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Gewusst

Wirtschaftsrecht – Schmalspurstudiengang oder zukunftssichere Alternative?

By 25. September 2017Juni 2nd, 2021No Comments
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Wirtschaftsrecht – Schmalspurstudiengang oder zukunftssichere Alternative?

Während in anderen Branchen die Vielfalt möglicher Studiengänge in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, zeigen sich die Juristen hier wieder einmal konservativ. Noch immer führt der Weg zu einem Job in der Rechtsberatung fast immer über ein universitäres Studium der Rechtswissenschaften und das anschließende Referendariat. Diese so herangezogenen Volljuristen konkurrieren jedoch seit ca. zehn Jahren mit einer recht überschaubaren Anzahl von Absolventen des Studiengangs Wirtschaftsrecht. Diese verfügen sowohl über juristische Kenntnisse als auch über wirtschaftswissenschaftliches Know-how. Zeit für einen Vergleich.

Spezialist schlägt Generalist

Vielen Juristen stünde es gut zu Gesicht, wenn sie beispielsweise eine BWA lesen oder auch nur eine Excel-Tabelle programmieren könnte. Das gilt zumindest für diejenigen, die Unternehmen wirtschaftsrechtlich beraten oder selbst als Anwalt unternehmerisch tätig sind. Allerdings ist der Studiengang der Rechtswissenschaften mit so vielen rechtlichen Inhalten aus unterschiedlichsten Gebieten belegt, dass kaum Raum ist für eine zusätzliche ökonomische Qualifizierung.

Der Volljurist – und das zeigt sich gerade im Studium – soll halt noch immer der allwissende Generalist sein. Dabei setzen sich in der Praxis der Rechtsberatung zunehmend die Spezialisten durch. Der Einzelanwalt um die Ecke, der gleichermaßen im Strafrecht Verkehrsrecht und Erbrecht berät, ist eine aussterbende Spezies.

Vor diesem Hintergrund ist es für den Wirtschaftsrechtler natürlich sinnvoll, sich auf Studieninhalte wie Gesellschaftsrecht, Steuerrecht und Arbeitsrecht zu konzentrieren und sich statt mit Staatsrechtskunde mit Bilanzierung oder Marketing zu befassen.

Fehlt da nicht was? Juristen ohne Staatsexamen

Genau das bietet der Studiengang Wirtschaftsrecht. Dessen Absolventen fehlt jedoch am Ende nicht nur der unnötige Ballast praxisferner Rechtsgebiete. Ihnen fehlen auch zwei Staatsexamen. Sie verzichten dabei nicht nur auf die Befähigung zum Richteramt. Sie haben auch keine Aussicht auf eine Rechtsanwaltszulassung.

Der Einsatz in einer mittelständischen Kanzlei, selbst mit wirtschaftsrechtlicher Ausrichtung, dürfte daher in den meisten Fällen ausscheiden. Und auch in der Großkanzlei ist die Arbeit an der Mandantenfront sowie die Partnerschaft den Mitgliedern des Clubs der Volljuristen vorbehalten.

Wirtschaftsjuristen finden sich daher meist in Unternehmen, Verbänden, oder in der Verwaltung wieder.

Notanker für gescheiterte Jura-Studenten?

Das soll nicht heißen, dass man nicht auch dort sein berufliches Glück finden kann. Die Einsatzgebiete und Karrierechancen dürften jedoch für den klassischen Juristen auch in Bereichen mit starkem ökonomischem Schwerpunkt im Zweifel vielfältiger bzw. besser sein.

Kaum verwunderlich ist daher, dass sich im Studiengang Wirtschaftsrecht nicht wenige gescheiterte gewöhnliche Jurastudenten finden. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Neue Möglichkeiten im digitalen Zeitalter

Allerdings könnte der aktuelle Trend zur Digitalisierung in der Rechtsberatung den Wirtschaftsjuristen und ihrem Ansehen einen bedeutenden Schub verpassen. In den Startups aus dem Bereich Legal Tech spielen Staatsexamen oder eine Anwaltszulassung keine Rolle. Bei den neu entstehenden Geschäftsmodellen kommt es insbesondere darauf an, im Bereich der Rechtsberatung Prozesse zu optimieren und Produkte zu verkaufen. Ein ideales Tätigkeitsfeld für Wirtschaftsjuristen.

 

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Bernfried Rose LL.M

Rechtsanwalt Bernfried Rose ist Managing Partner

der Wirtschaftskanzlei ROSE & PARTNER LLP

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Beitragsautor:

JurCase Redaktion

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