wählen, der, wie schon angesprochen, den Stoff des Pflichtteils vertieft. Wenn du allerdings schon sehr genau weißt, was du später einmal machen möchtest, lohnt sich auch eine dementsprechende Wahl. Wichtig ist auch, dass die erstmalige Wahl eines Schwerpunktes nicht verbindlich ist. So kannst du ein Semester in die Vorlesungen reinhören, und dich dann doch noch für einen anderen Schwerpunkt entscheiden. Möglicherweise kommt auch ein Wechsel der Universität in Betracht, wenn ein spezifischer Schwerpunkt an deiner Universität nicht angeboten wird.

JurCase informiert:

Vor dem Hintergrund einer möglichen Freiversuchsregelung solltest du dich genau über die Zulassungsvoraussetzungen an einer anderen Universität informieren. Diese können unterschiedlich geregelt sein, sodass du gegebenenfalls Voraussetzungen nachholen müsstest.

Letztlich gehören, insbesondere wenn du eine Seminararbeit schreiben möchtest, auch die Dozenten des Schwerpunktes zu den Auswahlkriterien. Höre dir die Vorlesungen an und mache dir ein Bild, wie verständlich der Dozent für dich ist und wie gut du mit ihm und seinen Unterlagen klarkommst.

Ich war schon am Anfang meines Studiums sicher, später im Bereich des Strafrechts arbeiten zu wollen. Daher fiel mir die Auswahl dahingehend leicht. Während ich zwischenzeitlich über einen kriminologisch ausgerichteten Schwerpunkt an einer anderen Universität nachdachte, traf ich letztlich die Wahl an meiner Universität, da die Vorlesungen sowie das Engagement der Dozenten mir sehr gut gefielen.

Wie läuft der Schwerpunkt ab?

Während des Schwerpunktes hört man einige Vorlesungen, die teilweise semesterübergreifend aneinander anknüpfen und den Studierenden auf die Abschlussklausuren vorbereiten sollen. Während dieser Semester kann man auch an einem Prüfungsseminar teilnehmen und eine Seminararbeit in einem ausgewählten Themenbereich verfassen.

Die Vorlesungen werden nicht selten von Dozenten abgehalten, die Praktiker und Fachleute in ihrem eigenen Bereich sind. Dies ist interessant, da sich die Vorlesung im Wesentlichen von den Vorlesungen im Grundstudium unterscheiden.

In meinem Schwerpunktbereich wurden die Vorlesungen unter anderem von dem Leiter einer JVA, einem renommierten Anwalt im Wirtschaftsstrafrecht sowie einem Richter vom 5. Strafsenat des BGH geleitet.

Der Schwerpunktbereich wird dann mit einer oder zwei schriftlichen Prüfungen abgeschlossen, die von Umfang und Dauer den Prüfungen im Pflichtteil ähneln. Nach Bescheid über die Noten wirst du auch hier bei positivem Ergebnis zu einer mündlichen Prüfung geladen. Diese wird mit Prüfern und Prüflingen besetzt und dauert einige Minuten. Nach bestandener Prüfung und bestandenem Pflichtteil bekommst du dann das Gesamtzeugnis, mit welchem du dich für das Referendariat bewerben kannst.

Der erfolgreiche Schwerpunkt

Nachdem ich dich hier über den Aufbau und möglichen Ablauf informiert habe, kennst du nun verschiedene Ansatzpunkte, um den richtigen Schwerpunkt zur richtigen Zeit zu absolvieren.

Es bleibt nur die Frage, welche Auswirkungen der Schwerpunkt für dich und dein Studium hat und welche Auswirkungen eine vermeintliche falsche Wahl haben kann.

Wie anfangs beschrieben scheint für manche Arbeitgeber nur die Note des staatlichen Pflichtteils relevant zu sein. Zudem steht wohl die Frage einer Reform dieses Systems im Raum. Es ist also fraglich, ob man den Schwerpunkt nur aus dem Grund wählen könnte, dort eine besonders gute Note zu bekommen. Zwar kann eine gute Note im Schwerpunkt allein an manchen Universitäten den Weg zur Promotion eröffnen, allerdings wird diese Note ansonsten wohl für die Zukunft nicht von allzu hohem Wert sein. Wichtig im Schwerpunkt ist allerdings die Möglichkeit, neue Erfahrungen in Rechtsgebieten zu sammeln, mit denen du im Pflichtteil überhaupt keinen Kontakt oder erst im Referendariat Kontakt haben würdest.

In meinem Schwerpunkt hörte ich einer Vertiefung zum Strafprozessrecht, wobei insbesondere auf das Revisionsrecht detailliert eingegangen wurde. Dies hat meinen Berufswunsch weiter gefestigt und mir auch etwas für die bald anstehende Strafstation mit auf den Weg gegeben.

Außerdem ermöglicht der Schwerpunkt im Rahmen seiner Module und Zusatzveranstaltungen einen näheren Kontakt zu den Dozenten. Anstatt mit mehreren hunderten Studierenden im Hörsaal zu sitzen, finden die Veranstaltungen eher in kleineren Arbeitskreisen statt. Diese Kontakte, vor allem zu Praktikern und Dozenten aus verschiedensten Berufsgruppen, können für das anstehende Referendariat, die Wahlstation und die berufliche Zukunft darüber hinaus eine entscheidende Rolle spielen.

Fazit

Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass eine interessengerechte Wahl des Schwerpunktes für mich auf jeden Fall die richtige Entscheidung war. Es fällt durchaus leichter, sich für Prüfungen und Vorlesungen vorzubereiten, wenn die Materie einen persönlich sehr interessiert.

Ein genauer Blick auf die maßgeblichen Dozenten sowie das Hören verschiedener Schwerpunkte vor der endgültigen Entscheidung sind aber auch von Vorteil.

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Beitragsautor:

Luca Willemsen

Luca Willemsen

Luca studierte Rechtswissenschaften an der Universität in Trier und möchte seinen Vorbereitungsdienst im Regierungsbezirk Düsseldorf oder Köln absolvieren. Für JurCase ist er aktuell vor allem für aktuelle Rechtsprechung zuständig.

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